Zu heiss

Im Rhein droht ein erneutes Massensterben von Fischen

18. Juli 2022, 16:56 Uhr
Die Hitzewelle hat die Wassertemperaturen im Rhein bei Schaffhausen bereits auf bis zu 25 Grad Celsius steigen lassen. Ab 26 Grad droht ein Massensterben von Äschen. Es droht das dritte grosse Fischsterben innert 20 Jahren.

Auf dem Rheinabschnitt zwischen dem Bodensee und der Stadt Schaffhausen sind momentan viele Schwimmerinnen, Gummiboot-Kapitäne und andere Wassersportler und Wassersportlerinnen zu sehen. Tote Fische treiben derzeit erst vereinzelt auf dem Wasser.

«Aktuell gibt es keine Anzeichen, die auf ein Fischsterben hinweisen», sagte Stefan Lebeda, der stellvertretende Generalsekretär des Departements des Innern des Kantons Schaffhausen, am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Nächste Tage können kritisch werden

Mit Blick auf die Hitzewellen von 2003 und 2018 wissen die Verantwortlichen aber auch: Die kommenden Tage dürften kritisch werden. «Bereits ab einer Wassertemperatur von 22 bis 23 Grad Celsius gerät die Äsche in einen Hitzestress. Der tödliche Bereich liegt bei einer Wassertemperatur von 25 bis 26 Grad Celsius über einige Tage», sagt Lebeda. 2018 habe das Massensterben am dritten Tag eingesetzt, als die Wassertemperatur über 26 Grad stieg.

Am Sonntagnachmittag kletterte die Wassertemperatur im Rhein bei Neuhausen am Rheinfall gemäss den Daten des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) auf 24,9 Grad. Und mit jedem weiteren Hitzetag werden es einige Zehntelgrad mehr. Hält der Trend an, dürfte die Marke von 26 Grad vor Ende Woche erreicht werden. Ein Wetterumschwung ist gemäss den Prognosen bis Ende Woche kaum zu erwarten.

Kälte-Oasen für Fische ausgebaggert

Der Kanton hat deshalb bereits vergangene Woche Notmassnahmen ergriffen, um die Fischbestände so gut es geht zu schützen. Bei Bachmündungen und Grundwasseraufstössen wird ausgebaggert, um Kälte-Oasen für die Fische zu schaffen. «Bei Temperaturen um 24 Grad suchen die unter Hitzestress stehenden Fische solch kühlere Rheinbereiche auf», sagt Lebeda.

Im August 2018, und vorher schon im Sommer 2003, half alles nichts mehr - Äschen und andere Fische trieben zu Tausenden tot an der Oberfläche oder wurden ans Ufer gespült und mussten entsorgt werden. Rund 90 Prozent der Äschen starben.

Bestand hat sich erst gerade etwas erholt

Nach 2018 wurde versucht, die Population durch das Aussetzen von gezüchteten Äschen zu stabilisieren. Erst im vergangenen Jahr vermeldete der Kanton Schaffhausen, dass sich die Bestände etwas erholt hätten. Nun droht ein erneuter Rückschlag, der die Bemühungen der vergangenen Jahre zunichte machen könnte.

Die hohen Wassertemperaturen im Rhein werden durch den tiefen Wasserstand begünstigt. Der aktuelle Abfluss von rund 265 Kubikmetern Wasser pro Sekunde bei der Messstation in Neuhausen liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.

Die tiefen Wasserstände in Schweizer Gewässern sind unter anderem eine Folge des fehlenden Schmelzwassers nach einem schneearmen Winter sowie von unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen, wie das Bafu kürzlich mitteilte.

(sda/roa)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 18. Juli 2022 15:46
aktualisiert: 18. Juli 2022 16:56
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