Schweiz

Zügig oder Schneckentempo – Wann ist man eine gute Autofahrerin?

Strassenverkehr

Zügig oder Schneckentempo – Wann ist man eine gute Autofahrerin?

02.10.2023, 12:51 Uhr
· Online seit 29.09.2023, 05:57 Uhr
Von sich selbst behauptet man gerne, man könne gut Autofahren. Doch ab wann ist man eigentlich gut? Wir haben bei einer Fahrlehrerin nachgefragt.
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Nicht zu schnell, aber ja nicht langsamer als das Strassenschild erlaubt. Zügig, aber trotzdem ökologisch. Eine gute Autolenkerin ist eine, die den Verkehr nicht aufhält. Oder doch jemand, der oder die sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält? Laut Güllü Grambs, Fahrlehrerin und ehemalige Polizistin, stimmt alles und doch nichts. «Wenn man vorausschauend fährt, ist man ein guter Autofahrer», so Grambs. «Wenn auch ein gewisses Know-how da ist. Da ist nichts mit ‹schnell, schnell›.» Autofahren lernt man nicht von heute auf morgen. Und auch wenn man die Prüfung bestanden hat, ist man noch lange nicht gut, so die Fahrlehrerin. «Wenn man ein Instrument lernt, geht man auch jahrelang in den Unterricht und auch da ist man nach 20 Lektionen noch lange nicht gut. Gut Auto zu fahren, ist ein langer Prozess.»

Nach der Prüfung ist vor dem Lernen

Güllü Grambs ist seit 16 Jahren Fahrlehrerin. Genau definieren, wer gut fahren kann und wer nicht, kann sie nicht. Doch sie gibt ihren Schülerinnen und Schülern immer einen Leitsatz mit: «Verbotenes nie, Gebotenes immer, doch auch Erlaubtes manchmal nicht.» Damit möchte die Fahrlehrerin ihren Schützlingen mit auf den Weg geben, dass man den gesunden Menschenverstand einsetzen sollte, wenn man auf den Strassen unterwegs ist. Ansonsten könne man gar kein guter Autofahrer sein.

Vor- und Nachsicht

«Ein guter Autofahrer lernt aus seinen Fehlern», so die Fahrlehrerin. «Wenn man denkt, keine Fehler zu machen, kann man kein guter Autofahrer sein.» Keiner ist laut Güllü Grambs fehlerfrei. Auch Fahrer und Fahrerinnen, die bereits 30 Jahre hinter dem Steuer sitzen, müssen sich jeden Tag beweisen. Die Verkehrsregeln und die Strassen ändern sich von Zeit zu Zeit. Sich daran anzupassen und dabei auch auf andere Verkehrsteilnehmer Rücksicht zu nehmen, mache eine gute Lenkerin oder einen guten Lenker aus. Selbstsicherheit im Strassenverkehr sei wichtig, so die ehemalige Polizistin. «Doch wer zu selbstsicher und überheblich wird, kann für den Strassenverkehr genauso gefährlich sein, wie ein Neulenker, der noch unsicher ist.»

Gleichzeitig sei es auch sehr wichtig, im Strassenverkehr vorsichtig zu sein, doch Übervorsichtigkeit könne ebenso gefährlich sein. «Wenn man die anderen Verkehrsteilnehmer zum Überholmanöver zwingt, weil man sich nicht getraut, schneller zu fahren, dann ist man kein guter Autofahrer. Wenn man auf der Überholspur den vorderen Lenker zwingt, schneller zu fahren, auch nicht.»

Man lernt nie aus

Neben dem Vorausschauen sei auch der Gedanke an die Umwelt ein Kriterium, das eine gute Autofahrerin oder ein guter Autofahrer erfüllen müsse. «Einerseits ist ökologisches Fahren gut für die Umwelt, andererseits ist es auch umso besser fürs Portemonnaie», so Grambs. Schliesslich ist also eine Mischung aus Voraussicht, Anpassungsfähigkeit, dem Gedanken an die Umwelt und der gesunde Menschenverstand das Rezept für gutes Autofahren. Und auch dann gebe es immer noch Dinge, die man dazulernen kann und muss, um besser zu werden.

veröffentlicht: 29. September 2023 05:57
aktualisiert: 2. Oktober 2023 12:51
Quelle: ArgoviaToday

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