TV-Zensur

FIFA zeigt umstrittene Schiedsrichterentscheide nicht

16. Dezember 2022, 14:32 Uhr
Die Macht auf die Fernsehbilder nutzt die Fifa nicht nur, um leere Tribünen und Streit zu verbergen. Auch strittige Situationen auf dem Rasen lässt sie nicht wiederholen.
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Leere Ränge, Streit auf dem Rasen und kritische Aktionen neben dem Fussballplatz. Dinge, die man bei einer Fussball-WM nicht gerne sieht – wenn sie überhaupt zu sehen sind. Eine neue Recherche zeigt nun, dass der Weltfussballverband Fifa bei der Ausstrahlung stärker eingreift als erwartet, wie die «Luzerner Zeitung» in einem Artikel schreibt.

Fifa will die WM positiver machen

Ginge es nach dem Fifa-Präsidenten Gianni Infantino, hätte die Weltmeisterschaft in Katar die beste WM der Geschichte sein sollen. Negative Schlagzeilen und umstrittene Szenen passen da nicht gut ins Bild. So versuche die Fifa die WM positiver darzustellen als sie eigentlich ist. Die Fifa kontrolliere nämlich das Signal, über welches praktisch alle Fernsehsender ihre Bilder beziehen.

Leere Ränge würden nicht ausgestrahlt, dafür werde die Kamera eher auf jubelnde Fans gerichtet. Auch die «Mund-zu-Geste» der deutschen Nationalmannschaft blieb den meisten Zuschauern vor dem Fernseher verwehrt. Recherchen der «Süddeutschen Zeitung» zeigen jetzt ausserdem, dass die Fifa auch Szenen während der Spiele nicht transparent darstellt.

Wiederholungen ausgelassen

So sollen mehrere strittige Situationen den Fernsehzuschauern in der Wiederholung nicht gezeigt worden sein. Ein Beispiel ist das Viertelfinal zwischen Marokko und Portugal. Ein marokkanischer Spieler soll in der 86. Minute den Ball im Strafraum mit der Hand berührt haben. Der Schiedsrichter hat aber sofort abgewunken. Die portugiesischen Fans im Stadion reklamierten laut. Die Szene selbst schaffte es erst gar nicht in die Fernsehwiederholung.

Die Einführung des Videoassistenten VAR soll zwar genau solche umstrittenen Situationen und Diskussionen verhindern. Ob dieses Ziel auch erreicht wurde, bleibt zumindest fraglich. Nach fast jeder Partie haben sich Spieler, darunter auch der kroatische Top-Spieler Luka Modric oder der argentinische Superstar Lionel Messi, öffentlich über die Unparteiischen beschwert.

(hap)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 16. Dezember 2022 14:32
aktualisiert: 16. Dezember 2022 14:32