37'000 Ehen

Millennials und Generation Z heiraten wie verrückt

24.06.2023, 23:19 Uhr
· Online seit 23.06.2023, 14:01 Uhr
Die Zahl der Eheschliessungen hat einen neuen Rekord erreicht. Im Jahr 2022 nahmen Heiraten um rund vier Prozent zu. Laut einer Generationenforscherin lösen Spätzünder und Frühstarter zweier Generationen den Boom aus.
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Das älteste und traditionellste Beziehungsmodell ist im Aufschwung. Mit über 37'000 Ehen kam es im Jahr 2022 zu rund 1500 mehr Eheschliessungen als 2021. Das entspricht laut den neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) einer Zunahme von rund vier Prozent.

Einen ersten Rekord verzeichnete das Amt bereits 2021, womit die Eheschliessungen 2022 das zweite Jahr in Folge zugenommen haben.

Entwicklungspsychologin und Generationenforscherin Pasqualina Perrig-Chiello führt die Zunahme auf die Millennials zurück. «Diese sind jetzt beim Heiraten zwar später, aber voll dran», sagt sie zur Today-Redaktion.

«Meist sind schon Kinder da»

In der Schweiz heirateten Frauen laut den aktuellsten Zahlen im Schnitt mit 30,3 Jahren, Männer mit 32,2 Jahren. Das Heiratsalter sei im Vergleich zu früheren Jahren hoch, sagt Perrig-Chiello. Zum Heirats-Boom gekommen sei es unter anderem, weil die Millennials sich nach langem Widerstand doch von der Ehe hätten überzeugen lassen. «Meist sind schon Kinder da, sodass sie sich in einer Ehe mehr nach Sicherheit sehnen.» Andere Millennials heirateten, weil sie sich mehr Verbindlichkeit wünschten. «Sie wurden vielleicht in der unverbindlichen Liebe enttäuscht und sehnten sich nach einer stabilen Beziehung.»

Der 29-jährige Lukas wurde kürzlich Vater. «Einerseits habe ich meine heutige Frau aus Liebe geheiratet. Andererseits haben wir die Hochzeit vorgezogen, weil wir ein Kind erwarteten. Wir wollten noch vor der Geburt unseres Kindes verheiratet sein», sagt er. Früher habe er die Ehe als ein etwas veraltetes Konstrukt empfunden. Heute sehe er es nicht mehr ganz so streng. «Es hat etwas Schönes, sich so zu zeigen, dass man sich liebt und noch mehr will als einfach eine normale Liebesbeziehung.»

Bald den Bund der Ehe schliessen wird die 31-jährige Karin. «Für mich steht der Familien-Gedanke im Vordergrund: Man gehört auch vor dem Gesetz offiziell zusammen», sagt sie. Die Ehe gebe einem eine gewisse Absicherung. «Gerade, wenn man Kinder hat oder bekommen möchte, funktionieren viele Behördenmechanismen einfacher.»

Heirat wegen unsicherer Zeiten

Eine gross angelegte Jugendstudie in Österreich mit Personen zwischen 16 und 25 Jahren zeigte im Frühling, dass Heiraten und Kinderkriegen für die Mehrheit der Befragten ein Ziel ist. Diese Entwicklung lässt sich laut Perrig-Chiello auch auf die Generation Z in der Schweiz übertragen.

Zu Unrecht werde der Generation Z nachgesagt, dass sie bloss auf Plattformen herumflirte und möglichst spezielle Beziehungsformen anstrebe, sagt Perrig-Chiello. «Es gibt auch viele Menschen der Generation Z, die sich ein traditionelles Familienmodell wünschen oder ein solches bereits leben.» Daher führe sie die Zunahme bei den Eheschliessungen auch auf die jüngere Generation zurück.

Einen weiteren Grund für den Heirats-Boom sieht die Psychologin in der unsicheren Weltlage. «Die Pandemie und der Krieg zum Beispiel wecken die Sehnsucht nach mehr Stabilität und dem Gefühl, jemanden zu haben, der für einen da ist, wenn es einem nicht gut geht.»

«Liebe kann ein ganzes Leben lang halten»

Auch der 26-jährige Tobias hat seiner Partnerin bereits das Jawort gegeben. «Ich bin überzeugt, dass Liebe mit der richtigen Einstellung und dem richtigen Engagement ein ganzes Leben lang halten kann. Für mich war eine Familie zu gründen immer eines meiner Lebensziele», sagt er.  Eine Heirat sei in seinen Augen eine super Basis für eine Familie. «Ich hatte jedoch auch das Glück, früh eine Frau zu finden, die ich von ganzem Herzen liebe, mit der ich den Rest meines Lebens verbringen will und die meine Werte teilt.» Zudem komme er aus einem Elternhaus mit einer gesunden Ehe und in seinem Umfeld sei Heiraten sehr verbreitet.

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Tobias ist der Meinung, dass das Commitment in einer Ehe höher ist als bei einer normalen Beziehung. «Sie ist ein Versprechen, auf das man zählen kann. Eine Bindung, in der man Hochs gemeinsam feiern und Tiefs zusammen durchstehen kann.» Wer sagt, Ehe sei verstaubt und uncool, habe in seinen Augen ein veraltetes Bild davon.

Dem 26-Jährigen fällt auch auf, dass sich seine Generation heutzutage nicht mehr gerne festlegt. «Man will offen bleiben für neue Beziehungen und neue Bekanntschaften. Entscheidungen fürs Leben gibt es praktisch keine mehr.» Das sei anders als früher und färbe wohl auch auf die Einstellung zur Ehe ab.

veröffentlicht: 23. Juni 2023 14:01
aktualisiert: 24. Juni 2023 23:19
Quelle: Today-Zentralredaktion

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