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Stadt Zürich zieht Bilanz nach Kolonialismus-Ausstellung

Vandalismus und Gekritzel

Stadt Zürich zieht Bilanz nach Kolonialismus-Ausstellung

· Online seit 06.09.2023, 07:22 Uhr
Eine Ausstellung im Zürcher Stadthaus wollte ein grösseres Bewusstsein für die kolonialen Verflechtungen Zürichs schaffen. Dabei wurde auch Rassismus thematisiert. Nicht alle Besuchenden nahmen das Thema genug ernst.
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Die Stadt widmete die Ausstellung im Stadthaus «Blinde Flecken – Zürich und der Kolonialismus» den kolonialen Verflechtungen Zürichs. Denn Kolonialismus war in der Limmatstadt lange kein Thema. Oftmals hiess es, weil die Schweiz keine imperialistische Politik betrieb, müsse sie diese delikate Vergangenheit nicht aufarbeiten.

Historische Studien zeigten: Die Stadt Zürich und ihre Wirtschaft waren in den Kolonialismus involviert. Die Verbindungen in die Kolonien trugen zum Aufstieg der Stadt zur Wirtschaftsmetropole bei.

Ursprünglich sollte die Ausstellung am Stadthausquai Mitte Juli beendet sein. «Wegen grossen Publikumserfolgs» wurde sie aber bis zum 2. September verlängert. Letzte Woche ging sie nun definitiv zu Ende. Wie zieht die Stadt Bilanz?

Grosser Andrang bei Kolonialismus-Ausstellung

Lukas Wigger, Leiter Kommunikation des dafür verantwortlichen Präsidialdepartements, sagt auf Anfrage von ZüriToday, dass die Thematik bei der Öffentlichkeit auf grosses Interesse gestossen sei. Insbesondere viele Schulklassen hätten die Ausstellung besucht.

«Viele Besuchende berichteten, dass sie sehr berührt waren», so Wigger. Dies zeigten auch die Besuchszahlen. So hätten sich diese im Vergleich zu früheren Ausstellungen schätzungsweise verdoppelt, Führungen gar verdreifacht.

Die Ausstellungstexte sind nun weiterhin online zugänglich.

Diskriminierende Kritzeleien verhöhnten Thematik

Für Aufsehen sorgten Kritzeleien auf einer Kunstinstallation am Ende der Ausstellung. Die forderte die Besuchenden auf, mit einem weissen Stift auf einem Spiegel aufzuschreiben, was sie ihrer Meinung nach tun können, um antirassistisch und gegen andere Nachwirkungen von Kolonialismus zu handeln.

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Darauf hatte jemand geschrieben: «Wer das liest, ist gay». Ob Zufall oder nicht – der Satz stand gleich unter dem Vorhaben «Diskriminierung nicht tolerieren». SP-Gemeinderätin Yvonne Apiyo Brändle-Amolo war unter anderem an einer Installation beteiligt. Im Gespräch mit ZüriToday zeigte sie sich traurig darüber, dass jemand einen solchen Satz hinschrieb.

Die Stadt reagierte und so wurde immer wieder der Spiegel auf diskriminierende Äusserungen untersucht und diese, falls vorhanden, weggeputzt. Wigger sagt dazu: «Es gab seltene Kommentare, die man als unangebracht bezeichnen könnte. Es gab keine besonderen Vorkommnisse, die von der Stadt eine besondere Reaktion verlangten.»

Ausstellungsbänder wurden abgerissen

Ausserdem bestätigte der Sprecher Gerüchte, dass es in der Ausstellung zu Vandalismus kam.

«Wir konnten feststellen, dass die gelben Bänder an den Säulen am Eingang des Stadthauses abgerissen wurden. Wir haben jedoch keine Hinweise auf die Absicht derjenigen, die dies getan haben. Diese Art von Beschilderung ist unabhängig vom Inhalt anfällig für Vandalismus», sagt der Sprecher.

Brändle-Amolo fordert mehr Forschung

Auch Brändle-Amolo zieht ein positives Fazit über die Ausstellung. Gleichzeitig sagt sie, es sei schwer zu sagen, ob die Ausstellung mehr Sensibilität beim Thema Kolonialismus und insbesondere Rassismus bei den Zürcherinnen und Zürchern gebracht habe.

«Jedoch ist zu hoffen, dass die Ausstellung dazu beigetragen hat, ein grösseres Bewusstsein für die kolonialen Verflechtungen Zürichs zu schaffen.» Sie fordert weitere Forschung und Aufklärung in dieser Sache.

Die Stadt Zürich solle sich generell verstärkt mit ihrer kolonialen Vergangenheit und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart befassen, so Brändle-Amolo.

veröffentlicht: 6. September 2023 07:22
aktualisiert: 6. September 2023 07:22
Quelle: ZüriToday

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