Räbechilbi Richterswil

«Wir holen dafür 50'000 Räben» – Richterswil bereitet Highlight vor

· Online seit 01.11.2023, 09:06 Uhr
Sie ist das Highlight im Ort, der Höhepunkt im Jahr: die Richterswiler Räbechilbi. Am 11. November 2023 ziehen wieder hunderte Kinder und dutzende Bilder und Skulpturen aus Räbeliechtli durch den Dorfkern. ZüriToday hat mit dem Verantwortlichen über die Vorbereitungen gesprochen.

Quelle: Archiv TeleZüri / ZüriToday / Linus Bauer

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In der Region Zürich kennt sie praktisch jeder: die Richterswiler Räbechilbi. Es ist der grösste Räbeliechtli-Umzug im Kanton, immer am zweiten Samstag im November findet dieser statt. Zehntausende Räben werden in der Woche vor dem Umzug ausgehöhlt und verziert.

Seit 20 Jahren leitet Daniel Wohlwend vom Verkehrsverein Richterswil/Samstagern die Räbechilbi. In einer Arbeitsgruppe organisiert er den Umzug, den Einkauf der Räben und Kerzen, die Werbung und den Kontakt mit den Betreibern der öffentlichen Verkehrsmittel.

Knapp zwei Wochen vor dem grossen Tag erzählt Daniel Wohlwend im Interview mit ZüriToday, wie die Koordination Zehntausender Räben und Hunderter Kinder für den weitherum bekannten Umzug abläuft.

Daniel Wohlwend, die Räbechilbi ist wahrscheinlich das Highlight im Richterswiler Jahreskalender?

Absolut! Es ist der Höhepunkt im Jahr, DAS Dorffest, das wir haben. Klar haben wir zwei, drei andere Feste. Aber die Räbechilbi ist das Fest, bei dem ganz Richterswil mitwirkt. Ohne das Mitwirken des Dorfes würde es gar nicht gehen.

Ganz Richterswil, also alle Kinder, jede Klasse, samt Eltern, alle Lehrer etc.?

Ja, man bekommt das Räbechilbi-Fieber im Kindergarten. In der Schulzeit ist es so, dass man alle zwei Jahre mitläuft am Umzug. Es fängt im Kindergarten an, da geht man mit. Dann in der ersten Klasse läuft man mit einzelnen Räben mit, in der dritten mit Körben oder Leitern, also mit kleineren Gebilden, in der 5. Klasse macht man dann das erste Mal ein Bild. In der 2. Oberstufe wieder ein Bild. Und in der 3. Oberstufe gehen die Mädchen zuvorderst und eröffnen den Umzug.

Das ist die Laufbahn sozusagen, die man als Schulkind mitmacht. Das heisst nicht, dass man in den anderen Schuljahren nichts zu tun hat. In der 4. Klasse verkaufen die Kinder Abzeichen, mit denen die Räbechilbi finanziert wird. Die 6. Klässler höhlen Räben aus für den Verkaufsstand. Die erste Oberstufe macht Räbeliechtli für das Altersheim, für die Menschen, welche nicht mehr an den Umzug können. Am Umzug selbst sind aber nicht alle Kinder von Richterswil und Samstagern dabei.

Wie viele Kinder sind es denn ungefähr, die am Umzug mitlaufen?

Knapp 900 in diesem Jahr. Dann kommen aber noch die Vereine dazu, welche auch mitmachen am Umzug. Alles in allem sind etwa 1300 bis 1400 Leute am Umzug dabei.

Wie viele Räben sind am Tag der Räbechilbi circa im Dorf zu sehen? Am Umzug oder auf den Fenstersimsen?

Für dieses Jahr haben wir 50'000 Kerzli parat.

50'000 Räbeliechtli?

Richtig. Das sind etwa 30 Tonnen.

