Krematorium Nordheim

So kannst du in Zürich bald in einem Sarg probeliegen

17. Dezember 2022, 10:53 Uhr
Im Rahmen einer inszenierten Führung im Zürcher Krematorium Nordheim können Besucher und Besucherinnen in einem Sarg probeliegen. Zudem soll ihnen einen Einblick in die Arbeit mit dem Tod gewährt werden. Der Verein Ausbruch hat mit dem Projekt grosse Ziele.
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«Der ist zu unbequem», «Kann der nicht breiter sein?» oder «Genau so habe ich mir den vorgestellt» – das alles hört man vielleicht beim Schneider. Nicht aber beim Bestatter. Dies dürfte sich nun bald ändern. Ende Januar öffnet das grösste Krematorium der Schweiz, das Nordheim in Zürich, nicht nur seinen Ofen, sondern eben auch einen Sarg für die Besuchenden.

Ist ein Sarg bequem?

Wem also ein Blick in das ewige Ruhebett noch nicht genug ist, darf sich ruhig auch mal hineinlegen. Dieser Tag der offenen Sargtür wird im Rahmen der inszenierten Führung des Vereins Ausbruch im Krematorium Nordheim angeboten. Entstanden sei die Idee bei einem Sarghersteller. «Wir lagen hinein und realisierten, dass ein Sarg noch ziemlich bequem ist», so Lea Schwab, Produktionsleiterin vom Verein «Ausbruch».

In diesem Jahr haben die Veranstalter dieses Erlebnis bereits in Baden durchgeführt. «Zuerst trauten sich die Leute nicht so. Doch dann entschieden sich immer mehr Leute dazu, in den Sarg zu liegen.» Nun wurde dies sogar noch erweitert. Bei einem Posten der Führung wurden mehrere Zuschauerstühle durch Särge ersetzt. «So kann man während der musikalischen Darbietung im Sarg sitzen», erklärt Schwab.

Neutrales Erlebnis mit dem Tod

Unter dem Namen «Gestorben wird immer» soll der Zürcher Bevölkerung der Tod und sein Arbeitsumfeld näher gebracht werden. «Diese Führung soll den Menschen helfen, sich auf neutrale Art mit dem Tod auseinanderzusetzen», so Schwab. Sonst werde man meist nur bei einem Todesfall und damit in negativem Zusammenhang mit dem Tod konfrontiert.

Die Bestatter und Bestatterinnen sollen Einblick in ihren aussergewöhnlichen Job geben. Laut  Patrick El-Kurdi, Mediensprecher des Präsidialdepartement der Stadt Zürich, gehe es der Stadt aber nicht primär um Rekrutierung von neuen Bestatterinnen und Bestattern: «Wir wollen aufzeigen, dass unsere Mitarbeitenden im Stillen viel wertvolle Arbeit für die Allgemeinheit leisten.»

Dass man dem Bestatter-Job eine Plattform bieten will, ist kein Novum. In den sozialen Medien versuchen immer wieder junge Bestatter und Bestatterinnen, die User in ihren Arbeitsalltag mitzunehmen.

Bestattungs-Influencer

So zum Beispiel auch Johannes Bauer aus Fürth. Er hat das knapp 100-jährige Bestattungs-Unternehmen «Bestattungen Burger» seines Urgrossvaters übernommen. Auf Tiktok hat sein Unternehmen auch dank seinen oft humorvollen Videos 1,2 Millionen Follower.

@bestattungenburger Wäre der Beruf was für euch? 🤔Kommt vorbei Freunde: 15.12. am Boby-Stand #BB2022 #bayerngemeinsamstark #BayerischesSozialministerium ♬ You - Petit Biscuit

Das Interesse der Bevölkerung für den Beruf und die entsprechende Konfrontation mit dem Tod scheint also gross zu sein. Laut El-Kurdi soll das Projekt genau dort andocken. «Kunst und Kultur können ein guter Türöffner sein, um an sich ‹schwere› Themen wie Tod und Bestattung anzusprechen.»

So soll die Führung und das Probeliegen der Sargnagel für den Tod als Tabuthema sein. Bei der letzten Veranstaltung konnte dies offenbar auch dank des Probeliegens im Sarg erreicht werden: «Eine Frau kam auf uns zu und sagte, dass sie nun viel weniger Angst vor dem Tod habe», so Schwab.

(mat)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 17. Dezember 2022 09:05
aktualisiert: 17. Dezember 2022 10:53