Missbrauchsvorwürfe

Schülerinnen der Tanzakademie Zürich berichten von Qualen und Demütigungen

22. Juni 2022, 17:37 Uhr
Die Tanzakademie Zürich sieht sich mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert: Jahrelang sollen Schülerinnen und Schüler misshandelt und erniedrigt worden sein. Demütigungen, die bei vielen zu Depressionen und Essstörungen führten. Die Akademie will noch keine Stellung beziehen, leitete aber eine Untersuchung ein.

An der Tanzakademie in Zürich (taZ), einer der renommiertesten staatlichen Ballettschulen der Welt, herrscht laut Recherchen der Wochenzeitung "Die Zeit" ein Klima der Angst. Ehemalige Schülerinnen und Schüler berichten, dass sie täglich von unterschiedlichen Lehrpersonen erniedrigt und gedemütigt wurden.

Bodyshaming und Essstörungen

Auch seien mit extremen Gewichtsvorgaben und Bodyshaming bei den Kindern und Jugendlichen Essstörungen provoziert worden. Teilweise wurde sogar körperliche Gewalt angewendet, wie es im Artikel weiter heisst. Zahlreiche angehende Tänzerinnen und Tänzer, die an der taZ unterrichtet wurden, sollen an Depressionen, Angstzuständen, Mager- und Brechsucht sowie Suizidgedanken gelitten haben – teilweise würden sie das bis heute tun. So berichten es die Schülerinnen und Schüler der Wochenzeitung.

Die Zeit soll in den vergangenen fünf Monaten mit 13 ehemaligen Schülerinnen und Schülern gesprochen haben, die von 2007 bis 2021 die Tanzakademie Zürich besuchten, welche der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) angegliedert ist. Konfrontiert mit den Recherchen soll Thomas D. Maier, Rektor der ZHdK, am Dienstag 31. Mai eine Administrativuntersuchung eingeleitet haben.

Hochschule will noch keine Stellung beziehen

Bis zum Abschluss der Untersuchung Ende des Jahres wolle die Hochschule keine detaillierte Stellung zu den Vorwürfen beziehen. Gegen das Schulleitungsteam der taZ, die beiden ehemaligen Spitzentänzer Oliver Matz und Steffi Scherzer, seien bisher keine personalrechtlichen Massnahmen ergriffen worden.

Die Leitung der ZHdK soll schon seit mehreren Jahren Kenntnis davon gehabt haben, dass Schülerinnen und Schüler an ihrer Hochschule nicht korrekt behandelt werden. Marijke Hoogenboom, Departementsleiterin Darstellende Künste & Film an der ZHdK, habe «Der Zeit» geschrieben, ihr seien „Vorkommnisse an der taZ bekannt, bei denen sich Dozierende gegenüber Schülerinnen in Wortwahl, Ton oder Unterrichtspraxis unangemessen verhalten haben.“

Bis 2021 sollen die Misshandlungen angedauert haben

Deshalb habe man „Massnahmen, Regularien und transparente Prozesse zur Qualitätssicherung eingeführt.“ Die ZHdK und die taZ duldeten „kein demütigendes, diskriminierendes oder rassistisches Verhalten.“ Ihr Reglement definiere die Prozesse, die „allen Angehörigen der Hochschule zur Verfügung stehen, die sich von einem solchen Verhalten betroffen fühlen.“ Gemäss neuen Recherchen sollen die Misshandlungen der Kinder und Jugendlichen allerdings bis mindestens 2021 angedauert haben.

(baz)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 1. Juni 2022 16:36
aktualisiert: 22. Juni 2022 17:37
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