Ausweisentzug für Autolärm?

«Ein leises Auto zieht keine Blicke auf sich»

Angela Rosser, 13. Dezember 2022, 08:20 Uhr
Wer mit seinem Fahrzeug absichtlich zu viel Lärm erzeugt, soll den Führerschein für einen Monat abgeben. Das fordert zumindest eine Vorlage des Parlaments. Bei eingefleischten Autofans stösst dieses Vorhaben auf Unverständnis und Enttäuschung.

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

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Einen laut aufheulenden Motor empfinden viele als lästig. Echte Auto-Fans geniessen aber den Sound. Wie zum Beispiel Giulian. Er ist 18 Jahre alt, in der Ausbildung zum Automobil-Mechatroniker und wohnt in Graubünden. Die Autoprüfung steht bei dem Lehrling noch auf der To-do-Liste. Sein Auto, einen VW Golf 6R, hat er sich aber schon Monate vor seinem 18ten Geburtstag gekauft und vieles daran gemacht, selber umgebaut und optimiert. «Tuner sind nicht dasselbe, wie Autoposer», betont er.

Eine neue Vorlage aus Bern sorgt bei Giulian für Unverständnis. Wer zu laut unterwegs ist, soll künftig Konsequenzen erfahren. Einen Monat Ausweisentzug zum Beispiel, so will es zumindest ein Vorstoss im Parlament. Für Giulian ein Schlag ins Gesicht. Wie er zu den geforderten Schritten steht und was für Lösungen ihm vorschweben, erzählt er im Interview.

Wie findest du es, dass ein Entzug des Führerausweises droht, wenn man zu laut unterwegs ist?

Giulian: Ich persönlich finde das schade. Wenn Autofans ein Auto haben, an dem sie auch etwas haben machen lassen, damit es für sie perfekt ist, ist der Sound schon auch ein Punkt. Ein Auto, das leise ist, zieht auch keine Blicke auf sich und das ist schon auch ein bisschen das Ziel.

Ist laut wirklich besser und so beliebt?

Ja irgendwie schon. Wenn ich zum Beispiel schaue, was ich an meinem Auto verändert habe, ist das am Ende auch für den Motor besser. Ich habe zum Beispiel meine Downpipe gewechselt [Verbindung zwischen Turbolader und Abgasanlage], so läuft der Motor besser. Dass man dann die Kraftentwicklung des Motors auch hört, gefällt mir und finde ich etwas Besonderes. Es ist ein ganz anderes Feeling.

Mit welchen Einschränkungen wärst du denn einverstanden?

Wenn man zum Beispiel neben Schulen mega laut durchfährt oder so, dann finde ich das auch unnötig. Wenns wirklich provoziert wurde, finde ich, könnte man das schon büssen. Dass es aber so extrem eingeschränkt werden soll, finde ich unnötig und schade.

Was würde das denn für dich bedeuten?

Momentan habe ich einen der lautesten VW Golfs der Schweiz und ich würde trotzdem damit herumfahren. Busse hin oder her. Es ist halt mehr als nur ein Hobby, es ist eine Leidenschaft und die Lautstärke gehört für mich dazu.

Was hast du denn für ein Auto?

Aktuell habe ich einen Golf 6R und an dem habe ich schon einiges gemacht. Als Alltagsauto habe ich aber noch einen Audi A3. Der ist leise und gut, um zur Arbeit zu fahren. Mein momentanes Traumauto wäre ein Audi RS3, aber das ändert sich auch immer wieder mal.

Stören dich Laien, die einfach nur mit den Autos angeben wollen, obwohl sie keine Ahnung von der Materie haben?

Solange man sich daran hält, niemanden in Gefahr zu bringen und nichts riskiert, finde ich das nicht besonders schlimm.

Gäbe es für dich Alternativen zu den geplanten Restriktionen, von denen du denkst, dass sie für alle stimmen könnten?

In der Schweiz gibt es ja keine Rennstrecke, wo man sein Fahrzeug ausfahren kann. Wenn man vielleicht irgendwo eine Strecke machen könnte, wo man so fahren kann, wie man will und auch mal laut sein darf, wäre das ja sicher eine Möglichkeit. So könnte man definieren, dass man da auch lautstärketechnisch Gas geben kann, aber dafür auf den normalen Strassen leise und langsam fährt.

Es steht ja immer noch zur Debatte, dass es für junge Menschen eine PS-Begrenzung geben soll. Was hältst du davon?

Ich persönlich finde das gugus. Man kann auch mit einem Smart einen schweren Unfall haben.

Aber diese PS-Boliden mit über 500 Pferdestärken sind ja schon schwieriger zu beherrschen und da passiert bei etwas zu viel Gas schon leichter was, als eben beim Smart.

Ja klar, das ist so. Da denke ich, würde eine grössere oder anspruchsvollere Prüfung Sinn machen. Viele leasen sich halt ein krasses Auto und überschätzen sich dann komplett. Wie die teilweise rumfahren, wundere ich mich auch, dass die noch leben, weil die ihre Fahrzeuge überhaupt nicht im Griff haben.

Also würdest du eine Probezeit oder eine zweite Prüfung vorschlagen?

Entweder eine anspruchsvollere Prüfung gleich mit 18 oder einer Art Probezeit von zwei Jahren. Ich selber habe mit 14 mit 30er Jeepli angefangen zu fahren und habe auch mein jetziges Auto so umgebaut wie es ist und kenne es. Von daher fände ich eine umfangreichere Prüfung sinnvoller.

Ich hoffe einfach wirklich, dass diese neuen Forderungen nicht durchgesetzt werden. Auch das mit den Lärmblitzern fände ich extrem schade. Es gibt viele Autos, die im Originalzustand schon recht laut sind und dann dürfte man ja in keine Stadt mehr damit reinfahren.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 13. Dezember 2022 09:33
aktualisiert: 13. Dezember 2022 09:33