«Love, Lena, Lucy»

Sein Pendel, mein Shakra, unsere orgasmischen Schwingungen

20. Januar 2023, 09:35 Uhr
Lucy hat ihre Komfortzone verlassen. Dafür wurde die Gute mit besten Orgasmen belohnt. Derweil wird Lena als Single von gefühlt ganz Zürich gedisst.
Lucy und Lena sind Freundinnen, Singles und Zürcherinnen.
© ZüriToday
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Le-Le-Le-Lena,

Eins vorweg: Du bist als Single nicht nur vollkommen. Du bist als Single super. Dein Ausflug mit einer Horde irgendwie Irrer auf den Üetliberg, die dir das ausreden wollten, weil du nicht mit zwei Typen Sex haben oder einen geschiedenen Papa daten willst, war nur eines: ein maximaler Reinfall.

Vergiss den. Vergiss die. Steh auf, richte die Krone und schreite in riesigen Schritten weiter Richtung doch noch geiles 2023.

Apropos geil: Mir fehlen immer noch die Worte irgendwie. Ich habe dir doch erzählt, dass ich mich für so ein tantrisches Speed Dating angemeldet habe. Ich war vergangene Woche tatsächlich da. Der Event fand in einer alten Villa am See statt. Nicht luxuriös. Mehr charmant,

Ich stand da davor und wollte sofort umdrehen. Ich bin ja nicht die Mutigste, wenn es darum geht, aus der Komfortzone zu treten.

Aber irgendwas in mir schrie mich an. Zwang mich da rein. In den Vorraum, wo Tücher an den Wänden hingen, Räucherstäbli den Duft von Moschus verteilten und Kerzen flackerten. Ich wurde von einem Paar empfangen, das mich etwas zu lange und etwas zu fest umarmte und mir über die Backen strich.

Schräg.

Nun gut. Wir Frauen mussten in Raum A. Die Männer in Raum B. Dann wurden uns die Augen verbunden. Wir trafen dann in Raum C aufeinander.

Da haben wir verschiedene Begegnungen zelebriert. Bei der ersten fassten wir uns nur an den Händen und Armen an. Ich sags dir, schon da spürte ich, welche Arme ich mag und welche nicht. Im Hintergrund lief tantrische Musik.

Alles so nicht meins.

Und genau drum wars irgendwie voll toll.

Bei der zweiten Übung sollten wir dann an uns riechen. An den Armen, am Nacken schnuppern, an den Händen. Einer roch an meinem Bauch und wanderte etwas zu weit nach unten. Der Gipfel? Ihm entwich dabei ein kleines «Oh, nei, hmm, nei, nei!» Wir waren uns immerhin einig.

Erst bei der dritten Übung nahmen wir die Augenbinden ab. Dann kämpften wir. Nicht mit Gewalt. Aber mit Leidenschaft. Mir ist bewusst, wie crazy das klingt und genau das war es: Crazy. Crazy gut!

Da war dann dieser Typ, der ein bisschen wie Carlos Leal aussah. Du weisst, dass ich auf Leal stehe. Das Kämpfen mit ihm hat was mit meiner Herz- und Vulva-Gegend gemacht. Er legte mich aufs Kreuz. Da wollte ich bleiben. Mit ihm über mir.

Ich startete also sowas wie einen Flirtversuch. Ohne Erfolg. Er war zu sehr in seinem Shakra. Oder so. Was weiss ich. Allgemein war hier null flirty oder sexy Stimmung. Ausser bei mir. Aber ich bin auch nicht esoterisch. Ich bin underfucked.

Am Ende gingen wir alle noch was trinken. Mit was trinken meine ich Tee trinken. Kein Witz. Sie bestellten alle Grüntee. Auch Leal. Ich bestellte Kafi Schnaps. Ich ja auch quasi Tee. Gegen 21 Uhr, es war ein Samstag, war hier die Luft bei allen raus.

Grosses Tschüss und Tschüss.

Ich hatte es vorher zum Glück geschafft, Leal nach seiner Nummer zu fragen. Total zen und so sehr in meiner inneren Mitte wie noch nie schickte ich ihm aus dem Tram noch eine Nachricht:

«Ich hätte jetzt noch gerne etwas weiter mit dir gekämpft. Oder unsere Chakren verschmelzen lassen.»

Er antwortete enorm schnell. Und so wohlwollend, dass ich das Tram an der nächsten Haltestelle verliess und zum Abschiedsort zurück rannte.

Jetzt musst du stark sein, liebe Lena, diese Mail ist schon viel zu lange. Was dann geschah, erzähle ich dir das nächste Mal. Vorab aber schon mal ein Spoiler: Sein Pendel + meine Venus ergaben sehr tolle und sehr sexuelle Schwingungen.

Omm that fucking God!

Deine Lucy

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 19. Januar 2023 16:00
aktualisiert: 20. Januar 2023 09:35