Finanzen in Zürich

Wo landen meine Steuergelder überhaupt?

Lothar Josef Lechner Bazzanella, 28. März 2022, 17:07 Uhr
Bis Ende März muss die Steuererklärung eingereicht werden. Aber was passiert eigentlich mit dem Geld? Wie viel Prozent meiner Abgaben landen etwa in Bildung, beim Militär oder werden für den Strassenbau verwendet?
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Das Steuersystem in der Schweiz ist alles andere als einfach. Besonders kompliziert machen die drei Ebenen aus Bund, Kantonen und Gemeinden die Umverteilung der verschiedenen Gelder, welche Bürgerinnen und Bürgen jährlich in Form von direkten Steuern zahlen müssen. Dazu kommt, dass es zwischen den einzelnen Wohnorten oft drastische Unterschiede in Bezug auf die Steuerlast gibt.

Nichtdestotrotz lohnt sich ein Blick auf die Verteilung der Steuern. Verwenden wir als Beispiel die Stadt Zürich, so lässt sich deren Steuersystem am besten an einem fiktiven Beispiel aufzeigen. Nehmen wir eine ledige Person mit einem jährlichen Einkommen von etwa 90'000 Franken. Insgesamt sind hier etwa 10'150 Franken an Steuern fällig, was circa elf Prozent des Einkommens ausmacht. Den Grossteil davon teilen sich Gemeinde und Kanton. Der geringere Anteil geht an den Bund.

Von diesen 10'150 Franken landet der Löwenanteil – etwa 2500 Franken in der Bildung, wie man zum Beispiel mit dem SRF-Steuerrechner nachrechnen kann. Die obligatorische Schule erhält hiervon knapp 1200 Franken, die Hochschulen 600 Franken und die berufliche Grundbildung etwa 220 Franken. Der Rest geht an Sonderschulen, allgemeinbildende Schulen, Forschung und Hochschulen.

550 Franken für AHV

Von den ursprünglichen 10'150 Franken Steuern sind nun nur mehr 7650 übrig. Der nächste dicke Batzen – etwa 2100 Franken – wird für die soziale Sicherheit verwendet. 550 Franken gehen an die Sozialhilfe und an das Asylwesen.

Etwa gleich viel investiert man in die Alters- und Hinterlassenenversicherung, sprich das Schweizer Rentensystem. Dieses ist nämlich so aufgebaut, dass die Arbeitenden für die Pensionen der Rentnerinnen und Rentner aufkommen. 450 Franken landen ausserdem im Topf für die Invalidenversicherung. Der übrige Teil der 2100 Franken wird für Kindergelder, den sozialen Wohnungsbau und Zuschüsse für arbeitslose Bürgerinnen und Bürger verwendet.

Das Bildungssystem erhält den grössten Teil der Steuereinnahmen.

© KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Fast die Hälfte des Steuerkuchens sind damit aufgebraucht, noch 5550 Franken stehen noch zur Verfügung. Bei einem Zürcher mit einem Jahreseinkommen von 90'000 Franken landen davon weitere 1200 in Investitionen in die Gesundheit. Heisst: Damit werden grossteils Spitäler, Kranken- und Pflegeheime finanziert. Aber auch Blutdruckmessgeräte oder Schulzahnpflege-Instruktoren werden mit diesen Geldern bezahlt.

Die Hälfte der Steuereinnahmen ist nun definitiv weg. Übrig bleiben noch 4350 Franken. Davon gehen 900 Franken an die Dienste der öffentlichen Sicherheit, sprich Polizei, Militär und Co. Auch die Rechtsprechung, der Strafvollzug und die Feuerwehr werden damit finanziert. Weitere 900 Franken werden für den öffentlichen Verkehr – Bus, Tram, Schiene – und für den Strassenverkehr im Allgemeinen verwendet. Damit werden Strassen geteert, Brücken gebaut oder hunderte Verkehrsschilder produziert.

Kantone mit hohen Steuereinnahmen geben mehr ab

Übrig bleiben nur mehr 2550 Franken von den anfänglichen 10'150. Zu etwa gleichen Teilen werden davon zum einen die allgemeine Verwaltung finanziert – wie etwa die Löhne von öffentlichen Angestellten wie Buchhalterinnen oder Stadtschreibern – und zum anderen der Finanz- und Lastenausgleich mit Geld versorgt. Beide Bereiche erhalten jeweils circa 700 Franken.

Der Finanz- und Lastenausgleich ist fundamental für das föderale Steuersystem der Schweiz. Er verringert die Unterschiede der Steuereinnahmen zwischen den Kantonen: Wer besonders viele Steuern einnimmt, unterstützt jene Gemeinden, die weniger Steuern kassieren.

Der ursprüngliche Steuerbetrag von 10'150 Franken ist dahingeschmolzen. Übrig sind nur mehr 1150 Franken. Davon werden etwa 650 Franken für kulturelle oder sportliche Angebote genutzt. Auch die Kirchen werden mit einem Teil dieses Gelds mitfinanziert.

250 Franken pro Jahr für Umweltschutz

Die letzten 500 Franken teilen sich die Sektoren Volkswirtschaft und Umweltschutz: 250 gehen an ersteren und finanzieren die Energieversorgung, unterstützen die Landwirtschaft mit Beiträgen, stellen Gelder für die Forstwirtschaft zur Verfügung oder bezahlen Jäger.

Die letzten 250 Franken werden hingegen für den Umweltschutz und die Raumordnung eingesetzt. Damit werden Abwässer beseitigt, die Wasserversorgung garantiert oder der Abfall entsorgt. Auch der Arten- und Landschaftsschutz wird schliesslich damit finanziert und nutzt auch die allerletzten Franken des Steuerkuchens.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 29. März 2022 07:17
aktualisiert: 29. März 2022 07:17