Auch in Zug ein Problem

«Wir waren überrascht» – gestresste Bäume werfen jetzt schon Laub ab

31.08.2023, 06:48 Uhr
· Online seit 30.08.2023, 06:19 Uhr
Meteorologisch beginnt der Herbst am Freitag. Wenn man durch den Wald läuft, fällt aber schon jetzt an vielen Orten extrem viel braunes Laub auf. Dies hat einen guten Grund: Wegen der Hitze in den vergangenen Wochen kamen viele Bäume in den Stress. Wir waren im Kanton Zug unterwegs.

Quelle: Tele 1

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Ungewöhnlich viele Bäume in Schweizer Wälder weisen bereits Ende August braune Blätter auf. Das bestätigte der Ökologe Constantin Zohner gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Grund dafür ist der Stress, dem die Bäume durch Hitze, Trockenheit und hohe UV-Strahlung ausgesetzt waren.

Daten zur Blattverfärbung für das Jahr 2023 lägen noch nicht vor, betonte Zohner, der an der ETH Zürich die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und ihrer Umwelt erforscht. Es gebe aber viele Bäume, die deutliche Schäden an den Blättern aufwiesen.

Blättersterben ist auf Stressschäden zurückzuführen

Es handelt sich dabei nicht um den normalen Verlauf der Blattfärbung, also um die gelben oder orangen Farben, die im Herbst das Laub färben. «Jetzt sind viele Blätter braun, teilweise schon abgestorben», sagte Zohner. Das sei auf Stressschäden zurückzuführen.

Der Wissenschaftler erklärt dies mit dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Zum einen bedeuten Hitze und Trockenheit Stress für die Bäume. Zum anderen habe es in diesem Sommer starke Temperaturschwankungen gegeben. Zudem führten hohe UV-Strahlung und damit hohe Ozonwerte im Spätsommer vermehrt zu Krankheiten bei Bäumen.

Auch Zentralschweiz betroffen

Das Phänomen ist auch in der Zentralschweiz zu beobachten. So liegen beispielsweise am Rotsee in Luzern zahlreiche Blätter am Boden. Auch bei einem Rundgang durch einen Wald im Kanton Zug werden diese Beobachtungen gemacht.

«Wir waren überrascht, dass in den vergangenen zwei bis drei Wochen gerade auch die Buchen sehr schnell braun geworden sind», sagt Martin Ziegler, Leiter Amt für Wald und Wild Kanton Zug, im Gespräch mit PilatusToday und Tele 1.

Kein neues Phänomen

Die vorzeitige Verbräunung der Wälder in Europa ist allerdings kein neues Phänomen. Eine im März in der Fachzeitschrift «Biogeosciences» veröffentlichte Studie zeigte, dass europäische Wälder in den letzten fünf Jahren grossflächig verbräunt sind.

Im Sommer 2022 kam es demnach zur bislang grössten Verbräunung: Sie erfasste 37 Prozent der gemässigten und mediterranen Waldregionen. Wie gut Bäume Hitze und Dürre überstehen, hängt demnach nicht nur von den aktuellen Wetterbedingungen ab, sondern auch von jenen in den Monaten oder Jahren davor. So begünstigt Trockenstress das sommerliche Verbräunen auch indirekt, indem er etwa Borkenkäfer- und Pilzbefall fördert.

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veröffentlicht: 30. August 2023 06:19
aktualisiert: 31. August 2023 06:48
Quelle: SDA/PilatusToday

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