Schlapp und müde

Frühlingsmüdigkeit – gibt es sie wirklich?

Céline Elber, 18. April 2022, 12:44 Uhr
Während die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, klagen im Frühling viele Menschen über Müdigkeit und Schlappheit. Alles nur Kopfsache oder gibt es tatsächlich wissenschaftliche Erklärungen dafür? Studien kommen zu verschiedenen Schlüssen.
Im Frühling fühlen sich viele Menschen schlapp und müde.
© Getty Images
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Ob es die Frühlingsmüdigkeit wirklich gibt, ist in der Wissenschaft umstritten. Fakt ist jedoch: Im Frühling fühlen sich viele Menschen schlapp, lustlos und gereizt. In Studien geben geschätzte 50 bis 70 Prozent aller Menschen in unseren Breitengraden an, unter Frühlingsmüdigkeit zu leiden.

Unklar ist aber der Grund für diese Müdigkeit. In der Theorie sollte nämlich eher das Gegenteil passieren. Wenn sich die Tage verlängern und damit die Sonne länger scheint, erhöht sich der Serotonin-Spiegel – und damit hebt sich auch die Laune und das Energielevel.

Alles nur Einbildung?

Warum fühlen wir uns denn trotzdem müde? Hier ist sich die Wissenschaft uneins. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass im Frühling Müdigkeit und Antriebslosigkeit einfach stärker auffällt. Wenn alles aufblüht, andere Menschen viel rausgehen und gute Laune haben, dann nehme man die eigene Müdigkeit stärker wahr, so die Idee.

Ausserdem könnte es sich bei der Frühlingsmüdigkeit um ein Überbleibsel der Vergangenheit handeln. Früher wurden im Winter oft wenig Früchte und Gemüse gegessen. Im Frühling litten die Menschen dann unter Vitaminmangel. Heute ist das nicht mehr der Fall, die meisten Menschen kommen auch im Winter an ihre Vitamine. Vermutet wird, dass sich der Begriff der Frühlingsmüdigkeit trotzdem erhalten habe.

Hangover nach dem Winterschlaf

Andere Studien gehen aber davon aus, dass es körperliche Ursachen für die Frühlingsmüdigkeit gibt. Ist es kalt und dunkel, schützt sich unser Körper nämlich, indem er die Körpertemperatur um ein paar Zehntel Grad herunterfährt, den Blutdruck erhöht und mehr vom Schlafhormon Melatonin ausschüttet. Wenn im Frühling dann die Sonne wieder länger und kräftiger scheint, und die Temperaturen steigen, bringt das unseren Hormonhaushalt erneut durcheinander. Die Körpertemperatur steigt wieder, der Blutdruck sinkt. Bis auch die Produktion des Melatonins wieder heruntergefahren ist, dauert es aber eine Weile. In dieser Zeit läuft also der Körper nicht mehr auf Sparflamme, unser Hormonhaushalt aber schon.

Die These ist nun: Das alles bedeutet Stress für den Körper und hat damit einen ermüdenden Effekt. Expertinnen und Experten nennen diesen Effekt auch einen «Hangover nach einem Mini-Winterschlaf».

Wetterfühligkeit

Dazu kommt, dass der Frühling oft sehr wechselhaftes Wetter mit starken Temperaturschwankungen mit sich bringt. Viele Menschen reagieren darauf mit körperlichen Beschwerden wie Müdigkeit und Kopfschmerzen. Auch das könnte die Frühlingsmüdigkeit erklären.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 11. April 2022 08:23
aktualisiert: 18. April 2022 12:44