SRG-Wahlbarometer

Wer gewinnt, wer verliert – so will die Schweiz im Herbst wählen

· Online seit 05.07.2023, 17:00 Uhr
Das zweite SRG-Wahlbarometer sieht die Grünen als Verlierer und die SVP als Gewinnerin. Trotzdem bleibt die Klimakrise die grösste Herausforderung aus Sicht der Schweizerinnen und Schweizer. Überraschungen gibt es bei den grössten Ärgernissen.

Quelle: Das bedeuten die Abstimmungsresultate für die Wahlen im Herbst (18.06.2023)

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Wie will die Schweiz wählen?

Mit Spannung werden die nationalen Wahlen im Herbst 2023 erwartet. Das zweite SRG-Wahlbarometer bestätigt nun den Trend: Die grosse Wahl-Verliererin wird wohl die Grüne Partei sein. Gemäss aktueller Wahlabsicht verlieren die Grünen 3 Prozentpunkte. Die grösste Gewinnerin heisst SVP. Sie würde – Stand jetzt – einen Gewinn von 1,5 Prozentpunkten einfahren, wie folgende Grafik zeigt:

Die SVP würde damit einen Teil ihrer Verluste von 2019 – damals büsste sie 3,8 Prozentpunkte ein – wieder kompensieren. Mit einem Wähleranteil von 27,1 Prozent könnte sie das drittbeste Resultat ihrer Geschichte erreichen. Ebenfalls zur Gewinnerseite gehört die SP, die wie beim letzten Wahlbarometer bei einem Plus von 1,0 Prozentpunkten steht.

Was auffällt: Die FDP und Mitte kommen fast auf den gleichen Wähleranteil. Allerdings gilt zu berücksichtigen, dass die Schätzgenauigkeit mit einem Stichprobenfehler von +/-1,2 Prozentpunkten durchaus in Rechnung gestellt werden muss.

Was sind die grössten politischen Herausforderungen?

Anders als es die Wahlabsichten vermuten lassen, empfinden 40 Prozent der Befragten den Klimawandel als grösste Herausforderung – knapp gefolgt von den hohen Krankenkassenprämien (38 Prozent). Weiter auf dem Podest ist die Zuwanderung. Sie empfinden 29 Prozent als die grösste Herausforderung.

Auf Rang vier und fünf folgen dann die Versorgungs- und Energiesicherheit (26 Prozent) sowie die soziale Sicherheit und Lebenshaltungskosten (23 Prozent). Ebenfalls auf 23 Prozent schafft es die Reform der Altersvorsorge.

Die Gleichstellung der Geschlechter sehen nur 8 Prozent als grösste politische Herausforderung, auch das Thema der Kriminalität und Sicherheit kommt nur auf 10 Prozent.

Was sind die grössten Ärgernisse?

Nebst der Sachebene wurde in diesem Wahlbarometer erstmals auch die emotionale Ebene der Politik zu erfassen versucht. Den befragten Personen wurde folgende Frage gestellt: «Wenn Sie an aktuelle Ereignisse und Themen denken, was ärgert Sie besonders?»

Hier dominiert der Ärger über das CS-Debakel und die Boni-Exzesse bei der Grossbank. 58 Prozent der Befragten gaben dies als grösstes Ärgernis an. Bereits an zweiter Stelle folgt aber schon der Ärger über die Strassenblockaden durch Klimaaktivisten. Für praktisch gleich viel Ärger sorgen Gender-Debatte und Wokeness (50 Prozent).

Was sind die Reaktionen?

«Bei diesem Trend, der seit den letzten Wahlen anhält, geht es für die Grünen immer weiter etwas nach unten. Das heisst, dass das Grüne-Momentum wieder vorbei ist», sagt Michelle Beyeler, Politikwissenschaftlerin an der Universität Zürich.

Der Grüne-Präsident Balthasar Glättli lässt sich aber nicht vom Wahlbarometer beirren. «Vor vier Jahren hatten wir die genau gleichen Umfragezahlen. Im Herbst hat es dann 13,2 Prozent gegeben. Es ist wichtig, dass die Menschen die Hoffnung nicht verlieren.» Für dies müsse man die Grünen stärken.

Welche Schlüsse ziehen die Autoren?

Die Autoren des Wahlbarometers interpretieren: «Bemerkenswert ist dennoch, dass bei der Frage nach den wichtigsten Herausforderungen nur gerade 9 Prozent «Freiheitsrechte, Meinungsfreiheit» angeben. Offenbar fühlen sich viele von Gender und Wokeness eher provoziert als tatsächlich in der eigenen Freiheit eingeschränkt. Es bleibt deshalb offen, wie weit sich der Ärger in konkrete politische Energie verwandeln lässt.»

Weiter folgern die Autoren: «Im neuen Kulturkampf stehen nicht mehr Migration und Aussenpolitik im Fokus, sondern Klimakleber, Gender und Wokeness.»

Wie wurde die Umfrage erhoben?

Die Datenerhebung des SRG SSR Wahlbarometers fand zwischen dem 8. Juni und dem 22. Juni 2023 statt. Die Befragung erfolgte online, die Teilnehmenden wurden einerseits über die Webportale von SRG SSR, andererseits via Online-Panel von Sotomo rekrutiert. Insgesamt wurden 25‘216 Stimmberechtigte befragt. Der Stichprobenfehler beträgt +/-1,2 Prozent.

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veröffentlicht: 5. Juli 2023 17:00
aktualisiert: 5. Juli 2023 17:00
Quelle: Today-Zentralredaktion

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