Zürich
Stadt Zürich

Abstellung der Zürcher Brunnen sorgt für Unmut in der Bevölkerung

«Für viele emotional»

Abstellung der Zürcher Brunnen sorgt für Unmut in der Bevölkerung

· Online seit 15.10.2022, 07:55 Uhr
Um Energie zu sparen, hat die Stadt Zürich vor wenigen Wochen unter anderem einen Teil ihrer Brunnen abgeschaltet. Das löste Reaktionen aus, wie die «Limmattaler Zeitung» berichtet.
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Über 1200 Brunnen gibt es auf dem Zürcher Stadtgebiet. Die Mehrheit davon wird über das normale Züriwasser-Netz gespeist. Rund 400 erhalten ihr Wasser über ein separates, rund 150 Kilometer langes Quellwassernetz aus den Hügeln rund um Zürich. Seit Anfang September ist ein Teil der Brunnen allerdings nicht mehr in Betrieb. Als Energiesparmassnahme hat sie die Stadt abgeschaltet. Nicht alle haben dies diskussionslos hingenommen.

Wieso genau hier?

Rund 100 Meldungen sind seit der Abstellung bei der städtischen Wasserversorgung eingegangen, wie Mediensprecherin Riccarda Engi auf Anfrage der «Limmattaler Zeitung» mitteilt. «Das sind vergleichsweise schon eher viele.» Die Mehrheit der Leute erkundigten sich nach den Hintergründen der Aktion: «Manche fragen sich, wieso denn genau der Brunnen bei ihnen im Quartier nicht mehr verfügbar ist oder was das Ganze überhaupt bringen soll.»

Man erkläre dann jeweils die Gründe, so Engi. Etwa, dass es sich dabei um eine Sensibilisierungsmassnahme handle, die das Energiesparen auch visuell sichtbar machen solle. «Wir wollen ein Zeichen setzen und damit einen Beitrag zum Energiesparen leisten.»

Zudem betone man jeweils, dass nur ein kleiner Teil der Brunnen abgestellt werde, sich in nächster Nähe bereits wieder ein laufender Brunnen befinde und die Versorgungssicherheit gewährleistet bleibe. «Wenn wir es ihnen so erklären, dann haben sie auch Verständnis.»

Quellwasserbrunnen funktionieren ohne Strom

Von den rund 1200 Brunnen hat die Stadt gut 220 abgeschaltet. Es handelt sich um Brunnen, die vom regulären Verteilnetz gespeist werden. Die Mehrheit von ihnen seien mit Wasserspiel und Wasserumwälzung ausgestattet und befänden sich in der Innenstadt, erklärt Engi. Diese verbrauchten am meisten Energie. Die Quellwasserbrunnen hingegen seien direkt mit der Quelle verbunden und brauchten deshalb überhaupt keinen Strom. Sie würden laut Engi auch bei einem Stromausfall noch funktionieren.

Rund 70 Prozent des Wassers im regulären Verteilnetz stammt aus dem Zürichsee. In der Nacht wird dieses in die beiden Seewasserwerke zur Aufbereitung an die Erdoberfläche gepumpt und anschliessend in eines der städtischen Wasserreservoire. Diese sind für die Verteilung des Wassers in die Siedlungen zuständig. Dorthin gelangt es dann über das natürliche Gefälle – also ohne zusätzlichen, künstlichen Energieaufwand.

Es wird knapp ein Zwei-Personen-Haushalt pro Jahr eingespart

Durch die Abschaltung vereinzelter Brunnen habe es nun weniger Wasser, das hochgepumpt werden müsse, erklärt Engi. Sie gibt allerdings zu: «Der Nutzen ist im Moment minim. Es geht hier vor allem um die Sensibilisierung der Bevölkerung.» Pro Brunnen spart die Stadt rund 1200 Kilowattstunden pro Jahr ein. Zum Vergleich: Ein Zwei-Personen-Haushalt verbraucht etwa 1600 Kilowattstunden pro Jahr.

Die Stadt rechnet dadurch mit Einsparungen von insgesamt rund 168'000 Kilowattstunden. Das ist die Menge an Energie, welche durch eine rund siebeneinhalbmonatige Einstellung dieser rund 220 Brunnen eingespart wird. Wie lange die Brunnen allerdings letztlich abgeschaltet bleiben, ist noch unklar. «Bis auf weiteres», heisst es bei der Wasserversorgung. Abhängig ist das von der weiteren Entwicklung der Energieversorgung.

«Für viele eine emotionale Komponente»

«Brunnen sind immer ein Politikum», sagt ein Mediensprecher beim städtischen Departement der Industriellen Betriebe. Auch sonst meldeten sich jeweils Leute, wenn der Brunnen bei ihnen im Quartier nicht mehr laufe. Jogger zum Beispiel, die unterwegs etwas trinken wollen, Hündeler mit ihren Hunden oder Obdachlose. «Brunnen sind für viele eine emotionale Komponente», bestätigt Engi. In der Stadt Zürich sei man wegen der vielen Brunnen und ihrer Verfügbarkeit in einer privilegierten Lage.

Für die Stadtverwaltung bedeutet das Abstellen der Brunnen nicht weniger Arbeit. Gemäss Engi reinigen und in Stand halten die zehn zuständigen Brunnenwärter die abgestellten Brunnen weiterhin wöchentlich. Ausserdem sind die Mitarbeitenden derzeit damit beschäftigt, die betroffenen Brunnen mit Hinweistafeln auszustatten, auf denen ein QR-Code auf eine Website der Stadt mit weiteren Informationen weiterleitet.

(hap/LZ)

veröffentlicht: 15. Oktober 2022 07:55
aktualisiert: 15. Oktober 2022 07:55
Quelle: ZüriToday

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