«Love, Lena, Lucy»

«Ich, Lucy, hatte Schwulen-Sex!»

7. Juli 2022, 15:52 Uhr
Lucy schläft schon wieder nicht mehr mit Nils. Dafür schläft sie quasi fast mit einem Schwulen. Was das mit «American Pie» zu tun hat und warum Lena immer noch heartbroken ist.
Lucy und Lena sind Freundinnen, Singles und Zürcherinnen.
© ZüriToday

Lena, ich kann kaum glauben, wie wahnsinnig herzig du bist. Diese nicht erwiderte Lovestory hat mich noch mehr berührt als «Love Actually» und «Dirty Dancing» zusammen. 

Ich würde sehr gerne wissen, warum der Arbeitskollege nichts von seinem Glück weiss? Nicht, dass du vor ihn stehen und «HEY, ICH LIEBE DICH IMFALL» sagen musst, aber mal so ein, zwei Hints machen? Ich bin sehr dafür! Viel mehr als für Sex mit dem Ex. Drum vergiss Tom und sag dem Arbeitskollegen durch 100 Blumen, dass du into him bist.

Derweil habe heute zwei Geschichten für dich. Sie sind beide nicht aus dem Stoff, aus dem Hollywood ist. Lass mich mit der Scheiss-Story beginnen: Nils hat Schluss gemacht mit mir. Nicht, dass wir überhaupt zusammen waren. Nein, nein. Wir hatten nur ein paar Mal richtig guten und unverbindlichen Sex. Dachte ich. Nils sah das anders.

Neulich eröffnete er mir, dass er mich nicht mehr vögeln kann. Er hat zwei Gründe genannt: Zuerst kann ers nicht mehr, weil ich die Schwester von seinem besten Kumpel bin (WTF!?) und dann will er auch nicht mehr, weil er mehr will. Was ich für Humbug halte. Nils ist erst gerade frisch verlassen und heartbroken und hat jetzt da einfach etwas to much reininterpretiert, sage ich. Bullshit, sagt er.

Jedenfalls: Anstrengend. Zu anstrengend für eine easy Affäre. Also haben wir es gelassen. Worauf er sich tatsächlich bei meinem Bruder ausgeheult hat, der mich jetzt Scheisse findet. Und der es das Letzte findet, dass sein Bro und seine kleine Sis Sex hatten. 

Von wegen unkompliziertes Geschlecht!

Ich bin da jedenfalls raus und dafür ganz schnell in einer anderen Sache drin. Ich, Lucy hatte Schwulen-Sex. Kein Witz.

Du kennst Tim. Tim hat mal wieder eine seiner legendären WG-Partys geschmissen, zu der immer alle Schwule der Stadt kommen. Gefühlt zumindest. Das liebe ich an Tim. Der kennt alle und alle kommen, wenn Tim ruft. Nicht zuletzt wegen seiner Playlist. Da läuft von Cindy Lauper über Boney M bis zu alten Madonna-Hits alles, das mich meine Tanz-Scham vergessen lässt.

Also tanzte ich da mit ein paar sehr halbnackten Gays und hatte Spass und fühlte mich sicher. Auch dann, als ich halt mit dem einen Schwulen zu knutschen anfing. Ist ja easy. Küssen halt. Ich küsse ja auch mal eine Frau, ohne gleich meine ganze Sexualität zu hinterfragen.

Karl und ich machen also recht heftig rum und irgendwann verschwinden wir auf den Balkon und dann wird es sehr touchy. Er knetet meine Brüste, fasst mir unter den Rock und ich fummle an seiner Hose rum.

«Ich hab das noch nie getan», sagt er. «Für mich okay», finde ich.

«Es turnt mich aber sehr an», sagt er. «So tuts auch mich.»

Wir machen noch eine Weile weiter und dann fragt er, ob wir gehen sollen. Long story short: Wir landeten in seinem sehr schönen runden Bett. Mit gebügelter Satin-Bettwäsche. Er wusste teilweise nicht so genau, was er machen soll. Es hat mich an meine ersten Male erinnert. Ich habe etwas nachgeholfen und es war lässig.
Als wir dann aber so nackt da lagen und rummachten, schaltete sich irgendwann sein Kopf ein.

«So richtig Sex pack ich nicht», sagt er.

«Schade», finde ich. «Aber natürlich vollkommen okay.»

Das Feuer der Leidenschaft ist jetzt nur noch ein Flämmli.

Wir liegen da und reden und Karl zieht sich die Unterhose an und wirft mir ein Shirt zu.

Und das, allerliebste Lena, das war er: Das war mein ganz persönlicher «American Pie»-Moment.

Fühl dich geherzt,

Lucy

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 7. Juli 2022 16:00
aktualisiert: 7. Juli 2022 16:00
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