Weltraumteleskop blickt in die Vergangenheit

«Wir versprechen uns gigantische Neuentdeckungen»

12. Juli 2022, 12:46 Uhr
Die Nasa hat das erste Foto des neuen Weltraumteleskops «James Webb» veröffentlicht. Die Aufnahme zeigt nicht nur bislang unsichtbare Sterne und Galaxien, sie ermöglicht auch einen Blick bis an den Anfang des Universums. Für Astronom Marcel Prohaska ist das bahnbrechend.

Es ist die bislang tiefste und schärfste Aufnahme unseres Universums. Das James-Webb-Teleskop der US-Raumfahrtbehörde Nasa hat am Montag sein erstes Foto veröffentlicht. Das Bild zeigt einen kleinen Ausschnitt des Weltalls und ermöglicht gleichzeitig einen Blick in die Vergangenheit. Das auf der Nasa-Aufnahme zu sehende Licht war nämlich 13 Milliarden Jahre lang unterwegs, bevor es auf die Sensoren des Weltraumteleskops traf.

Teleskop bringt Verborgenes am Nachthimmel zum Vorschein

US-Präsident Joe Biden sprach gestern bei der Präsentation des Fotos von einem historischen Tag. Für Marcel Prohaska, Leiter der Sternwarte Sirius und Astronom an der Uni Bern, ist diese Bezeichnung nicht übertrieben. «Wir hatten noch nie ein Teleskop von dieser Grösse und Qualität im Weltall, das ist grossartig», sagt Prohaska im Gespräch mit der Today-Zentralredaktion. «Damit können wir Messungen machen, die uns von der Erdoberfläche aus nicht gelingen.»

Vom Bild des Teleskops ist Prohaska sehr angetan. «Wir schauen damit auf einen kleinen Fleck des Himmels, auf dem mit blossem Auge gar nichts zu erkennen ist. Dank der Leistungsfähigkeit eines Teleskops kommen dann erst Dinge zum Vorschein: Tausende von Galaxien auf kleinstem Raum. Das ist absolut faszinierend.»

Aufschlüsse über den Ursprung des Universums

Was bringt das neue Teleskop der Weltraumforschung? «Wir versprechen uns gigantische Erkenntnisse, Neuentdeckungen und Bestätigungen bestehender Theorien», freut sich Prohaska. Das Webb-Teleskop hat dabei gegenüber seinen Vorgängern wie dem Hubble-Teleskop einen wichtigen Vorteil: «Wir beobachten das Weltall damit im Infrarot-Bereich und nicht mehr wie bisher im Bereich sichtbarer Wellenlängen», so Prohaska. «Das ist eine riesige Erweiterung des Informationsflusses.»

Zudem besticht das Teleskop durch seine schiere Grösse. Sie ermögliche es, noch schwächere Lichtquellen zu sehen, als dies mit kleineren Exemplaren möglich sei. «Gut möglich, dass wir in 20 Jahren ein noch leistungsfähigeres Teleskop haben», sagt der Astronom. «Aber Stand heute ist das James-Webb-Teleskop einmalig.» Damit sei es möglich, bis an den Rand und bis an den Anfang des Universums zu blicken. So kommen wir einer Antwort auf die Frage näher, wie das Universum überhaupt entstanden ist.

(osc)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 12. Juli 2022 11:49
aktualisiert: 12. Juli 2022 12:46
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