Ausbildung

Scientology bietet im Kanton Zürich eine Lehrstelle an

31. August 2022, 18:10 Uhr
Das neue Lehrjahr hat bereits begonnen und auch die Scientology-Gemeinde in Zürich bietet eine KV-Lehrstelle an. Der kaufmännische Verband als auch eine Sektenexpertin zeigen sich darüber besorgt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wer überhaupt Lernende ausbilden darf.

Unter dem Hashtag Vorstellungsrunde wurde von der Scientology-Gemeinde Zürich ein Clip auf ihren Social-Media-Kanälen veröffentlicht, welcher einen jungen Mann zeigt, der von seiner Ausbildung bei der Scientology-Kirche berichtet. Darin heisst es: «Wir haben mega viele junge Leute und gleichzeitig ist es recht flexibel, sehr spontan und, ja, wir haben ein cooles Umfeld.»

Das Video wurde auch von der Fachstelle Infosekta geteilt, allerdings mit einer Warnung. Es sei problematisch, wenn eine umstrittene Organisation eine Ausbildung in einem sehr beliebten Ausbildungsbereich anbiete, so der Post. Auf Nachfrage der «Neuen Zürcher Zeitung» bei Infosekta heisst es, dass das Risiko bestünde, mit dem Lehrstellenangebot den jungen Menschen die Ideologie näherbringen zu wollen, um sie anschliessend als Mitarbeitende zu gewinnen.

Schweiz erkennt Scientology als religiöse Gemeinschaft an

Die NZZ führte daraufhin ein Gespräch mit dem jungen Auszubildenden im Video. Eigentlich habe der 22-Jährige eine Ausbildung als Grafiker beginnen wollen, aber keine Stelle gefunden. Er sei bei der Suche auf die Ausschreibung der Scientology-Kirche Zürich gestossen. Er glaube nicht an die Inhalte von Scientology, «aber sie hat positive Aspekte und ich eigne mir an, was mir davon passt.»

Die weltweit umstrittene Glaubensgemeinschaft wurde 1954 in den USA von dem US-amerikanischen Science-Fiction-Autor Ron L. Hubbard gegründet. Mithilfe von Kursen und Trainings soll so der perfekt funktionierende Mensch erschaffen werden. Jedoch seien die Methoden recht manipulativ und die Angebote sehr kostspielig, heisst es weiter. Daher steht Scientology in Deutschland wegen Verdachts auf demokratiefeindliche Bestrebungen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

Warum darf Scientology im Kanton Zürich Menschen ausbilden? 

Die Scientology-Gemeinde Zürich ist im Handelsregister als Verein eingetragen und als solcher darf sie in der Regel Lehrstellen anbieten, schreibt die NZZ. Das dürfen auch die Zeugen Jehovas, International Christian Fellowship (ICF) oder der islamische Zentralrat Schweiz, welche auch als Vereine registriert sind. Dennoch benötigt ein Lehrbetrieb eine Bildungsbewilligung, die vom kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) ausgestellt wird. Die Scientology-Kirche Zürich verfügt seit 2021 über eine solche Bewilligung.

Der Präsident der Scientology-Kirche Zürich, Jürg Stettler, kann die Kritik nicht nachvollziehen. Diese fusse auf Vorurteilen und diffusen Bedenken. Darüber hinaus biete Scientology in Zürich diese Lehrstelle an, weil Mitglieder Anfragen gestellt hatten.

Auflagen müssen geprüft werden 

Der Kaufmännische Verband Schweiz zeigt sich überrascht und gleichzeitig besorgt darüber, dass Scientology eine solche Lehre anbiete. Dazu sagt sie zur NZZ, dass junge Menschen meist jung und vulnerabel seien. «Es ist deshalb wichtig, dass sie ihre Lehre in einem Betrieb machen, in dem sie nicht von tendenziösen Haltungen beeinflusst werden.» Ob das bei Scientology der Fall ist, vermag Ziltener nicht zu sagen.

Jedoch ist die Qualitätskontrolle der Ausbildungsbetriebe Sache der Kantone. Es ist wichtig, dass die Kantone die Erteilung der Bildungsbewilligungen ernst nehmen, die Betriebe sorgfältig überprüfen und dafür genügend Ressourcen zur Verfügung stellen», heisst es weiter. Zudem seien wegen Scientology bislang noch keine Beschwerden eingegangen.

Ob Scientology als Ausbildungsbetrieb alle Voraussetzungen und Auflagen erfülle, müsse bei einem Besuch vor Ort von einer Berufsinspektorin oder einem -inspektor geprüft werden. Erst dann erteilt das MBA eine Bildungsbewilligung und offensichtlich hat die Scientology Gemeinde in Zürich diese Auflagen erfüllt.

(sib)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 31. August 2022 08:08
aktualisiert: 31. August 2022 18:10
Anzeige