Zürcher Wahlen

SP-Exponenten unterstützen Regierungsrat Mario Fehr und sorgen damit für Ärger

Jonathan Schoeffel, 8. Januar 2023, 20:26 Uhr
Mario Fehr ist seit 2021 kein SP-Mitglied mehr. Trotzdem unterstützen ihn mehrere SP-Kantonsparlamentarier bei den anstehenden Regierungsratswahlen. Das sorgt in der Partei für rote Köpfe.

Quelle: TeleZüri / 08.01.2023

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Fehr wird im Wahlkampf ganz offiziell von SP-Kantonsrat Davide Loss und SP-Kantonsrätin Birgit Tognella-Geertsen unterstützt. Wie die «NZZ am Sonntag» aus gut unterrichteter Quelle weiss, werden sich weitere SP-Exponenten aus dem Kanton für Mario Fehr aussprechen, sie halten sich aber bis jetzt noch bedeckt. Das sorgt in der SP-Kantonsratsfraktion für Ärger.

Das Verhalten schade der SP grundsätzlich und könne beim Wahlvolk einen falschen Eindruck erwecken, so der Tenor. Insbesondere ganz links ist das Unverständnis gross. Laura Fischer, Co-Präsidentin der Juso, meint: «Wenn nun ein linker Support für Fehr zum Thema wird, müssen wir aktiv werden.» Die SP-Jungpartei und die jungen Grünen planen eine Gegenkampagne, die in den nächsten Tagen starten soll.

«Die Kampagne wird online stattfinden und den Fokus haben, Fehrs Amtszeit aufzuarbeiten und Informationen bereitzustellen, warum er aus linker Sicht nicht wählbar ist», so Fischer. In der kommenden Woche werden neue Einzelheiten zu Fehrs Unterstützung und seinem Wahlkampf erwartet. Fehr selbst will sich nicht zur Unterstützung aus seiner Ex-Partei äussern, wie der 64-Jährige auf Anfrage von ZüriToday sagt.

Am 9. September 2022 hatte Mario Fehr bekannt gegeben, dass er erneut für den Zürcher Regierungsrat kandidieren will. An der extra für diese Verkündung einberufenen Pressekonferenz betonte der Parteilose wiederholt, sich fit für eine erneute Legislatur zu fühlen.

Die Zürcher Regierungsratswahlen finden am 12. Februar 2023 statt. Der Ex-SP-Politiker sitzt seit 2011 in der Zürcher Kantonsexekutive. Er ist in weiten Teilen der Bevölkerung sehr beliebt – bis tief ins bürgerliche Lager geniesst er Anerkennung. In seiner Ex-Partei, der SP, hat er jedoch zahlreiche Gegner. Er geriet über die Jahre immer wieder mit der Juso in Konflikt.

Fehr trat 2021 aus SP aus

Die Juso forderte in der Vergangenheit mehrfach den Rücktritt Fehrs – so auch im Herbst 2020, als in Zürich zwei abgewiesene Asylbewerber aus dem Fenster einer Unterkunft stürzten und sich dabei verletzten. Fehrs Sicherheitsdirektion kritisierte in einer ungewohnt emotionalen Mitteilung das Verhalten der abgewieseenen Asylbewerber als «inakzeptabel». Es war die Rede von «gezielten Provokationen» und von Regeln, an die sich die betreffenden Asylbewerber nicht hielten. Das sorgte in Fehrs damaliger Partei für rote Köpfe. Die Juso sprach von einem «verwerflichen und verunglimpfenden Rundumschlag gegen die Asylsuchenden».

Im Juni 2021 gab Fehr seinen Austritt aus der SP bekannt. Als Grund gab er Spannungen mit der ihm zufolge «zunehmend ideologischen und nach links abdriftenden» Führung der Zürcher SP an.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 8. Januar 2023 07:19
aktualisiert: 8. Januar 2023 20:26