SVP-Giezendanner gibt Linken Schuld an Gotthard-Chaos | ZüriToday
Umweg nach Süden

SVP-Giezendanner gibt Linken Schuld an Gotthard-Chaos

12.09.2023, 08:20 Uhr
· Online seit 11.09.2023, 18:45 Uhr
SVP-Nationalrat und Logistikunternehmer Benjamin Giezendanner ärgert sich, dass der Verkehr nicht mehr durch den Gotthard fahren kann. Verantwortlich dafür macht er die «linke Verhinderungspolitik». SP-Nationalrat Jon Pult findet das «stillos».

Quelle: BRK News / SDA/ CH Media Video Unit / Ramona De Cesaris (Archiv-Video vom 11.9.2023)

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Eine Pechsträhne verfolgt das Herz zwischen dem Norden und dem Süden der Schweiz. Im August entgleiste im Gotthardtunnel ein Güterzug – mit langfristigen Folgen. Seit dem Unfall fahren alle Personenzüge über die Panoramastrecke, was eine längere Reise nach sich zieht. Die SBB rechnet damit, dass es zumindest bis Frühling 2024 dauert, bis der Basistunnel auch für die Reisenden geöffnet werden kann.

Inzwischen verzögert sich auch die Autoreise in den Süden. Wegen eines Schadens an der Tunneldecke ist der Gotthard-Tunnel seit Sonntag in beiden Richtungen für den Autoverkehr gesperrt. Zwei Betonteile hatten sich in der Nähe des Tunnelportals gelöst und waren auf die Fahrbahn gefallen. Dabei kam es zu einem 25 Meter langen Riss in der Zwischendecke. Lenkerinnen und Lenker müssen deshalb einen Umweg über die San-Bernardino-Route und über die Gotthard-Passstrasse machen.

«Hatten eine Krisensitzung»

SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner reiste am Montag mit Verspätung an die beginnende Herbstsession. «Wir hatten jetzt natürlich eine Krisensitzung», sagt der Geschäftsführer des Transport- und Logistikdienstleisters Giezendanner Transport AG zur Today-Redaktion. Wegen des gesperrten Gotthards habe seine AG den Verkehr neu organisieren müssen.

Nach dem entgleisten Güterzug im August hätten sie den Verkehr vermehrt auf die Strasse verlagert, sagt Giezendanner. «Nun geht auf der Strasse nichts mehr.» Vor allem für den Binnenverkehr sei der gesperrte Tunnel mühsam, da dieser nur noch über den San Bernardino nach Süden komme. «Das ist teurer und auch für die Fahrer nicht schön.» So könnten diese aufgrund der längeren Fahrt am Abend nicht mehr nach Hause fahren, sondern müssten im Tessin übernachten.

«Schweiz hat es verpasst»

Der Riss in der Decke des längsten Tunnels der Schweiz hin oder her – der 1980 eröffnete Strassentunnel ist sanierungsbedürftig. 2021 begannen die Arbeiten für den Bau der zweiten Gotthard-Röhre, damit die wichtige Nord-Süd-Verbindung trotzdem weiter besteht. Voraussichtlich ab 2029 ist diese in Betrieb. Beide Tunnel sollen ab 2032 für den Verkehr offen sein.

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Benjamin Giezendanner kritisiert, dass der Bau der zweiten Tunnels nicht früher in Angriff genommen worden sei. «Die Schweiz hat es verpasst, rechtzeitig einen zweiten Tunnel zu bohren. Jetzt haben wir den Schlamassel», sagt der Verkehrspolitiker. Der wichtige Tunnel sei gesperrt und die Schweiz habe kein Back-up. Der ganze Verkehr müsse auf Kosten von Bündner Gemeinden über den San Bernardino umgeleitet werden. Die aktuelle Situation werfe er der linken Seite vor, sagt Giezendanner. «Das ist das Resultat ihrer Verhinderungspolitik.»

«Nicht politisch hochkochen»

SP-Nationalrat Jon Pult äussert sich «in erster Linie erleichtert darüber, dass es am Gotthard keine Verletzten gegeben hat». Die Panne sei sehr ärgerlich und habe sich niemand gewünscht. «Aber man sollte diese jetzt auch nicht dramatisieren und politisch hochkochen – das hilft niemandem und ist stillos», sagt der Verkehrspolitiker. «Offenbar gibt es aber Politiker, die im Wahlkampf die Nerven verlieren.»

Bei der zweiten Gotthard-Röhre gab es laut Pult nach der Volksabstimmung keine einzige Einsprache von den Umweltorganisationen. Einzig sei sich die Politik zuvor nicht einig gewesen, ob es eine zweite Röhre brauche oder ob die Sanierung der bisherigen Röhre genüge. «Nach der Volksabstimmung gab es beim Bau der zweiten Röhre keine politische Verzögerung, die politisch gewollt ist», stellt Pult klar.

Pult sagt, dass die Schweizer Infrastrukturen grundsätzlich stabil gebaut und gut unterhalten seien. «Der Vorfall zeigt aber, dass bei Infrastrukturprojekten im Berg nichts garantiert ist.»

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 11. September 2023 18:45
aktualisiert: 12. September 2023 08:20
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