Vor 25 Jahren

Fraumünster-Postraub: In vier Minuten klauten sie 53 Millionen Franken

Lea Hilff, 1. September 2022, 09:15 Uhr
1. September 1997 um 10:30: Fünf junge Männer fahren im weissen Fiat bei der Fraumünster-Post vor – und mit über 50 Millionen wieder ab. Der Überfall gilt bis heute als Jahrhundertraub. Was damals geschah.

Quelle: Beitrag vom 1. September 1997 / TeleZüri

Alle Verbrechen beginnen mit einem Plan. Für den Grossraub auf die Fraumünster-Post nimmt dieser in einer Bar im Zürcher Aussenquartier Seebach Gestalt an. Dahinter stecken fünf Köpfe aus Zürich Seebach, die vom grossen Geld träumen. Einer von ihnen ist Marcello D. Er wäre gerne Polizist geworden, arbeitet aber in der Postfiliale beim Fraumünster. Dort fällt ihm eines Tages auf, wie jeden Tag im abgeriegelten Innenhof kistenweise Banknoten verladen werden – ohne allzu grosse Sicherheitsvorkehrungen.

In diesem Innenhof der Fraumünster-Post wurde jeden Tag das Geld aller umliegenden 500 Postfilialen umgeladen.

© Keystone

In vier Minuten 53 Millionen Franken

Mit dem Insiderwissen von Marcello, täuschend echten Spielzeugpistolen und einer ungeladenen Kalaschnikow bahnt sich der Raub am 1. September 1997 an. Die fünf Jungs fahren im gestohlenen Lieferwagen bei der Zürcher Post vor. Sie haben den Wagen mit einem Kleber als Service-Auto der Telecom getarnt. Domenico Silvano – ein weiterer der fünf Räuber – bequatscht den Wächter am Eingang der Sicherheitsschleuse: «Telecom, technischer Dienst. Wir kommen wegen einer Reparatur in der Telefonzentrale.» Der Wachmeister öffnet ahnungslos die Barriere.

Der weisse Fiat – der Fluchtwagen der fünf Ganoven.

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Um 10:37 Uhr springen die Räuber im Innenhof aus ihrem Fiat, bedrohen die Angestellten und laden fünf Kisten gefüllt mit tausenden Banknoten in den Wagen. Zwei Kisten müssen sie stehen lassen, da es im Kofferraum schlichtweg nicht ausreichend Platz hat. Dann brausen sie davon. In vier Minuten klauen sie 53 Millionen Schweizer Franken.

Fünf solche Koffer, gefüllt mit Banknoten, erbeutet die Räuberbande.

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Im SRF DOK beschreibt «Big Boss» Elias lebhaft, wie er das Geld in Koffer und der Babytasche seines damals einmonatigen Sohnes versteckte.

Räuberjagd

Am nächsten Tag füllt der Fraumünster-Postraub die Titelseite der Zeitungen und verdrängt gar Lady Dianas Tod. Die sofortige Grossfahndung der Polizei bleibt vorerst erfolgslos. Die Täter mitsamt der Beute sind wie vom Erdboden verschluckt. Während die Polizei fahndet, profitiert die Werbebranche. Die japanische Autofirma Mazda preist mit dem Jahrhundertraub die Grösse ihres neuen Lieferwagens an – darin hätten alle sieben Kisten Platz gehabt.

Die Autofirma Mazda baut den Mega-Raub in ihre neue Werbekampagne ein.

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Lange Zeit tappt die Polizei im Dunkeln. Die Täter sind auf den Überwachungsvideos nicht zu erkennen, die Polizei ist dem falsche Fluchtwagen auf der Spur. Doch dann – nach zehn Tagen – wendet sich das Blatt. Die Polizei kommt den Tätern auf die Schliche. Drei Räuber und diverse Helfer gehen den Fahndern ins Netz. Darunter auch der «Big Boss» der Bande: Elias Alabdullah. Am Tatort hat er Fingerabdrücke hinterlassen. Von den fünf Ganoven fehlen noch zwei: Hassan B. und Domenico Silano.

Macht Geld glücklich?

Einer der Flüchtigen lässt es sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Miami gutgehen. Domenico Silano ist in den Westen geflüchtet, hat seine Identität geändert, führt ein Luxusleben in den USA – ist aber einsam. Ohne Familie, ohne Freunde, nur mit Geld. Voller Sehnsucht ruft er nach einiger Zeit seine Freundin in der Schweiz an. Ein Fehler. Sie verrät ihn.

Domenico Silano auf dem Weg zum Zürcher Obergericht.

© Keystone

Auch Hassan wird kurz darauf geschnappt. Alle Posträuber sind geständig. Und allesamt verbüssen Haftstrafen in der Grössenordnung von fünf Jahren. Auch Silano. 2015, Jahre nach seiner Entlassung, spricht er im «TalkTäglich» über den Raub.

Hier gibt es das ganze Gespräch zum Nachschauen:

Quelle: Sendung von Juni, 2015

Ein paar Mitglieder der Räuberbande sind nch ihrem Jahrhundertraub erneut straffällig geworden – auch Domenico Silano. Er wurde ein zweites Mal verurteilt, weil er einen Überfall auf Geldkuriere der UBS geplant hatte. Daraufhin erhielt er einen Landesverweis. Heute wohnt der mittlerweile 49-Jährige bei seiner Mutter in Italien.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 1. September 2022 05:56
aktualisiert: 1. September 2022 09:15
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