Schweiz

«Erschöpft und hoffnungslos»: Umfrage zeigt, wie Assistenzärzte leiden

Schweizer Spitäler

«Erschöpft und hoffnungslos»: Umfrage zeigt, wie Assistenzärzte leiden

· Online seit 20.02.2023, 07:47 Uhr
Rund ein Drittel aller Assistenzärztinnen und -ärzte der Schweiz haben an einer Umfrage zu ihrer Arbeitslast teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen immense Überarbeitung, fehlende Fortbildung und Verstösse gegen das Arbeitsgesetz.
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Stress, Angst, Burnout, Medikamentensucht: 4500 Assistenzärzte und -ärztinnen aus der ganzen Deutschschweiz haben eine Umfrage der «Neuen Zürcher Zeitung» (Bezahlartikel) ausgefüllt – die Ergebnisse sind besorgniserregend.

Die Umfrage gibt einen tiefen Einblick in das Gefühlsleben der jungen Ärzte. Einige berichten davon, am Arbeitsplatz in Tränen ausgebrochen zu sein. Eine 24-jährige angehende Chirurgin schreibt: «Ich fühle mich erschöpft, emotionslos und hoffnungslos.» Eine weitere Befragte gibt an, mehrere Kollegen mit diagnostizierten Burnouts oder einer Medikamentensucht zu haben.

Wer reklamiert, riskiert Karriere

Die Resultate zeigen, dass die jungen Ärztinnen und Ärzte einer immensen Belastung ausgesetzt sind, dass die Qualität ihrer Ausbildung sinkt und dass die Spitäler mutmasslich systematisch gegen das Arbeitsgesetz verstossen. So berichten viele von keinen oder nur kurzen Pausen.

Am längsten arbeiten laut der Zeitung die Chirurginnen, gefolgt von den Gynäkologen und den Internisten. 40 Prozent der Befragten geben an, mehr als 11 Stunden pro Tag zu arbeiten. Dies zu einem in Zürich üblichen Einstiegslohn von rund 7000 Franken.

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Beschweren mögen sich aber die wenigsten. Viele hätten Angst, ihre Karriere zu ruinieren, wenn sie «nicht spuren», sagt eine Assistenzärztin. Auch die Ausbildung, die fixer Bestandteil einer Assistenzarztstelle ist, kommt laut der «NZZ» zu kurz. Bei mehr als der Hälfte der Befragten werden die vorgegebenen vier Stunden Weiterbildung nicht angeboten. Die andere Hälfte kann die Angebote wegen zu viel Arbeit nicht besuchen.

Spitalverband widerspricht

Der Schweizer Spitalverband H+ wehrt sich gegen die Vorwürfe. Direktorin Anne Bütikofer dementiert in der «NZZ», dass die Spitäler Höchstarbeitszeiten missachteten und dem Ausbildungsauftrag nicht nachkämen.

Zum Druck, der auf den Assistenzärztinnen lastet, sagt sie: «Von ihnen wird viel gefordert, das ist uns bewusst.» Jedoch würden sie auch viel zurückerhalten, zum Beispiel «sehr gute Anstellungsbedingungen» und vor allem «eine herausragende Weiterbildung».

(bla)

veröffentlicht: 20. Februar 2023 07:47
aktualisiert: 20. Februar 2023 07:47
Quelle: Today-Zentralredaktion

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