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Disco-Boris dekoriert heute lieber Clubs, statt illegal zu sprayen

Discosmetic Zürich

Disco-Boris dekoriert heute lieber Clubs, statt illegal zu sprayen

30.03.2022, 07:04 Uhr
· Online seit 30.03.2022, 07:00 Uhr
Als Teenager beim illegalen Sprayen erwischt und 20 Jahre später als Disco-Boris und Deko-Ikone in Zürich bekannt. Wie aus dem Maurerlehrling der kreative Kopf hinter den Festival-, Club- und Shop-Dekorationen wurde.

Quelle: ZüriToday / Melissa Schumacher

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Wenn man nach dem Sprichwort geht, dass ein Genie das Chaos überblickt, muss das Genie in diesem Atelier gross sein. Wie ein Labyrinth folgt man den Bohr- und Klopfgeräuschen, die von irgendeinem Winkel her hallen. Über Farbkübel, Plastikblumen und Discokugeln führt der Gang in den hinteren Teil der Werkstatt. Von der Decke hängen Feuerzeuge, warum? «Ich verliere die immer, darum hab ich überall welche an die Decke gehängt», erklärt Boris Pfister. Pragmatisch und einfallsreich. Einfallsreichtum ist sein täglich Brot. Boris ist Gründer der GmbH «Discosmetic». Seit zehn Jahren führt er seine eigene Firma und seit 20 Jahren dekoriert er für Clubs, Läden, Hochzeiten, Festivals und vieles mehr.

Musste sich Alternativen suchen

«Ich tanze auf allen Hochzeiten», so der 37-Jährige über die Diversität und die Abwechslung seines Jobs. Während der letzten zwei Jahre gab es wenige Hochzeiten zum tanzen und noch weniger Clubs zu dekorieren. Beinahe musste er sein Lebenswerk begraben, den Laden dicht machen. Keine Aufträge heisst auch einfach kein Geld für den Familienvater. Während dieser Zeit musste er umplanen. Statt Discokugeln aufzuhängen, hat er angefangen Balkone und Wohnzimmer von Freunden umzugestalten. An Nachmittagen lud er die Kinder der Nachbarschaft ein, um in seinem Atelier zu basteln und zu malen und so die Eltern zu entlasten. Er bezeichnet sich auch selber als «erwachsenes Kind - ein ‹Chindschopf› halt.»

So langsam zieht es wieder an mit den Aufträgen. Schwierig sei es trotzdem noch. «Schon vor Corona kamen die Anfragen, vor allem für Festivals, relativ kurzfristig rein und jetzt ist alles noch kurzfristiger, weil alle nur vorsichtig planen», meint er. Auch würden viele nach der Zeit Geld sparen wollen und hängen einfach etwas auf, das sowieso schon rumliegt und beauftragen nicht extra einen Dekorateur für ihre Events.

Vom Sprayer zum Deko-King

Angefangen hat für Disco-Boris alles als 16-Jähriger im Palais X-Tra. «Ich habe früher gesprayt und wurde dann halt beim ‹Chribble› erwischt», erzählt er schmunzelnd. Die Konsequenz – den entstandenen Schaden abarbeiten. «Als Lehrling hatte ich halt auch einfach kein Stutz», sagt er. So kam das eine zum anderen und Boris hat angefangen im Palais X-Tra zu arbeiten. Fast sechs Jahre lang war er schliesslich dort angestellt. Dann ging die «Tour de Zürich» für Boris erst richtig los. Übers Besame Mucho, Tonimolkerei bis zum Hive hatte Boris in den letzten Jahren so ziemlich überall seine Finger im Spiel. «Ich sage immer, go with the flow», meint Boris und schaut der Zukunft wieder optimistisch entgegen.

veröffentlicht: 30. März 2022 07:00
aktualisiert: 30. März 2022 07:04
Quelle: ZüriToday

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