Zürich

Zürcher-Bashing in Basler Inserat reisst alte Wunden auf

Städtische Konkurrenz

Zürcher-Bashing in Basler Inserat reisst alte Wunden auf

· Online seit 31.03.2023, 21:42 Uhr
Die Basler Verkehrs-Betriebe heissen in einem Inserat «zur Not auch Zürcher» willkommen. Der Seitenhieb geht auf eine alte Rivalität zwischen Basel und Zürich zurück. Basel blicke immer mit einer leichten Verbitterung auf Zürich, sagt ein Historiker.
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Frotzeln über die Zürcherinnen und Zürcher ist für die Baslerinnen und Basler fast so genussvoll, wie es die Schnitzelbänke an den «drey scheenschte Dääg im Johr» sind. «Das Schönste an Basel ist der IC nach Zürich» – welcher Zürcher kennt Sprüche wie diese nicht? Selbst als Basel-Stadt 2018 am Zürcher Sechseläuten Gastkanton war, konnten sich die Gäste vom Rhein einen Seitenhieb gegen Zürich nicht verkneifen. «Zürich wäre eine tolle Stadt, wenn es nicht so viele Zürcher hätte», spottete ein Gast.

Das Zürcher-Bashing hat nun auch die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) auf den Geschmack gebracht. «Alle sind willkommen – auch Walliser, Thurgauer und zur Not sogar Zürcher», lautet ein Stelleninserat der BVB.

«Die VBZ sind ein weltoffenes und tolerantes Unternehmen»

Auch die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) suchen Personal. Sind Basler dort im Sinne einer kleinen Rache auch nur noch «zur Not» willkommen? «Mit den Basler Verkehrsbetrieben verbindet uns eine langjährige Freundschaft, weshalb wir keine Veranlassung für ein ‹Zurückschiessen› sehen», sagt VBZ-Mediensprecherin Daniela Tobler auf Anfrage von ZüriToday. Im Gegenteil, sie freuten sich, wenn die BVB gute Bewerberinnen und Bewerber fänden.

Ein Augenzwinkern in der Werbung dürfe ruhig Platz haben, so wie es die VBZ seit Jahren in ihren Kampagnen erfolgreich einsetzen, sagt Tobler. Sie geht davon aus, dass bei den VBZ bestimmt auch Baslerinnen und Basler arbeiten. Genaue Zahlen dazu publizierten sie jedoch nicht. «Die Verkehrsbetriebe Zürich sind ein weltoffenes und tolerantes Unternehmen, in dem alle Menschen willkommen sind, selbstverständlich auch Baslerinnen und Basler», antwortet sie mit einem Augenzwinkern.

Zürich hängte Basel ab

Das Inserat reisst alte Wunden auf. Die Städte Basel und Zürich kämpften um eine überregionale Bedeutung. Besonders verwurzelt ist die Rivalität in Basel. Bis heute haben die Baslerinnen und Basler es scheinbar «nicht verdaut», dass Zürich den Kanton wirtschaftlich überholte.

So löste die Stadt Zürich Basel als bedeutendsten Finanzplatz der Schweiz ab. Mit dem Ausbau des Flughafens Zürich wurde Basel als Wirtschafts- und Verkehrszentrum abgelöst. Zudem erhielt Zürich und nicht Basel den Zuschlag für die SRG-Fernsehstudios. Auch im Fussball schlägt sich die Rivalität nieder: FCB-Fans können FCZ-Fans nicht riechen und umgekehrt. Die ständig abwechselnden Siege hatten die Konkurrenz der beiden Clubs befeuert.

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Beim Inserat der Basler Verkehrs-Betriebe handle es sich um eine Anspielung auf die ausgeprägte Städterivalität mit tiefem historischen Hintergrund, sagt Georg Kreis, emeritierter Historiker an der Universität Basel. «Die Baslerinnen und Basler blicken immer mit einer leichten Verbitterung oder mit heiterem Spott auf Zürich.» Mit den Seitenhieben wollten sie daran erinnern, dass ihre Stadt während einer gewissen Zeit wichtiger gewesen sei als Zürich.

«Man muss witzig sein»

Wegen der Fasnacht und den Schnitzelbänken haben die Baslerinnen und Basler laut Kreis das Image, besonders witzig zu sein. «Dadurch fühlen sich viele Basler fast dazu verpflichtet, diesem Bild zu entsprechen. Man muss dann witzig sein.» So verhalte es sich auch mit dem Inserat der Basler Verkehrs-Betriebe.» Nicht zuletzt schwinge mit der Basler Neckerei auch Anerkennung mit. «Was sich liebt, das neckt sich bekanntlich.»

veröffentlicht: 31. März 2023 21:42
aktualisiert: 31. März 2023 21:42
Quelle: ZüriToday

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