«Love, Lena, Lucy»

Hello Darkness, my old Friend!

9. Dezember 2022, 15:25 Uhr
Während Lena Bla Bla, fühlts Lucy so gar nicht. Statt an Weihnachtsmärkten zu flirten, suhlt sie sich im Tal der Tränen.
Lucy und Lena sind Freundinnen, Singles und Zürcherinnen.
© ZüriToday
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Meine one and only Lena,

Ich liebe es, dass du die Feste so feierst, wie sie fallen. Dass du den Bellevue-Advent zu deiner belle Vue nutzt. Dass du wieder auf Dating-Apps unterwegs bist und dein Ego geboostert wurde. Ich sage: Weiter so und applaudiere von der Seitenlinie.

Derweil geht es mir so richtig elend beschissen. Man könnte meinen, ich wurde nach zehn Jahren Liebe abserviert. Eingetauscht gegen eine Jüngere. Und dann fiel mir noch ein Meteorit auf den Kopf und mein Büsi wurde geklaut.

Alles Humbug.

Fab und ich waren Gott weiss nicht lange zusammen und drum schnall ich null, warum ich so leide wie schon sehr lange nicht mehr.

Ich vermisse Fab schrecklich. Ja, sogar der Strap-on-Sex fehlt mir. Neulich habe ich ihm in einer sehr schwachen Minute geschrieben, dass er mir fehlt. Und dass ich so wirklich schlimm heartbroken bin. Und dass ich nach wie vor überzeugt bin, dass er und ich ein sehr stimmiges Wir sind.

Ok, ich hatte recht viel Wein intus.

Von ihm kam zuerst absolut rein gar nichts. Drei Tage lang. Dann war da sein Name auf meinem Display. Mein Herz rutschte in die Hose. Ich öffnete die Nachricht: «Ja, Sorry!» stand da.

Ja, Sorry? Really? Fuck you.

Ich glaube, Fab ist gar nicht so fabulous, wie ich ihn mir gerade in meiner Traumwelt zusammenbastle. Mein Herz machts aber trotzdem. Und es lässt sich in seiner Irrfahrt nicht stoppen.

Und so sitze ich da und höre sehr traurige Lieder, tue mir leid, esse sehr viel Donuts und Chips und tue mir weiterhin leid, hasse das kommende Weihnachtsfest, das ich wieder alleine am Familientisch mit allen Paaren verbringen muss und finde das Leben scheisse und die Welt einen furchtbar tristen Ort.

Gestern wollte ich masturbieren. Einfach weil Orgasmen zumindest kurz Glücksgefühle auslösen. Es ging nicht. Tote Materie da unten, Lena. Nicht mal einschlägige Seiten im Netz halfen, nix.

Also habe ich entschieden, dass ich die Kacke zelebriere. Und mir eine Romcom nach der anderen gebe. Alte Kuschelrock-Alben anhöre. Liebes- und Hassbriefe schreibe, die ich nie abschicke.

Irgendwann kommen bessere Zeiten. Sollte es noch sehr lange dauern, schreibe ich Lucien. Du weisst schon, Lucien, der immer kann. Lucien, mit dem ich schon lange immer wieder mal schlafe, wenn sonst grad nichts los ist. Er weiss, dass er ein Notnagel ist. Und er ist okay damit.

Vielleicht ist da also wirklich ein Fünklein Licht am Ende des Tunnels.

Aber zuerst sinke ich noch rasch ein, zwei, dreihundert Mal ins Tal der Tränen ab.

Mit sehr verheulten Grüssen,

Deine Lucy

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 8. Dezember 2022 16:00
aktualisiert: 9. Dezember 2022 15:25