Baubewilligung

Streit um neuen Riesenvogelkäfig im Zoo Zürich

13. April 2022, 12:47 Uhr
Vorwürfe an den Zoo Zürich beim Bauprojekt Pantanal-Voliere. Anwohner argwöhnen, Zoo und Stadt hätten die Baubewilligung hinter ihrem Rücken abgefertigt. Nun heisst es also wieder: alles auf Anfang.
In der Pantanal-Voliere sollen künftig verschiedene Vogel- und andere Tierarten zuhause sein.
© Zoo Zürich

Anwohner des Zürcher Zoos sind sauer. Wie die "Neue Zürcher Zeitung" berichtet, hat der Zoo für den Bau seiner neuen, 35 Meter hohen Pantanal-Voliere weder Stangen ausgesteckt noch das Gesuch zu Baubewilligung aktiv kommuniziert. Stattdessen habe der Zoo seine eigene Aktionärin, die Stadt Zürich, «still und heimlich» um eine Bewilligung ersucht und diese im Juli 2021 auch erhalten.

Die Publikation des 11'000 Quadratmeter grossen Bauvorhabens im «Tagblatt der Stadt Zürich» und im Amtsblatt des Kantons sei niemandem in der unmittelbaren Zoonachbarschaft aufgefallen. Die Anstösser hätten deshalb erst im letzten September anlässlich einer Informationsveranstaltung davon erfahren. Dass die Baubewilligung bereits vorlag, sei dort aber nicht kommuniziert worden.

Anwohner fühlen sich hintergangen

Erst Anfang Dezember 2021 seien Zoo-Anwohner dann durch ein weiteres Baugesuch auf das Projekt aufmerksam, schreibt die NZZ. In der Folge reichten zwei von ihnen beim Baurekursgericht Klage ein. Dies, weil ein derartiges Gebaren «mit dem üblichen Rechtsverständnis nicht zu vereinbaren ist». Sie fühlten sich laut Bericht «vorgeführt und über den Tisch gezogen».

Die Rekurrenten werfen der Stadt als Aktionärin und Mitglied des Verwaltungsrates der Zoo Zürich AG vor, dass sie ihre Kontrollpflicht nicht korrekt und unvoreingenommen wahrgenommen habe. Zürich habe ein grosses Interesse am Wachstum und an der internationalen Strahlkraft des Zoos, mutmassen die Rekurrenten. Die Stadt sieht dagegen ihrerseits keine unmittelbare Aufsichtspflicht gegenüber der Zoo Zürich AG.

Zoo schreibt das Projekt neu aus

Den Stand der Baubewilligungen seiner Projekte habe der Zoo bisher noch nie aktiv kommuniziert, wird dessen Direktor Severin Dressen zitiert. Auf eine Aussteckung habe der Zoo verzichten können, weil das Projekt «nicht darstellbar» sei, so Anja Grüter, die stellvertretende Leiterin Kommunikation des Hochbaudepartements der Stadt Zürich gegenüber der NZZ.

Inzwischen ging der Zoo in die Offensive: In einer Medienmitteilung vom 1. April teilte er mit, dass die Zoobesucherinnen und Zoobesucher nun auf Bauprofile zum grossen Volierenprojekt treffen würden. Zusätzlich stehe eine Bauinformationstafel mit einer Gesamtvisualisierung im Bereich des Haupteingangs.

Da der Zoo möglicherweise langjährige Verfahren zur Klärung der Angelegenheit habe verhindern wollen, habe er beschlossen, die bisherigen Verfahren zurückzuziehen und das Gesamtprojekt neu auszuschreiben, sagt Zoodirektor Dressen. Die verärgerten Anwohner sehen in diesem Vorgehen eine «Kapitulation des Zoos auf ganzer Linie». So etwas mache eine solch mächtige Institution nur dann, wenn das Risiko einer Niederlage vor Gericht gross sei, vermuten sie.

(osc)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 13. April 2022 12:47
aktualisiert: 13. April 2022 12:47
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