Zürich

Streit um Israel-Boykott: Reaktion der Uni Zürich im Detail

Nahostkonflikt

Studierendenverband fordert Boykott israelischer Unis – jetzt reagiert die Uni Zürich

30.05.2024, 13:03 Uhr
· Online seit 30.05.2024, 12:26 Uhr
Im Mai waren pro-palästinensische Demos an Schweizer Unis zu sehen, so auch in Zürich. Daraufhin forderte der Verband von Studierenden der Uni Zürich (VSUZH) einen Boykott von israelischen Unis. Nun reagiert der Rektor der Uni Zürich.
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Seit dem Massaker der Terrorgruppe Hamas am 7. Oktober auf Israel ist der Nahostkonflikt in aller Munde. Seit bald acht Monaten herrscht im Gazastreifen Krieg. Krieg zwischen Israel und der Hamas. Seit Monaten gehen tausende Menschen auf die Strassen, um gegen den Krieg und vermehrt gegen Israel als Staat zu protestieren. Diese Proteste sind von den Strassen auf die Universitäten übergeschwappt. Von den USA kamen die Proteste etwas verspätet in der Schweiz und auch in Zürich an.

Am 7. Mai besetzten Protestierende unter der Gruppierung «Students for Palestine» die ETH. Die Protestierenden forderten von der ETH, israelische Unis zu boykottieren. Die Polizei löste den Sitzstreik auf, unter anderem trug sie Protestierende weg. 28 Personen wurden dabei verzeigt. Eine Woche darauf besetzten rund 60 Personen den Lichthof an der Universität Zürich. Die Unileitung liess die Protestierenden von 12 bis 17 Uhr gewähren.

Der Verband für Studierende an der Uni Zürich reichte einen Tag darauf ein Schreiben mit Forderungen an die Universitätsleitung ein.

Das fordert der Studierendenverband von der Uni Zürich bezüglich Nahostkonflikt

Der VSUZH forderte im Schreiben die Distanzierung von den israelischen Universitäten, die laut den Studierenden Teil des israelischen Militär-Apparates sind. Konkret will der Verband die sofortige Einstellung der Kooperationen mit folgenden Universitäten:

  • Hebrew University
  • University of Haifa
  • Bar-Ilan University

Der Verband begründete seine Forderung damit, dass diese Universitäten sich mit der israelischen Armee solidarisieren, also mit der Armee ihres eigenen Landes. Der Verband bezieht sich auf den UN-Bericht, der die Lage der Palästinenser beschreibt. Demzufolge soll das israelische Militär gegen internationales Recht und grundlegende Menschenrechte verstossen.

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Universität Zürich lehnt Boykott ab

Am Donnerstag, zwei Wochen nach dem Einreichen der Forderungen des Verbandes, reagiert die Universität mit der Veröffentlichung eines Interviews mit dem Rektor Michael Schaepman auf der Website.

Auf die Frage, ob die Universität den geforderten Boykott der VSUZH unterstützt, antwortet Schaepman wie folgt: «Pauschalisierungen sind schädlich, und eine Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit ist für die Universitätsleitung nicht akzeptabel. Deshalb lehnen wir den geforderten Boykott ab. (...) Die akademische Zusammenarbeit beinhaltet immer auch den wechselseitigen Austausch und die Förderung des gegenseitigen Verständnisses. Wenn wir diese Brücken abreissen lassen, tragen wir nicht zur Konfliktlösung bei. Beziehungen zu Personen, die unsere akademischen Werte teilen, sollten wir nicht aufgeben.»

 «Es ist nicht Aufgabe der UZH, Politik zu betreiben»

Die Gruppe «Students for Palestine» und die VSUZH behaupten, die Uni stehe in der Pflicht, das Schweigen gegenüber Menschenrechtsverletzungen zu brechen. Sie monieren, dass ein Klima des Schweigens herrscht. Diese Aussagen kontert der Rektor: «Es wird ja ganz offenkundig debattiert zum Thema und nicht geschwiegen. Wir waren und bleiben offen für den Dialog mit allen Studierenden, einschliesslich der ‹Students for Palestine›, vertrauen darauf, dass alle Seiten die jeweils anderen Standpunkte respektieren.»

Weiter sagt er: «Ich betone aber: Es ist nicht Aufgabe der UZH, Politik zu betreiben. Vielmehr ist es unsere Pflicht, einen Rahmen zu bieten für eine differenzierte, offene und sachliche Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Konflikten.»

Seitdem es pro-palästinensische Proteste an den Zürcher Universitäten gibt, fühlen sich jüdische Studierende an der Institution verunsichert. Wie gewährleistet die UZH ihre Sicherheit?

«Wir hören ihre Sorgen und können sie nachvollziehen. Unser Standpunkt ist klar und deutlich: Wir dulden keinen Rassismus, keinen Antisemitismus und keine Vorverurteilung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion», so Schaepman. Gewalt unter Studierenden und Mitarbeitenden der UZH werde nicht toleriert, auch keine verbale Gewalt. «Als Rektor ist es meine Pflicht, zu gewährleisten, dass alle Mitarbeitenden und Studierenden sich an der UZH sicher fühlen und ihre Meinung frei und ohne Angst äussern können. Aber auch die Mitwirkung aller Angehörigen der UZH ist notwendig: Die Pflicht ist nicht nur institutionell, sondern auch individuell anzusehen.»

veröffentlicht: 30. Mai 2024 12:26
aktualisiert: 30. Mai 2024 13:03
Quelle: ZüriToday

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