«Es macht mich traurig»

Wie der «Gottesdienst-Held» die Pride-Gegner stoppte

Joelle Maillart, 20. Juni 2022, 21:34 Uhr
Mehrere weiss vermummte Männer haben am Sonntagnachmittag den Pride-Gottesdienst gestört – oder haben es zumindest versucht. Franz war mutig und hat sich ihnen in den Weg gestellt. ZüriToday hat er von dem Vorfall berichtet.
Franz hat sich den vermummten Männern gestellt und wird nun als Pride-Held gefeiert.
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Franz (voller Name der Redaktion bekannt) arbeitet an der Zürcher Pride im Bereich Sicherheit. Er hat jahrelange Erfahrung. Doch was er am Sonntag erleben musste, war auch für ihn neu. Mehrere weiss vermummte Männer versuchten, den Pride-Gottesdienst zu stören.

Im Interview mit ZüriToday blickt er einen Tag danach auf den Vorfall zurück. «Es macht mich traurig. Wir leben in einer Zeit, wo man doch mehr Akzeptanz aufbringen sollte», so der 40-Jährige.

«Das Adrenalin hat die Angst übertroffen»

Fünf Minuten, nachdem der Gottesdienst gestartet war, sei die Seitentür aufgegangen. Vermummte Männer wollten mit einem grossen weissen Kreuz eintreten und die Gesellschaft stören. «Aus Reflex bin ich sofort aufgestanden und habe den Eingang blockiert», erzählt Franz. Zwei der Männer konnten in den Saal gelangen, alle anderen seien draussen geblieben.

«Unter den Besuchern waren auch Kollegen, die mir gleich geholfen haben und eine weitere Person hat die Polizei benachrichtigt.» Angst hatte der geübte Sicherheitsmann keine, erzählt er. «Eher ist das Adrenalin durch mich hindurchgeschossen.»

Der Tag danach

Nach dem Vorfall konnte ein guter Freund von Franz, der auch vor Ort war, ihn beruhigen. Die Szene habe ihn traurig gemacht. «Jetzt geht es mir besser, aber es macht mich dennoch nachdenklich», sagt er.

Für die Pride in Luzern wollen er und seine Kollegen im Bereich Sicherheit nun verstärkte Massnahmen ergreifen. Diese dürften aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich kommuniziert werden. Franz hofft, dass es in der Zentralschweiz nicht zu einem ähnlichen Vorfall kommen werden. «Gut, dass am Sonntag niemandem etwas passiert ist.»

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 20. Juni 2022 20:29
aktualisiert: 20. Juni 2022 21:34