Initiative gegen Massentierhaltung

Befürworterin wirft Bauernverband Fahnen-Kontrollen vor

Bettina Zanni, 2. September 2022, 05:42 Uhr
Ein Vertreter des Bauernverbands soll sich daran stören, wenn Bauern auf Fahnen gegen die Massentierhaltungsinitiative verzichten. Es sei kein Wunder, trauten sich viele Bauern nur im Geheimen, die Initiative zu unterstützen, kritisiert eine Vertreterin des Pro-Komitees.

«Gopferdeckel, warum hast du keine Fahne?», wollte Urs Schneider einen Bauern fragen. Da müsse man vielleicht «einmal ein Telefon geben». Soeben hat der Kampagnenchef des Schweizer Bauernverbands an der Stallwand des Bauern bei der Kontrolle der Fahnenpräsenz keine Fahne gegen die Massentierhaltungsinitiative entdeckt.

So schilderte es die «NZZ» in einem Portrait über den Kampagnenchef kürzlich. Der Bericht liess Angelina Dobler, Kampagnenmitarbeiterin des Ja-Komitees, aufhorchen.

«Wie krass ist es, dass der Schweizer Bauernverband Kontrollfahrten macht, um zu schauen, dass die Bauern auch brav ihre Plakate gegen die Tierwohl-Ja aufgehängt haben? Kein Wunder getrauen sich viele Bauern nur im Geheimen zu sagen, dass sie die Massentierhaltungsinitiative eigentlich unterstützen», empörte sich Dobler.

«Sie trauen sich aber nicht»

Am 25. September stimmt die Schweiz über die Massentierhaltungsinitiative ab. Diese fordert eine tierfreundlichere Tierhaltung und dass alle Tiere genügend Platz und Zugang ins Freie haben. Auch soll Bio-Produktion Standard werden. Dasselbe ist für importierte Tierprodukte vorgesehen.

Angelina Dobler stellt gegenüber der Today-Zentralredaktion fest, dass viele Bauern bei der Initiative nicht zu ihrer Meinung stehen können. «Wir erhalten intern viele Meldungen von Bauern, die die Initiative unterstützen, sich aber nicht trauen, dies zu zeigen.» Grund dafür sei, dass sie von «kommerziellen Betrieben umzingelt» seien, welche die Initiative bekämpften. Kontrolliere der Bauernverband höchstpersönlich auch noch, ob Plakate aufgehängt worden seien, kämen andersdenkende Landwirtinnen und Landwirte zusätzlich unter Druck.

«Bauern lassen sich nichts vorschreiben»

Urs Schneider, stellvertretender Direktor des Schweizer Bauernverbands (SBV), wehrt sich gegen die Kritik. Der SBV mache keine Kontrollfahrten, wie es im NZZ-Artikel bezeichnet werde. «Es ist aber absolut legitim, sich ein Bild in der Landschaft zu machen und die Bäuerinnen und Bauern zu animieren, sich im eigenen Interesse aktiv an der Kampagne zu beteiligen.»

Von unterdrückten Meinungen will Schneider nichts wissen. Wer schreibe, die Bauern würden sich nicht getrauen, sich pro Massentierhaltungsinitiative zu äussern, kenne die Bauern nicht, sagt er. «Sie lassen sich nichts vorschreiben und sicher nicht vom Bauernverband.»

Zerstörte Plakate

Schneider schliesst aus, dass viele Bauern die Initiative unterstützen. «Das Problem der Initianten ist, dass es praktisch keine Bauern gibt, die für die Initiative sind», meint er stattdessen. Solche Aussagen zeigen seiner Meinung nach, dass den Befürwortern die Argumente fehlen. «Auch die zunehmende Zerstörung von Plakaten und Sujets der Nein-Kampagne zeugen davon.»

Mit dem Vorwurf der zerstörten Plakate zieht er jedoch erneut den Unmut der Befürworter auf sich. «Es ist absolut lächerlich, dass sich der Bauernverband jetzt als Opfer darstellt», entgegnet Angelina Dobler. Plakate des Ja-Komitees würden seit Wochen zerstört.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 1. September 2022 07:17
aktualisiert: 2. September 2022 05:42
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