Zürcherin in Polanski-Film

Irina Kastrinidis: «Um Mickey Rourke herum sind alle erstarrt»

20.01.2024, 21:35 Uhr
· Online seit 20.01.2024, 17:04 Uhr
Grosse Ehre für Irina Kastrinidis. Die Zürcherin konnte sich eine Rolle im neuen Film «The Palace» des Starregisseurs Roman Polanski sichern. Im Interview mit ZüriToday spricht sie über den Dreh in Gstaad, aber auch über den umstrittenen Regisseur.

Quelle: ZüriToday / Rochus Zopp / Linus Bauer

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Irina Kastrinidis, Sie spielen im neuen Film von Regisseur Roman Polanski mit, wie ist es dazu gekommen?

Es ist ein Stück weit Zufall. Ich bin von einer Schweizer Castingagentur zu einem E-Casting eingeladen worden für die Rolle als Dubravka. Das habe ich dann eingeschickt und etwa drei Wochen später Bescheid erhalten, dass ich für die Rolle besetzt bin.

Wie würden Sie ihren Filmcharakter Dubravka beschreiben?

Dubravka ist eine sehr einfache Person. Sie kommt aus Tschechien in die Schweiz und ist sich den ganzen Glamour nicht gewohnt. Zudem spricht sie als einzige Person im Hotel kein Englisch. Darum versteht sie auch nicht, was um sie herum passiert. Das war sehr spannend für mich als Schauspielerin. Gleichzeitig war es aber auch sehr anspruchsvoll.

Die Dreharbeiten haben in Gstaad stattgefunden. Hatten sie davor schon eine besondere Beziehung zu Gstaad?

Nein, ich war das erste Mal in Gstaad. Da ich in Bern die Schauspielschule absolviert habe, kannte ich zwar die Berner Alpen, Gstaad aber noch nicht. Aber es war toll. Es ist eine unglaublich schöne Gegend. An einem drehfreien Tag machte ich eine Kutschenfahrt über das Land, das war sehr schön. Und das Palace Hotel, wo wir drehten, ist auch sehr beeindruckend.

Was ist «The Palace» für ein Film?

Der Film dreht sich um eine Gruppe von Menschen, die in diesem Hotel sind und darauf warten, bis das neue Jahr endlich anbricht. Im Hotel herrscht eine grosse Hysterie und Angst wegen der Jahrtausendwende. Die Menschen haben Angst vor dem Weltuntergang und was alles passieren könnte. Und schlussendlich ist die Aussage auch, dass gar nichts passiert. Es ist ganz viel Luft um Nichts.

Haben sie persönlich Erinnerungen an diese Nacht?

Ich weiss noch, dass ich 2000 die Schauspielschule in Bern abgeschlossen habe. Der Jahrtausendwechsel war für mich darum generell ein Übergang in ein neues, anderes Leben. Aber an die Silvesternacht selbst habe ich keine Erinnerung mehr. Das ist schon so lange her.

Was war für sie der grösste Unterschied, bei so einem grossen Filmprojekt dabei zu sein?

Es war natürlich mehr Geld da als in den anderen Filmen, die ich gedreht habe. Das hat schon damit angefangen, dass wir jeweils in einem riesigen Mercedes ans Set geführt wurden. Es waren auch mehr Leute am Film beschäftigt. Man hat daran schon gemerkt, dass es eine grosse Produktion war. Aber es war unglaublich aufregend und ich habe mich jeden Tag gefreut ans Set zu gehen. Man fühlt sich da wie in einem High.

Im Film spielen Sie auch an der Seite von Weltstars wie Mickey Rourke. Was war das für ein Gefühl?

Das war sehr eindrücklich. Als ich hörte, dass Mickey Rourke meinen Schwiegervater spielt, dachte ich schon: Wow. Es war eine gewisse Anspannung da vor dem ersten Treffen. Aber er hat eine unglaublich grosse Energie und alle rund um ihn waren wie erstarrt. Er nahm sehr viel Raum ein. Aber es war spannend, das zu erleben.

Hatten Sie mit den Stars auch abseits des Sets Kontakt?

Alle Schauspieler haben im gleichen Hotel gewohnt. Dadurch hat man sich am Abend nach dem Dreh auch immer wieder an der Bar oder beim Nachtessen getroffen. Mit Oliver Masucci hatte ich es zum Beispiel gut. Wir kennen uns auch schon länger vom Theater her. Er ist ein sehr offener und umgänglicher Mensch. Es war auch eine sehr internationale Truppe, mit Menschen aus Frankreich und Italien. Das gab eine tolle Atmosphäre.

Wie war die Zusammenarbeit mit einem preisgekrönten Regisseur, wie Roman Polanski?

Er führt die Schauspieler sehr genau und gibt vor, was er will. Gleichzeitig nimmt er aber auch viel auf und gibt einem die Freiheit vieles auszuprobieren. Man probt auch viel und häufig, als wäre man am Theater. Dabei ist er sehr perfektionistisch. Er ist dabei eine Mischung zwischen sehr intuitiv und trotzdem weiss er genau, was er will. Trotz seiner 90 Jahre ist er sehr lebendig und fit, rennt am Set umher und wirkt alterslos.

Roman Polanski ist eine sehr umstrittene Figur, er wurde 1977 wegen «Vergewaltigung einer Minderjährigen unter Verwendung von Betäubungsmitteln» verurteilt. Haben sie überlegt, die Rolle darum auch nicht anzunehmen?

Ich habe mir das sehr genau überlegt. Aber es hätte nichts daran geändert, wenn ich die Rolle nicht angenommen hätte, es hätte die Vergangenheit nicht mehr verändert und auch kein Zeichen gesetzt. Ich bin auch froh, dass ich mit ihm zusammenarbeiten durfte, die Erfahrung war sehr wertvoll.

Haben sie auch Reaktionen darauf erhalten, dass sie die Rolle angenommen haben?

Erstaunlich wenig bislang. Bei einem Film, den ich in Österreich gedreht hätte, kam die Frage auf, ob die Diskussion darum, dass ich mit Polanski drehte, nicht zu viel Raum einnehme. Es war ein sehr feministischer Film und die Regisseurin hatte Angst darum, dass die Debatte zu gross wird. Das ist aber die einzige direkte Reaktion, die ich darauf erhalten habe.

Sie sind sonst vor allem im Theater aktiv. Jetzt haben sie mal wieder einen Film gedreht. Was machen Sie lieber?

Wenn man die Möglichkeit hat, beides zu machen, ist das toll. Beim Theater hat man den Livemoment, der einen immer wieder fordert, beim Film dafür das fertige Produkt, das da ist und man nicht wieder auslöschen kann.

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veröffentlicht: 20. Januar 2024 17:04
aktualisiert: 20. Januar 2024 21:35
Quelle: ZüriToday

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