Schweiz

Sonderermittler Marti wollte Mails der Bundesverwaltung knacken lassen

Corona-Leaks

Sonderermittler Marti wollte Mails der Bundesverwaltung knacken lassen

· Online seit 27.07.2023, 08:00 Uhr
Peter Marti, ehemaliger Sonderermittler in der Affäre Corona-Leaks, wollte verschlüsselte E-Mails von Alain Bersets langjährigem Kommunikationsverantwortlichen Peter Lauener knacken lassen. Dafür schickte Marti im Dezember 2021 eine Sondereinheit der Zürcher Kantonspolizei ins Bundesamt für Informatik.
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Im Zentrum der Corona-Leaks steht der ehemalige Medienchef von Alain Berset, Peter Lauener. Dieser soll Ringier-Geschäftsführer Marc Walder regelmässig mit Informationen zur Pandemie-Politik des Bundes beliefert haben. Sowohl Lauener als auch Walder bestreiten, etwas Widerrechtliches getan zu haben.

Sonderermittler Peter Marti verdächtigte Lauener der Amtsgeheimnisverletzung und anderer Delikte. Ein kleiner Teil der Nachrichten Laueners war verschlüsselt, was eine Entschlüsselung notwendig gemacht habe. Die Anfrage zur Entschlüsselung der Mails sei ohne richterlichen Beschluss geschehen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Informatiker warnen vor Vertrauensbruch

Beim Treffen mit dem Bundesamt für Informatik in Zollikofen bei Bern hätten sich die Beamten geweigert, die Mails zu knacken. In einer Besprechung mit den Zürcher Polizisten äusserten die Informatiker grosse Bedenken gegen die Aufhebung der Verschlüsselung. Das Knacken der Mails wäre zwar möglich, aber mit einem massiven Vertrauensbruch gegenüber der ganzen Bundesverwaltung verbunden.

Peter Marti hatte als Sonderermittler vom Bundesamt die gesamte Mailbox Laueners bekommen, statt nur die angeforderte Kommunikation von sechs Wochen. Ein Versehen, wie sich herausstellte.

Viel mehr Mails bekommen als angefordert

Marti wertete daraufhin die gesamten unverschlüsselten Mails aus und stiess so auf die Kommunikation Laueners mit Ringier-Chef Walder, obwohl er dazu gar nicht berechtigt war. Darunter waren auch verschlüsselte Nachrichten, die er dann vom Bundesamt für Informatik öffnen lassen wollte. Dazu zog er die Ermittlungsabteilung für Strukturkriminalität der Kantonspolizei Zürich heran.

Sein Mandat als ausserordentlicher Staatsanwalt des Bundes hat Peter Marti im Mai 2023 an die ordentliche Bundesanwaltschaft abgegeben. Marti habe aus persönlichen, nicht weiter erläuterten Gründen um Entbindung vom Mandat gebeten. Ob die verschlüsselte Kommunikation Laueners nun tatsächlich offengelegt werden muss, entscheidet jetzt das Berner Zwangsmassnahmengericht.

(osc)

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veröffentlicht: 27. Juli 2023 08:00
aktualisiert: 27. Juli 2023 08:00
Quelle: Today-Zentralredaktion

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