Fifa-Affäre

Ex-Bundesstaatsanwalt vom Vorwurf der Falschaussage entlastet

· Online seit 07.09.2023, 09:07 Uhr
Der ehemalige leitende Staatsanwalt des Bundes, Olivier Thormann, hat vor dem Bundesstrafgericht in der Fifa-Affäre keine Falschaussage gemacht. Die Verdachtsmomente liessen sich nicht erhärten. Der ehemalige Uefa-Präsident Platini hatte Anzeige erstattet.

Quelle: Archivvideo vom 8. Juni 2022 / CH Media Video Unit / Katja Jeggli

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Der deswegen eingesetzte ausserordentliche Staatsanwalt des Bundes stellte das Verfahren ein, wie er am Donnerstag mitteilte. Michel Platini hatte Thormann in seiner Anzeige unter anderem vorgeworfen, dieser habe im Juni 2022 als Zeuge im Fifa-Prozess vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona gelogen.

Bei den «umfangreichen Ermittlungen liessen sich die Verdachtsmomente insgesamt nicht erhärten», schrieb der zur Abklärung eingesetzte ausserordentliche Staatsanwalt Thomas Weltert in seiner Mitteilung. «Ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten liess sich nicht feststellen.»

Grenze zur Vorverurteilung überschritten

Die Einstellungsverfügung ist Welterts Angaben zufolge rechtskräftig. Im Weiteren erhält Thormann wegen der regelmässigen Nennung seines Namens und unverpixelter Archivbilder in den Medien eine Genugtuung.

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Die Berichterstattung überschritt demnach die Grenze zur Vorverurteilung. Sie stellte einen schweren Eingriff in die Privatsphäre des Beschuldigten und dessen Familie dar. Weitere Informationen wollte der ausserordentliche Anwalt des Bundes nicht bekannt geben. Thormann ist aktuell Präsident der Berufungskammer des Bundesstrafgerichts.

Michel Platini, der frühere Präsident des europäischen Fussballverbands Uefa und einstige Nummer 10 der französischen Nationalmannschaft, hatte Thormann vorgeworfen, im Fifa-Prozess Falschaussagen gemacht zu haben.

Platini ortet Widersprüche

Bei der Befragung vor der Strafkammer seien Widersprüche zwischen den Aussagen Thormanns und von Markus Kattner, dem ehemaligen Fifa-Finanzdirektor, aufgetreten. Zudem umfasste die Anzeige Platinis Amtsgeheimnisverletzung.

Die Bundesanwaltschaft setzte daraufhin den ausserordentlichen Staatsanwalt zur Abklärung ein. Das Bundesstrafgericht verweigerte Platini in der Folge die Parteistellung in dem Verfahren. Das hätte dem ehemaligen Fussballfunktionär Akteneinsicht, die Teilnahme an Zeugeneinvernahmen und andere Rechte eingeräumt.

Freispruch für Platini und Blatter

Am 8. Juli 2022 hatte das Bundesstrafgericht Platini und Joseph Blatter, den ehemaligen Präsidenten des internationalen Fussballverbands Fifa, vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen. In Bezug auf ungetreue Geschäftsbesorgung stellte das Gericht das Verfahren ein.

Die Bundesanwaltschaft hatte Blatter und Platini beschuldigt, dass für die im Frühling 2011 erfolgte Überweisung der Fifa an Platini in der Höhe von zwei Millionen Franken keine rechtliche Grundlage vorhanden gewesen sei. Die Bundesanwaltschaft und die Fifa legten gegen das Urteil Beschwerde ein.

Aktuell verzögert Platini das Berufungsverfahren. Er zieht sein von der ausserordentlichen Berufungskammer des Bundesstrafgerichts teilweise abgelehntes Ausstandsbegehren gegen 16 vorgesehene Richterinnen und Richter sowie acht Gerichtsschreiber vor Bundesgericht weiter.

(sda/lol)

veröffentlicht: 7. September 2023 09:07
aktualisiert: 7. September 2023 09:07
Quelle: Today-Zentralredaktion

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