Hochbetrieb auf dem Zürichsee

«Ihr seid nicht alleine – macht Platz, wenn ein Schiff in der Anfahrt ist!»

Maarit Hapuoja, 21. Juni 2022, 13:45 Uhr
Schwimmerinnen, Stand-up-Paddler, und Pedalos. In den letzten Tagen war so richtig etwas los auf dem Zürichsee. Zu viel? Michael Hort, Kapitän aller Motor- und Dampfschiffe der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG), erklärt, wann es für einen Kapitän auf dem See heikel wird.

Die Badis sind voll, es schmeckt nach Grilladen und die Sonne brennt auf der Haut. In den vergangenen Tagen war es sehr heiss und einige sehnten sich nach Abkühlung. Viele auch im Zürichsee. Michael Hort, Nautik-Chef der ZSG musste sich am Sonntag bei seiner Rundfahrt nach Rapperswil besonders gut konzentrieren.

Nicht im Strudel hinter dem Schiff schwimmen!

«Wenn man ein Schiff lenkt, dann passiert das hinten. Das Heck vom Schiff bricht aus, wandert gegen das Land und die Schwimmer glauben, sie können hinten im Strudelwasser schwimmen.» Das sei aber eine gefährliche Situation, weil man so die Schwimmer kaum sieht. Muss ein Schiff stoppen, ist es nicht mehr steuerbar. Denn ohne Geschwindigkeit ist eine Lenkung nicht möglich.

Es sei höchste Konzentration gefragt, betont Hort. «In der Vergangenheit haben wir schon Schiffstationen ausgelassen und sind vorbeigefahren, weil die Unfallgefahr zu gross war», erklärt der Kapitän. Dürfen die Kapitäne hupen in heiklen Situationen? «Kursschiffe geben Schallsignale, sie hupen generell nicht», so der Schifffahrer. Es sei klar geregelt, wofür welche Signale verwendet werden. Wenn es die Situation erfordert, seien solche Schallsignale natürlich erlaubt.

Schwimmer sind am heikelsten

Die heikelsten Situationen entstehen laut Hort folglich mit Schwimmern. Es gebe natürlich auch vorbildliche Schwimmer, die Rücksicht nehmen auf Schiffe und sich erkennbar machen auf dem See. «Schwimmer mit einer orangen Schwimmboje sind von weitem sehr gut sichtbar. Dann kann man dementsprechend eine Kursänderung vornehmen», so Hort.

Auf dem See muss der Kapitän stets mit allem rechnen. «An solchen Sommertagen wie es die letzten paar Tage waren, ist auf dem See sehr viel Betrieb. Schwimmer, Stand-up-Paddlerinnen, Pedalos und Wakeborder – alles Mögliche bewegt sich auf dem Zürichsee.» Dann sei es besonders schwierig, einen klaren Kurs zu behalten, sagt Hort. Auf einer Skala von eins bis zehn ordnet der Kapitän die Mühseligkeit des Schifffahrens bei Hochbetrieb bei neun oder zehn ein.

Was möchte der Kapitän allen Seeliebenden mitteilen?

«Wenn ein Kursschiff in die Nähe kommt oder in der Anfahrt ist, bitte haltet die Augen offen und macht etwas Platz bis das Schiff vorbei ist», rät Michael Hort allen Schwimmerinnen und Wassersportlern. «Ihr seid nicht alleine auf dem See und ein grosses Schiff ist nicht so einfach wie ein kleines Fahrzeug zu manövrieren.»

Der Chef aller Motor- und Dampfschiffe der ZSG möchte aber, dass alle Leute schöne Tage am Zürichsee geniessen können. «Der See ist für alle da», sagt Hort abschliessend.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 21. Juni 2022 13:45
aktualisiert: 21. Juni 2022 13:45
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