Affoltern am Albis

Ex-Mitarbeitende üben Kritik am Asylzentrum Lilienberg

3. Juni 2022, 07:52 Uhr
Innerhalb eines Jahres soll sich die Anzahl jugendlicher Asylsuchender im Asylzentrum Lilienberg verdoppelt haben. Das Personal sei überfordert und komme nicht mehr nach, lauten die Vorwürfe. Diese werden von den Behörden dementiert.
Blick in ein Schweizer Asylzentrum: Ex-Mitarbeitende kritisieren nun jenes in Affoltern am Albis (Archivbild).
© KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Im Asylzentrum Lilienberg in Affoltern am Albis wohnen derzeit rund 90 minderjährige Asylsuchende, viele von ihnen unbegleitet – im Vergleich zum aktuell vorhandenen Personal seien das viel zu viele Personen, klagt eine Handvoll ehemaliger Mitarbeitenden gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).

«Es kann jederzeit was passieren»

Sie werfen der Asylorganisation Zürich (AOZ) vor, nach aussen hin einen guten Eindruck pflegen zu wollen, intern aber nicht viel im Griff zu haben. «Es gibt viele Dokumentationen, Papers und Konzepte, die erstellt werden, um gut dazustehen», sagen die ehemaligen Angestellten. Im vergangenen Jahr sei es im Asylzentrum Lilienberg allerdings zu 13 Abgängen gekommen.

Dies habe einen Beziehungsabbruch für viele Jugendliche zu ihren Betreuungspersonen bedeutet – eine besorgniserregende Entwicklung: «Wir machen uns grosse Sorgen», so die Ex-Mitarbeitenden, die anonym bleiben wollen. «Wir haben das Gefühl, es könnten jederzeit schlimme Sachen auf dem Lilienberg passieren. Es kann jederzeit zu Gewalt oder selbstschädigendem Verhalten kommen.»

AOZ weist Kritik von sich

Eine Verdopplung der Anzahl Asylsuchende, eine hohe Fluktuation unter den Angestellten: die Überforderung wird immer grösser. Dies hat auch «Family Help» registriert. Der Verein betreut im Auftrag der AOZ die Jugendlichen psychologisch. Die personellen und räumlichen Zustände seien schlecht, die Ansprechpersonen für die Jugendlichen seien immer wieder andere.

Immer mehr müssten deshalb auch Lehrpersonen einspringen, bemängelt zudem die Schule im Lilienberg. Sie hat gar einen Brief an den Kanton und dessen Schulpflegepräsident gewandt. Die AOZ selbst weist die Kritik von sich: «Es ist nicht zutreffend, dass wir Fachpersonen in Betreuungsrollen einsetzen, die eigentlich Sozialpädagogen übernehmen sollten», wird sie bei SRF zitiert. Auch andere Vorwürfe dementiert sie.

(mhe)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 3. Juni 2022 07:51
aktualisiert: 3. Juni 2022 07:52
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