True Crime

Ungelöste Zürcher Verbrechen: Der Mörder auf dem Velo

Orgetorix Kuhn, 6. September 2022, 07:00 Uhr
Wird in der Schweiz jemand umgebracht, klicken bei den Tätern meist schnell die Handschellen. Über 97 Prozent der Tötungsdelikte werden aufgeklärt. Zwei Fälle beschäftigen die Zürcher Ermittler aber schon seit über einem Jahrzehnt. Die Mörder sind noch immer auf der Flucht.

Der Mörder auf dem Velo

Es ist der 20. März 2010. Zwei junge Männer werden in der Nähe des Clubs Q attackiert. Ein 17-jähriger Schweizer stirbt. Ein 20-jähriger Portugiese wird verletzt. Der «Tages-Anzeiger» titelte später:  «Der Mörder kam mit dem Velo»

Videoaufnahmen einer Überwachungskamera zeigen den Täter auf dem Velo in Zürich-West. Die Kantonspolizei Zürich fahndet mit dem Foto und beschreibt den Mann als «zwischen 20- und 35-jährig, 185 bis 190 cm gross, schlank, Typ Latino, gebrochen Deutsch sprechend, hat schlechte Zähne und dunkles Haar.»

Tatort Abfallsammelstelle

Dies spielt sich hinter der Betonwand einer Abfallsammelstelle ab: Die beiden jungen Männer stehen dort und unterhalten sich. Der spätere Täter fährt mit seinem sogenannten «Beach Cruiser» vorbei in Richtung Club Q und wendet dort, als er den Schweizer und den Portugiesen bei den Containern sieht. Der Mann spricht die Partygänger an, es kommt zu einem kurzen Gespräch. Auf den Videoaufnahmen ist laut dem «Tages-Anzeiger» zu sehen, wie der Mann etwas in Richtung der beiden Jugendlichen schwingt. Was genau ist auf dem Video nicht genau zu erkennen.

Die beiden jungen Männer aus dem Limmattal rennen weg. Der Ältere der beiden kehrt kurz darauf mit Security zum Tatort zurück. Er hat Schnitt- und Stichverletzungen am Oberkörper. Der Jüngere ist so schwer verletzt, dass er einige Meter vom Tatort entfernt zusammenbricht und stirbt. Der Täter flüchtet ebenfalls. Dabei entsteht auch das Fahndungsfoto. Auf dem Velo fährt der Täter via Mühleweg in Richtung Pfingstweidstrasse davon.

Möglicher Racheakt

Im Verlaufe der Ermittlungen wird klar: Die Tat hat eine Vorgeschichte. Eine Stunde davor begegnen sich der Velofahrer und die beiden jungen Männer am Limmatufer. Die späteren Opfer fragen dabei den Täter nach einem Joint. Der Unbekannte habe sie aber ignoriert. Es kam zu einer kurzen Auseinandersetzung. Der Jugendliche tippte dem Unbekannten auf die Schulter. Dieser wollte ihm im Gegenzug einen Faustschlag verpassen und rannte davon. Für die Ermittler drängte sich wohl wegen der Vorgeschichte die Hypothese auf, dass es sich um einen Racheakt handeln könnte

Kein Fahndungserfolg

Obwohl die ganze Tat von einer Überwachungskamera gefilmt wurde, tappt die Polizei bis heute im Dunkeln. Der Täter ist bis dato nicht gefasst worden. Zum aktuellen Stand der Ermittlungen und ob es in den vergangenen Jahren neue Hinweise zum Täter gab, will die Kantonspolizei Zürich nichts sagen. «Zu den angefragten Fällen geben wir aus taktischen Gründen keine Auskunft», sagt Sprecher Florian Frei.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 6. September 2022 07:00
aktualisiert: 6. September 2022 07:00
Anzeige