Schliessung nach fast 80 Jahren

«Traurig!» – CS vertreibt Porzellan-Boutique mit hohen Mieten aus Zürich

18. Juli 2022, 15:50 Uhr
Nach 77 Jahren ist Schluss mit hochwertigem Porzellan und Kristall beim Paradeplatz. Der Traditionsladen «Aux arts du feu» in der Bärengasse muss schliessen. Grund sind die steigenden Mieten, auf die die Vermieterin Credit Suisse pochte.

Seit dem 1. August 1945 gibt es nun schon das Fachgeschäft «Aux arts du feu» in der Bärengasse in Zürich. Das 121-jährige Familienunternehmen wird von der vierten Generation geführt. Doch damit ist Ende August Schluss – nach 77 Jahren. Der Grund seien die hohen Mieten, so Mitinhaberin Wendela Buchecker zu ZüriToday. Vermieterin ist die Credit Suisse.

«Bedauerlicherweise konnte man sich über einen für den Fachhandel vernünftig erwirtschaftbaren Mietzins nicht einigen», sagt Buchecker. «Die Vermieterin pochte weiterhin auf hohe Mieten, welche aber in Zeiten der Corona-Pandemie - mit insgesamt 14 Wochen Zwangsschliessung innerhalb eines Jahres -  nicht so einfach zu leisten sind.»

«Wir sind sehr enttäuscht und traurig», berichtet Buchecker. «Die Credit Suisse zeigte kein Interesse».

Inhabergeführte Geschäfte haben noch kaum eine Chance

Die Traditionsgeschäfte in der Innenstadt sterben immer mehr aus. Nur noch Marken im oberen Preissegment können sich die horrenden Mieten leisten – für inhabergeführte Geschäfte wie «Aux arts du feu» ein mittlerweile unmögliches Unterfangen.

Die Familie Buchecker suchte bereits vor zwei Jahren das Gespräch mit der Credit Suisse. Die Bank hatte in ihrer eigenen, bekannten Retail-Studie aufgezeigt, wie stark der Einzelhandel unter den Online-Shops und zusätzlich unter der Pandemie litt. Ziel der Bucheckers war es, die CS für einen neuen Vertrag mit moderater Miete zu gewinnen. Der alte Vertrag war Ende 2021 ausgelaufen.

Doch zeigte die CS kein Erbarmen, wie die Online-Plattform «Inside Paradeplatz» schreibt. Die Bank verwies auf ihre zuständige Verwalterin, die Wincasa. Im Mai flatterte dann der Brief in die Boutique. Diese müsse den Laden räumen, da ein Nachmieter gefunden sei.

Das ist nun offensichtlich der Fall. Ende August ist Schluss mit Porzellan und Kristallgläsern am Paradeplatz. Den Bucheckers kam die Bank bezüglich der offenen Mieten kaum entgegen.

«Traurig! Ich bin seit 40 Jahren in dem Geschäft und wir hatten immer ein gutes Verhältnis zur Credit Suisse. Aber in den letzten paar Jahren wurde es immer harziger», sagt Wendela Buchecker.

«Über die vergangenen Jahrzehnte haben wir immer wieder viel Geld in die Lokalität investiert und grosse optische Verbesserungen erzielen können, so wurde zum Beispiel auch schon sehr früh ein stufenloser Zugang geschaffen. Es ist quasi ein neuwertiges Lokal, da lässt sich mit einem neuen Mieter viel mehr rausholen.»

Jetzt geht es zurück nach Luzern ins dortige Hauptgeschäft. «Wir haben viele Stammkunden in Zürich. Jetzt hoffen wir natürlich, dass unsere Kundinnen und Kunden nach Luzern kommen», merkt die Inhaberin an. Bisher wissen die noch nichts von der Schliessung. «Sie werden enttäuscht sein.»

(sib)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 18. Juli 2022 18:07
aktualisiert: 18. Juli 2022 18:07
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