Idee aus Japan

Stadt Zürich pflanzt «Mini-Wald» in Seebach

Lea Hilff, 3. November 2022, 07:27 Uhr
Ein kleiner Flecken Wald mitten im urbanen Zürich. Die Stadt plant gemeinsam mit einer Projektgruppe ein Grundstück in Seebach in ein kleines Ökosystem zu verwandeln – ein Akt fürs Klima und eine Idee aus Japan. Die Initiantinnen erklären im Interview mit ZüriToday, wie das funktioniert.
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Wo Häuser dicht an dicht stehen, ist eigentlich kein Platz für einen Wald. Zumindest nicht für einen, wie man ihn kennt. Mit dem Projekt «Mini Wald» soll sich das ändern. Die Stadt Zürich verwandelt zusammen mit dem Verein Stadtgrün ein Grundstück in Seebach in ein kleines Wäldchen. Und hier soll er heranwachsen - bei der Kreuzung Glattalstrasse und Ausserdorfstrasse gleich gegenüber dem Sportplatz Katzenbach:

Auf den ca. 400 Quadratmeter soll bald ein Wald stehen.

© Verein Stadtgrün

«Ein Mini-Wald ist ein kleines Klimawunder», schwärmt Beatrice Häsler, eine der beiden Initiantinnen des Projekts. Pro Quadratmeter werden drei bis vier Bäume gepflanzt – alles einheimische. «Dadurch wird der Mini-Wald zu einem tollen Lärmschutz, filtert die Luft und hilft bei der Hitzeminderung.» Zudem ist der dichte Wald ein wahres « Vogel- und Kleintierparadies.»

Auf der ca. 400 Quadratmeter grossen Fläche werden am 12. und 26 November rund 1'200 Bäume und Sträucher gepflanzt. Anpacken tun vor allem Freiwillige aus der Nachbarschaft – pro Tag haben sich über 20 angemeldet. Ein Teil des Grundstückbodens werde gelockert, umgegraben und mit Mist vermischt. «So können die Bäume schneller Wurzeln schlagen», erklärt Häsler im Interview mit ZüriToday. Auf dem Rest des Grundsstückes werden die Bäume in den bestehenden Boden gepflanzt. Das Ziel ist dabei, die beiden unterschiedlichen Methoden zu vergleichen. Innerhalb von drei Jahren wächst auf der kleinen Fläche ein autarkes Ökosystem.

Eine Idee aus Japan

Der Boden, worauf der kleine Wald wächst, stellt die Stadt Zürich auf unbestimmte Zeit zur Verfügung. Zudem finanziert sie einen Grossteil des Projekts. «Wir finden es gut wenn Initiativen ergriffen werden und unterstützen diese gerne», sagt Tanja Huber, Sprecherin von Grün Stadt Zürich gegenüber ZüriToday. «Jeder Baum, der gepflanzt wird, ist ein guter Baum.»

Die Idee mit den Mini-Wäldern – auf englisch «Tiny Forest» – entstand bereits in den 1970er Jahren. Der japanische Ökologe Akira Miyawaki sah darin die Lösung, wie Grossstädte grüner werden können. «Wir waren hin und weg von dieser Idee», so Häsler. Zusammen mit Katharina Schlatter engagiert sie sich schon seit einiger Zeit für die Umwelt. «Es ist schön selber etwas Gutes tun zu können.»

Weltweit gibt es derzeit rund 3.000 Tiny Forests - die meisten davon in Asien und in Europa vor allem in den Niederlanden und in Belgien. Auch in Deutschland erobern sie die Städte. Vor zwei Jahren wurde dort der erste «Tiny Forest» gepflanzt.

«In Seebach wird viel darüber gesprochen»

Neben den beiden geplanten Pflanz-Tagen kam spontan noch ein dritter dazu. «Zwei Schulklassen aus Seebach haben sich bei uns gemeldet, dass sie auch mithelfe wollen», so Häsler. Sie werden jetzt an einem Montagnachmittag anpacken.

Allgemein findet das Projekt «Mini-Wald» in der Nachbarschaft grossen Anklang. «Die Reaktionen waren toll! In Seebach wird viel darüber gesprochen», so Häsler. Eine Gruppe von Anwohnerinnen und Anwohnern helfe auch mit, den Wald in Zukunft zu pflegen. «Diese Begeisterung hat uns sehr motiviert», freut sich Schlatter.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 3. November 2022 07:27
aktualisiert: 3. November 2022 07:27