Biodiversität

Der Biber fühlt sich in Zürich wieder sehr wohl

· Online seit 09.03.2022, 11:01 Uhr
Angebissene und gefällte Bäume rund um die Limmat. Der Biber hinterlässt dort seine Spuren. Zudem findet derzeit eine nationale Biber-Volkszählung statt. Eine Expertin erzählt, worauf bei der Zählung zu achten ist und warum der Biber ein schützenwertes Tier ist.
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Die Umwelt braucht den Biber und der Biber braucht die Umwelt. In der Schweiz galt der Biber so gut wie ausgerottet. Die übermässige Jagd wegen seines wertvollen Fells, seinem Fleisch und dem Drüsensekret ‹Bibergeil› hätte die Art beinahe ausgelöscht. Seit den 1950er Jahren wird der Biber in der Schweiz aber wieder angesiedelt. Denn: Die Begabung des Bibers, seinen Lebensraum aktiv seinen Bedürfnissen anzupassen, ist recht einzigartig im Tierreich.

«Der Biber fördert die Biodiversität in seinen Lebensräumen. Er sorgt für Struktur, auch durch seine Veränderungen in der Landschaft, die er aktiv mitgestaltet und durch die Dämme, die er baut», berichtet Viviane Magistra Projektleiterin Bibermonitoring für die Kantone Zürich, Glarus, Schwyz und Zug. «Der Biber fungiert somit als eine Art Landschaftsarchitekt.» Und genau diese Landschaftsveränderungen bieten eben für viele Insekten, Amphibien, Vögel und Fische Möglichkeiten, sich genau an dieser Stelle wieder anzusiedeln.

Biber kümmern sich auch um andere Tiere

Vor allem in den Wintermonaten hinterlässt der Biber an den umliegenden Gewässern seine Spuren. «Der Biber macht keinen Winterschlaf und daher findet er in dieser Zeit kaum Nahrung und ernährt sich so hauptsächlich von Rinde, kleineren Ästen oder von Baumknospen», erklärt Magistra weiter. Das Material, welches er fällt, könne er anschliessend gut nutzen, um seine Bauten zu richten und zu flicken. Rund um die Limmat sind die Spuren des Bibers derzeit deutlich zu sehen. «Ein angeknabberter Baum ist meist ein eindeutiges Zeichen für Biber.»

Darüber hinaus kümmert sich der Biber auch um andere Tiere. «Das gefällte Holz, welches er selbst nicht verwertet, bietet anderen Lebewesen wertvolle Räume, um sich dort anzusiedeln», so Magistra. Darunter seien sehr viele Insekten, Amphibien oder auch Reptilienarten.

Derzeit gibt es eine nationale Biber-Volkszählung 

Die letzte Biber-Volkszählung fand vor 13 Jahren statt und seither hat sich viel getan. Die Biber-Population in der Schweiz ist wieder gewachsen und nun soll landesweit eine aktuelle Übersicht über den Zustand der Biber-Population gemacht werden. «Die Schweiz wird in unterschiedliche Regionen eingeteilt, in denen dann Freiwillige ausgebildet und eingesetzt werden», erläutert Magistra. Diese lernen dann Biberspuren zu erkennen und diese anschliessend zu deuten.

Das sei wichtig, da Biber nachaktive Tiere seien und somit nur anhand der Spuren nachzuvollziehen, wie die Projektleiterin sagt. «Die Hauptaufgabe der Freiwilligen besteht aber darin, bibertaugliche Gewässer abzulaufen, zu kartieren und danach die Spuren aufzunehmen. Und anhand dieser Angaben, kann dann eine Schätzung abgegeben werden, wie viele Tiere sich in den jeweiligen Regionen befinden.»

Detailgenaue Angaben zu der Biberanzahl in der Schweiz und in der Region Zürich könne aber nicht gemacht werden. «Es besteht immer auch die Gefahr, dass ein Biber doppelt gezählt wird. Daher gelten die Angaben auch nur als Richtwert, die aber auch eine grundlegende Aussagekraft hat, wie sich die Biberpopulation in den letzten Jahren verändert hat», hält Viviane Magistra fest.

veröffentlicht: 9. März 2022 11:01
aktualisiert: 9. März 2022 11:01
Quelle: ZüriToday

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