Zürich

Tote und Schwerverletzte: Behörden ermitteln gegen Epi-Wohnheim in Zürich

Stadt Zürich

Todesfälle und Schwerverletzte: Behörden ermitteln gegen Epi-Wohnheim

20.11.2023, 10:32 Uhr
· Online seit 18.11.2023, 08:32 Uhr
In einem Zürcher Behindertenheim kam es zu mehreren Vorfällen mit schwer verletzten Personen. Zwei Bewohnende sterben. Die Heimleitung sieht kein Problem, die Behörden ermitteln.
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Ein Bewohner verletzt sich zweimal schwer. Andere Bewohnende verprügeln eine Betreuerin so schwer, dass sie nun arbeitsunfähig ist und zwei Bewohnende sterben. All diese Fälle geschehen innert vier Jahren im Epi-Wohnwerk, einem Behindertenheim auf der Zürcher Lengg. Das Heim gehört der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung.

In einem Fall liess ein Betreuer zu heisses Wasser ins Bad. Der 39-jährige Bewohner des Heims stieg dann hinein und erlitt in den 20 Sekunden im Bad Verbrühungen. Wegen seiner Behinderung konnte er nicht sprechen und auch nicht schreien vor Schmerzen. Die Folge: An 28 Prozent seiner Körperoberfläche waren Haut und Nervenbahnen zerstört, Ärzte mussten ihm zweimal Haut transplantieren.

Bewohner stürzt aus Fenster

Derselbe Bewohner stieg im Juni 2019 aus einem offenen Fenster im ersten Stock. Wegen seiner Behinderung konnte er die Gefahr nicht erkennen. Er stürzte in die Tiefe, brach sich zwei Wirbel und eine Rippe, schreibt der «Tages-Anzeiger».

Im selben Jahr wurde eine Mitarbeiterin des Heims angegriffen. Bewohnende verprügelten und verletzten sie zweimal so schwer, dass sie seit vier Jahren arbeitsunfähig ist. Beim ersten Angriff konnte sie intern noch einen Notruf absetzen, da half ihr niemand. Beim zweiten Mal fiel das Telefon am Anfang der Attacke auf den Boden.

Betreuerin nach Angriff arbeitsunfähig

Die Betreuerin erzählt von Todesangst, als die Frau beim ersten Angriff auf sie einschlug und sie würgte. Erst als die Bewohnerin einen epileptischen Anfall erleidet, hört sie damit auf. Beim zweiten Angriff verletzen zwei Bewohnende sie am Arm, den sie deswegen nur noch eingeschränkt nutzen kann. Zudem leidet sie an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Nach der Krankschreibung erhielt sie die Kündigung des Heims.

Später kamen auch Todesfälle dazu. Im November 2020 starb ein Bewohner in der Nacht wegen eines epileptischen Anfalls. Im Januar 2021 erlitt ein Bewohner eine tödliche Lungenentzündung. Dies, nachdem er wegen eines Anfalls stürzte und sich den Kiefer brach.

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Zwei Strafverfahren laufen 

Laut der Heimleitung ist dies nur eine tragische, zufällige Häufung solcher Fälle. Beide Todesfälle seien Folgen der schweren Krankheiten der Betroffenen. Eine lückenlose Überwachung sei trotz aller Sorgfalt nicht möglich. Auch die Gewaltausbrüche von Bewohnenden seien nicht vollständig vermeidbar – trotz des Notrufsystems und Schulungen.

Nun laufen laut der Staatsanwaltschaft mindestens zwei Strafverfahren – wegen des Badeunfalls und wegen einem der Todesfälle. Das Verfahren wegen des anderen Todesfalls wurde eingestellt. Auch das Verfahren wegen des offenen Fensters wurde eingestellt. Der Anwalt sagte damals, man wolle nicht, dass eine Mitarbeiterin für die Versäumnisse des Betriebs geradestehen muss.

(log)

veröffentlicht: 18. November 2023 08:32
aktualisiert: 20. November 2023 10:32
Quelle: ZüriToday

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