X-tra

Warum die «schönste Eventlocation der Schweiz» schliessen muss

Lothar Lechner Bazzanella, 22. Juni 2022, 15:31 Uhr
Das X-tra ist zur schönsten Eventlocation des Landes gewählt worden. Die Auszeichnung ist das nächste pikante Kapitel im Streit zwischen Clubbetreiber und Stadtverwaltung. Trotz ihrer Beliebtheit muss die Location bald seine Pforten schliessen und dem Impact Hub weichen.

28'346 Veranstalter und Veranstalterinnen, tausende Besucher und eine Fachjury haben den diesjährigen Swiss Location Award vergeben. Dabei wurde ein Club aus Zürich zur schönsten Eventlocation der Schweiz gewählt: das X-tra. 9.4 von insgesamt 10 Punkten erhielt das Konzerthaus und belegte damit mit dem Stadtcasino Basel ex aequo den ersten Platz.

Spitze gegen die Stadtverwaltung?

«Dass wir mit dem Gütesiegel «herausragend» ausgezeichnet wurden, freut uns sehr und zeigt, dass wir mit unseren Angeboten und unserem Service auf gutem Kurs sind», so Jürg Burkhardt, Geschäftsführer des X-tra, in einer Medienmitteilung. Die Auszeichnung zeige, dass die Arbeit des Veranstaltungsteams sehr geschätzt werde. Dass diese Worte gleichzeitig auch eine Spitze gegen die Stadtverwaltung sind, kann man nur erahnen.

Geht es nämlich nach der Stadt, muss das X-tra seine Türen bald schliessen. Nach der Sanierung des Limmathauses – wo das X-tra bisher beheimatet war – soll ein anderes Unternehmen seine Zelte aufschlagen: Der Impact Hub soll dort entstehen.

Seit Jahren befinden sich die X-tra-Geschäftsleitung und die Stadt deshalb im Streit. Dieser nahm vor kurzem eine weitere Wendung als man der Stadtverwaltung «fadenscheinige und sogar geschäftsschädigende Behauptungen» vorwarf, wie ZüriToday berichtete.

«Wir können es einfach nicht verstehen»

Auf unsere Nachfrage gab sich X-tra-Geschäftsführer Burkhard am Mittwoch zunächst mehr als zufrieden über die Auszeichnung. «Wir sind überglücklich, dass wir auf dem ersten Platz stehen». Man gebe Tag für Tag das Beste, um solche Resultate einfahren zu können.

Die Auszeichnung sei aber auch eine Bestätigung dafür, dass das «X-tra ein enorm beliebter Betrieb ist». Dann holt Burkhardt weiter aus. «Wir können demnach nach wie vor nicht verstehen, warum das Finanzdepartement rund um Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) einen derart gut funktionierenden Betrieb schliessen will.»

In seiner letzten Stellungnahme zum Thema schrieb der Stadtrat, dass die Wirtschaftlichkeit des X-tra in Zukunft nicht gesichert sei. Mit dem bisherigen Geschäftsmodell des Hauses lasse sich der nach der Instandsetzung ermittelte Minimalpachtzins schlichtweg nicht erzielen, heisst es dort. Ein Argument, das Burkhardt nicht hinnehmen will.

"Der Stadtrat behauptet etwas, ohne es genau zu prüfen und ohne ökonomische Ahnung von unserem Geschäft. Das ist nicht seriös und das sollten alle Bürger von Zürich wissen“, sagt Jürg Burkhardt sichtlich genervt. „Wir können den Pachtzins sehr wohl aufbringen, aber es wird einfach das Gegenteil behauptet, ohne das konkret belegen zu können.“

Auch die Tatsache, wie es zur Ausarbeitung des Projekts kam, kann Burkhardt nicht nachvollziehen. «Die Stadt hat ein Projekt vorgeschlagen, das in keiner Weise unsere Bedürfnisse abgedeckt hätte. Es wäre verantwortungslos gewesen, darauf einzugehen." Ein gewisses Entgegenkommen von Seiten der Stadt hätte man erwartet. Und das sei von Anfang an nicht der Fall.

Von der Stadt hiess es letztens, dass die «vom Impact Hub geplante Nutzung eine grössere ökonomische Tragfähigkeit verspreche und somit wieder eine langfristige Perspektive für das Limmathaus eröffne».

Solche Aussagen kann Burkhardt nicht nachvollziehen. "Die Stadt hat uns quasi über Nacht fallen und im Stich gelassen. 150 Mitarbeiter verlieren ihren Job, aber das ist dem Stadtrat offenbar ziemlich egal. Ein paar Büros zu vermieten ist ihm wichtiger als ein grosser, professioneller Kulturbetrieb mit Tradition», so Burkhardt frustriert.

«Wir vermuten da andere Gründe»

Der Geschäftsführer des X-tra hat auch eine Vermutung, wieso dies so ist. «Es scheint eine enge Beziehung zwischen den Verantwortlichen der Stadt und den Betreibern des Impact Hub zu geben», mutmasst er. Den gesamten Prozess der Auftragsvergabe hält er für «komisch».

«Bei solchen Projekten müsste es in der Regel eine offizielle Ausschreibung geben. Merkwürdigerweise ist das hier nicht passiert. Und das verstehen wir einfach nicht». Die Tatsache, dass der Impact Hub künftig dort wirtschaftet, wo bisher Konzertbesucher ein und aus gingen, will er indes nicht akzeptieren. «Wir werden weiterhin dafür kämpfen, dass wir fair behandelt werden. Sowohl für die hunderten Arbeitsstellen, die am X-tra hängen, als auch für die ganzen Besucher, die unser Haus so wertschätzen.»

Im Juli gehen die Diskussionen über die Zukunft des X-tra in die nächste Runde. Dann stimmt der Zürcher Gemeinderat über das Sanierungs-Projekt ab.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 22. Juni 2022 18:26
aktualisiert: 22. Juni 2022 18:26
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