«Jeder ist von der Frage besessen»

Die ETH Zürich forscht in Zukunft auch nach Aliens

Lothar Lechner Bazzanella, 15. Juni 2022, 11:27 Uhr
In Zürich entsteht gerade ein Forschungszentrum, welches nach ausserirdischem Leben in unserem Universum sucht. Und nach der Möglichkeit, einmal einen anderen Planeten zu bewohnen. Geleitet wird das Team von einem Schweizer Nobelpreisträger.

Gibt es ausserirdisches Leben im Universum? Können wir eines Tages auf dem Mars leben? Diesen Fragen will nun ein Forscherteam der ETH Zürich auf den Grund gehen. Im neuen «Center for the Origin and Prevalence of Life» suchen Chemikerinnen, Biologen, Geologen und Astrophysikerinnen künftig Antworten auf die «grossen, unbeantworteten Fragen des Lebens».

Nobelpreisträger aus Genf

Das Team selbst wird Didier Queloz als Direktor leiten. Der gebürtige Genfer Queloz ist nicht nur Professor für Astronomie in Genf und der weltweit renommierten Universität Cambridge. Er ist auch Nobelpreisträger. Die wichtigste Wissenschaftsauszeichnung erhielt er 2019, nachdem er zusammen mit Michel Mayor 1995 den ersten extrasolaren Planeten entdeckte, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist.

«Das Timing ist perfekt», so Queloz auf der ETH-Website. In den verschiedenen Wissenschaftsbereichen wie Chemie, Geologie und Astronomie seien in den jüngsten Jahren enorme Fortschritte gemacht worden. «In meinem eigenen Bereich, der Astronomie, haben wir Tausende neuer Planeten entdeckt, darunter auch kleinere stellare Objekte, die Leben beherbergen könnten.» Dieses Wissen wolle man nun in einem «multi-disziplinären Forschungsprogramm» bündeln.

Zusammen mit Biologen und Chemikerinnen will Queloz nun erforschen, wo und wie Leben auf Planeten entsteht beziehungsweise möglich ist. Dabei sei die Zusammenarbeit der einzelnen Fachbereiche unerlässlich: «Früher hatte ich die naive Vorstellung, dass ich die Existenz ausserirdischen Lebens beweisen könnte, wenn ich in der Atmosphäre eines Planeten Sauerstoff finden würde. Geochemiker haben mir gezeigt, dass diese Vorstellung zu simpel ist», so Queloz weiter.

Bedeutend sind Mars, Venus und die Monde des Jupiters

Besonders bedeutend bei der Forschung sei dabei der Mars. Er habe sich vor allem in den ersten Milliarden der Erde sehr ähnlich entwickelt und könne Schlüsse darauf zulassen, wie Leben entsteht. Ausserdem spannend: Die Venus oder die Monde des Jupiters.

Queloz werde deshalb auch weiterhin primär nach neuen Planeten suchen, die Leben beherbergen könnten. «Jeder ist von dieser Frage besessen – und das zu Recht.»

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 16. Juni 2022 18:49
aktualisiert: 16. Juni 2022 18:49
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