Bahnhofunterführung Zürich Altstetten

«Man läuft dem Fussgänger vor sich fast in die Fersen»

Maarit Hapuoja, 19. Januar 2023, 13:35 Uhr
Breitere Unterführung, zusätzliche Veloabstellplätze und mehr Sicherheit für Fussgängerinnen und Velofahrer. Der Bahnhof Altstetten soll neuer, grösser und gefahrlos werden. Anwohnende berichten, was sie von diesen Umbau-Plänen halten.
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Der Bahnhof Altstetten soll umgebaut werden. Neue Veloabstellplätze soll es geben und die Unterführung soll von jetzigen viereinhalb, auf neun Meter erweitert werden. Eventuell soll er sogar noch grösser werden, so dass der Veloweg allein über eine Breite von sechs Metern verfügt. Der Grund für den Umbau: Fuss- und Veloverkehr sollen besser getrennt und die Sicherheit erhöht werden. Sechs Millionen Franken hat der Gemeinderat am Mittwoch für die Planung des Projektes bewilligt. Die Bauarbeiten sollen 2029 beginnen, doch schon jetzt ist die Freude über das Projekt im Quartier gross.

«Mit dem Velo muss man vorsichtig sein»

«Die Pläne finde ich gut und notwendig», sagt Davide, der im Kreis 9 wohnt und täglich ab Bahnhof Altstetten mit dem Zug zur Arbeit fährt. In der Unterführung könne es schnell zu eng werden. Insbesondere zu Stosszeiten oder bei Anlässen in der Swiss Life Arena und im Letzigrund, sei die Unterführung rappelvoll. «Man läuft dem Fussgänger vor sich fast in die Fersen», sagt der 29-Jährige. Er stimmt dem Vorhaben zu, dass sich Velofahrer und Fussgänger künftig besser aus dem Weg gehen können.

Ähnlich sieht es Alain, bald 30-jährig, der täglich mit dem Velo durch die Unterführung zur Arbeit und wieder nach Hause fährt. Kommt ein Zug an, sei es «ein Seich», mit dem Velo unterwegs zu sein. «Morgens und abends, wenn die Leute gestresst sind, schauen sie nicht richtig und gehen in der Unterführung auf dem Veloweg. Das ist schon sehr mühsam.» Mit dem Velo müsse man sehr vorsichtig sein, um die anderen und sich selber zu schützen. Hat der ZSC ein Heimspiel in Altstetten, sei es bei Spielende zudem extrem mühsam, sagt Alain.

Rappelvolle Unterführung im Sommer

Noch kritischer als bei Hockey-Spielen sei es im Sommer. «Etliche Velos, Trottinetts, Mini-Scooter und Rollschuhfahrer düsen zu jeder Tageszeit durch die Unterführung», erzählt Davide. Der Zürcher sei schon einige Male Zeuge von Unfällen geworden, weil man zu spät um die Ecke sieht. «Eine Verbreiterung des Veloweges würde dies hoffentlich verhindern», fügt er hinzu.

Alain ist der Meinung, es würde im Sommer gerade noch aufgehen, «wenn sich alle Personen in der Unterführung korrekt verhalten und nicht beginnen zu überholen, obwohl es keinen Platz dafür gibt.» Sein Fazit lautet: «Ich sage definitiv nicht nein zu einer Erweiterung.»

«Solange für andere Projekte kein Geld fehlt...»

Es gibt aber auch Anwohnende, die einen kleineren Umbau befürworten. «Eine doppelt so breite Unterführung braucht es meiner Meinung nach nicht», sagt die 25-jährige Céline aus Altstetten. Doch auch sie findet: Im Sommer sei es manchmal etwas problematisch und zu Stosszeiten mühsam. «Es ist schwierig, wenn ein Zug einfährt und gleichzeitig Velos kommen. Dann gibts manchmal Zusammenstösse.»

Eine eher wirtschaftliche Meinung teilt Fabrice: «Ob die Unterführung sinnvoll ist, weiss ich nicht. Solange aber für andere wichtige Projekte kein Geld fehlt, ist die Investition sicher auch im Hinblick auf die Zukunft gut», so der 25-jährige Altstetter.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 19. Januar 2023 17:03
aktualisiert: 19. Januar 2023 17:03