Schweiz

«Mein Körper gehört mir» – LGBTQ-Aktivistin kritisiert SRF wegen Oben-ohne-Bild

Barbusig im TV

«Mein Körper gehört mir» – LGBTQ-Aktivistin kritisiert SRF wegen Oben-ohne-Bild

21.10.2022, 18:42 Uhr
· Online seit 21.10.2022, 17:20 Uhr
Polit-Influencerin Anna Rosenwasser kritisiert eine SRF-Sendung von «Sternstunde Philosophie». Rosenwasser sagt, SRF habe das einzige öffentliche Bild von ihr gezeigt, wo sie «barbusig» sei. SRF wehrt sich gegen die Kritik.
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Eine Ausgabe der «Sternstunde Philosophie» von «SRF» hinterlässt bei der Zürcher LGBTQ-Expertin Anna Rosenwasser einen bitteren Nachgeschmack. Ausgestrahlt wurde die Sendung mit dem Titel «Ich poste, also bin ich – Leben in der Influencer-Gesellschaft» bereits im Juni. Auf Instagram schreibt sie nun in einem Post namens «Busen mit Sinn», dass sie kürzlich die Sendung geschaut habe und kritisiert dann einige Punkte der Sendung.

«Keine Influencerinnen zugegen»

So müsste man künftig auch diejenigen Menschen einladen, um die es auch geht: «Offenbar traute man Influencerinnen nicht zu, selbst über ihre Arbeit zu philosophieren, es waren nämlich keine zugegen», schreibt Rosenwasser.

Hierzu muss man sagen: Die Gästeauswahl von SRF beinhaltet wahrlich keine Influencer im klassischen Sinne. Doch die beiden eingeladenen Experten sind auf Social Media mehr als nur passive User: Anna Miller ist Autorin, Journalistin und Aktivistin und postet rege Inhalte auf Instagram. Auch der zweite Gast, Wolfgang M. Schmitt, ist Youtuber, Podcaster und Autor und deshalb findet sich auch von ihm viel Content auf sozialen Plattformen, wie eine kurze Recherche zeigt.

Rosenwasser empört sich über das gezeigte Bild von ihr

Doch dies allein war nicht der Grund für das Posting Rosenwassers. «Die TV-Redaktion zeigte aus allen Aberdutzenden öffentlichen Bildern von mir das einzige, auf dem ich nichts anhabe.» Zwar räumt sie ein, dass dann auch mal etwas Intelligentes über das Thema gesagt worden sei, doch dass «irgendein Philosoph» ihr «Nacktheit im Schweizer Fernsehen» vorwerfe, zu der sie nie eingewilligt habe, und ausserdem noch ihre Lohnarbeit abwerte, stört sie offensichtlich.

An diesem Punkt hat Rosenwasser die Sendung gestoppt, das betroffene Bild auf Instagram gesucht und archiviert, «damit keine anderen Philosophen mehr Zugriff haben». Weiter schreibt sie: «Mein Körper gehört mir, angezogen und ausgezogen, bezahlt und unbezahlt, mit Publikum oder ohne.»

Das sagt SRF zu den Vorwürfen

Judith Hardegger, Leiterin Sternstunden, schreibt auf Anfrage von ZüriToday: «Die Forderung, dass man in Sendungen über Phänomene oder gesellschaftliche Rollen nicht sprechen darf, ohne dass Betroffene mitdiskutieren, kann man nicht einfach so verabsolutieren.»

Denn anders als beispielsweise im «Club» sehe das Konzept der «Sternstunde Philosophie» vor, dass Themen mit einer gewissen Distanz beobachtet und analysiert werden. «Ansonsten müssten wir in einer Sendung über Populismus Populisten zu Wort kommen lassen.»

Weiter gehe es in der Sendung gar nicht ausschliesslich um Influencerinnen, sondern grundlegend um den Umgang mit der Digitalisierung und den sozialen Medien, «und hierfür haben die beiden Gäste eine ausgewiesene Expertise», so Hardegger.

«Rosenwassers Kritik ist nicht nachvollziehbar»

Die Kritik, dass die Sendung ausschliesslich weibliche Influencer kritisieren will, sei nicht nachvollziehbar. Die Rede ist laut der Leiterin Sternstunden bei SRF von «Influencern, die ihren Body zeigen, die ihren Luxus zeigen, die sich auf Reisen zeigen». Damit sei in keiner Weise angedeutet, dass es nur um Frauen geht.

Ausserdem stimme es nicht, dass in der Sendung Anna Rosenwassers Arbeit abgewertet würde. Hardegger: «Im Gegenteil: Sie wurde gerade als besonders positiv herausgehoben und es wurde betont, dass viele Aktivist:innen auf Social Media wichtige Arbeit machen.»

SRF ist im Gespräch mit Rosenwasser

Zum Schluss entschuldigt sich Judith Hardegger, was die Bilderwahl angeht: «Wenn wir Anna Rosenwasser damit brüskiert haben, dann tut uns das leid. Das war selbstverständlich nicht unsere Absicht. Wir fanden das Bild passend, weil es ein wichtiges Anliegen thematisiert (Selbstbestimmung über den weiblichen Körper), was wiederum die Wichtigkeit von Rosenwassers Tätigkeit unterstreicht.»

Anna Rosenwasser wollte sich gegenüber ZüriToday nicht weiter zum Thema äussern. Dies, da Sternstunde Philosophie ihr das Gespräch angeboten habe «und sich das Ganze entsprechend im Prozess befindet».

veröffentlicht: 21. Oktober 2022 17:20
aktualisiert: 21. Oktober 2022 18:42
Quelle: ZüriToday

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