50'000 Räben, eine solche Menge muss man ja sicher weit im Voraus bestellen…

Ich kaufe bzw. bestelle die Räben lastwagenweise relativ früh im Jahr. Wir haben mit der Landi Regensdorf eine gute Partnerin, welche die Koordination mit den Produzenten übernimmt. Sie pflanzen die Räben Ende August an. Mitte/Ende Oktober werden die Räben geerntet. Jede Räbe wird einzeln und von Hand ausgerissen, das Kraut abgeschnitten und dann zurück auf den Hof gebracht und gewaschen. Die Ernte ist nach wie vor Handarbeit, weil wir in Richterswil schon eine gewisse Vorstellung davon haben, wie eine Räbe auszusehen hat. Wir nehmen also nicht einfach jede, die Grösse ist ungefähr vorgegeben. Der Landwirt schaut da also drauf.

Und wann kommen die Räben dann nach Richterswil?

In der Woche vor dem Umzug. Am Samstag und am Montag vor der Räbechilbi holen wir sie mit den Lastwagen. Am Montag können alle, die am Umzug mitmachen und auch die Leute aus dem Dorfkern die Räben inklusive Kerzli abholen. Gratis, das wird alles über die Abzeichen finanziert, welche die Besuchenden am Samstag beim Umzug dann kaufen können. Und dann ist es jedem Verein, jedem Haus, jeder Wohnung selbst überlassen, wie sie es mit dem Höhlen und Schnitzen machen. Jede Schulklasse und jeder Verein macht sein eigenes Ding.

Und dann geht die grosse Arbeit los…

Genau. Im Kindergarten und in den ersten Primarschuljahren sind die Eltern dann auch gefordert. Sie «dürfen» mithelfen beim Schnitzen in der Schule. Danach sind es die Schulkinder selber, die die Räben schnitzen, höhlen und das Bild gestalten. Als mein Junior in der 5. Klasse war, das weiss ich noch, bin ich auch nochmals mit ihm mitgegangen und habe geholfen das Gestell für das Bild zu basteln. Das hat am Samstagmorgen dann einfach dazugehört als Papi…

Was gab es für ein Bild?

Das waren... *überlegt* Jasskarten waren das.

Und die Vereine sind dann auch autonom unterwegs. Ihre Mitglieder helfen beim Höhlen und Aufbauen. Das Prozedere beginnt bei ihnen in der Regel am Mittwoch oder Donnerstag vor dem Umzug. Wenn es kühl und schattig ist, halten die Räben gut.

50'000 Räben und Kerzli, all das finanziert ihr mit den Abzeichen?

Ja, es gibt Abzeichen, von denen produzieren wir mehr. Und für die Liebhaber, Sammler gibt es auch noch Plaketten. Die kosten dann etwas mehr. Mit denen versuchen wir ein bitzeli den Sammlerreiz zu bedienen.

Bei den Räben gibt es übrigens auch zwei Varianten. Wir unterscheiden zwischen dem Schnitzen und dem Höhlen. Höhlen heisst wirklich nur, die Räbe hohl zu machen. Beim Schnitzen wird in den Rand der ausgehöhlten Räbe noch ein Muster reingeschnitzt.

Hausbesitzer höhlen die Räben meistens nur. Aber es gibt natürlich schon auch Hausbesitzer, welche ihre Räben kunstvoll schnitzen und bei den Fenstern aufstellen. Und bei den Vereinen, auch diese höhlen die Räben meistens nur. Wenn man als Verein ein Bild mit 1000 Räben machen will, diese alle noch zu schnitzen, das wäre ein Riesenaufwand.

Der Räbeliechtli-Umzug in Richterswil ist weitherum bekannt. Wie lange gibt es die Richterswiler Räbechilbi schon?

Ein genaues Datum gibt es nicht. Man geht davon aus, dass um 1850 die ersten Umzüge stattfanden. Ein Lehrer hat das damals in die Hände genommen. Seit 1908, das weiss ich hingegen genau, ist unser Verein federführend bei der Organisation.

Wie lange sind Sie schon in der Verantwortung für die Organisation der Räbechilbi?

Seit 20 Jahren. 2003 habe ich die Leitung übernommen. Aber ich alleine kann nichts machen, es ist das ganze Dorf, das mitzieht und mitchrampfet und x Stunden Fronarbeit leistet. Wir haben auch die Unterstützung der Gemeinde, aber wenn die Bevölkerung nicht mitmachen würde, dann wäre die Räbechilbi nicht das, was sie jetzt ist.

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veröffentlicht: 1. November 2023 09:06
aktualisiert: 1. November 2023 09:06
Quelle: ZüriToday

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