Zürich

«Sackgefährliche» Baustelle auf Zürcher Veloweg empört

Spur endet plötzlich

«Sackgefährliche» Baustelle auf Zürcher Veloweg empört

26.01.2023, 18:29 Uhr
· Online seit 26.01.2023, 07:01 Uhr
Mitten auf dem neuen Veloweg am Seilergraben in der Stadt Zürich zwingt eine Baustelle Velofahrerinnen und Velofahrer zum Abzweigen – auf eine dicht befahrene Strasse. Das sei gefährlich, enerviert sich der Fahrer eines Lastenvelos.
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Der tödliche Unfall schockierte weit über die Stadtgrenzen hinaus. Ein Betonmischer erfasste beim Abbiegen von der Badenerstrasse in die Seebahnstrasse letzten Herbst eine 25-jährige Velofahrerin – diese starb vor Ort. Dabei handelt es sich nicht um den ersten tödlichen Velounfall in der Stadt Zürich.

Nach dem Vorfall nahmen viele Menschen die Stadt in die Verantwortung und forderten für Velos mehr Platz auf Zürcher Strassen. Eine neue Baustelle kommt solchen Forderungen aber alles andere als entgegen.

Vom Velo weg auf die dicht befahrene Strasse

Es handelt sich um eine Baustelle, die sich mitten auf dem neuen Veloweg beim Seilergraben befindet. Ein Pfeil verweist die Velofahrerinnen und Velofahrer darauf, das Hindernis links zu umfahren. Damit bleibt ihnen keine andere Wahl, als sich auf die dicht befahrene Hauptverkehrsstrasse zu begeben.

Patrick Stähler zügelt mit dem Lastenvelo gerade sein Büro vom Seefeld an die Walchestrasse. Als er am Montag mit dem Velo vor der Baustelle landete, kritisierte er auf Twitter die Stadt Zürich: «Ihr baut einen tollen Veloweg und dann eine Baustelle ohne irgendeine Möglichkeit sicher auf die Strasse zu kommen.» Wer sich sowas ausdenke, fragt er. «Das ist sackgefährlich.»

«Es muss doch nicht zuerst ein Unfall passieren»

Gegenüber ZüriToday führt Stähler das Problem aus. «Dieser Pfeil ist etwa so gefährlich, als würde man den Fussgängern sagen, dass sie doch bitte über die Autobahn gehen sollen», erklärt er. Die Baustelle zwinge die Velofahrenden, scharf auf die Strasse abzubiegen und dort auf eine Lücke zu warten. Die Autofahrerinnen und -fahrer könnten von den Velofahrenden überrascht werden. «Es gibt kein Schild, das sie vor einbiegenden Velofahrern warnt.» Zudem überrasche die Baustelle auch die Velofahrer, da der Verkehr nirgendwo umgeleitet werde. «Es muss doch nicht zuerst ein Unfall passieren, damit die Stadt das Problem löst, obwohl Lösungen so einfach wären.» Die Stadtpolizei habe sich aufgrund des Tweets mit ihm in Verbindung gesetzt und suche nach einer Lösung.

Im Herbst 2022 baute die Stadt das bergseitige Trottoir vom Hirschengraben bis zur Mühlegasse zu einem Veloweg um. Das Ziel dabei war, die Sicherheit für Velofahrer und Fussgänger zu erhöhen. Patrick Stähler lobt den Veloweg. Er findet aber: «Wer solch schöne Velowege planen kann, kann im Fall von Baustellen auch entsprechende Umleitungen planen.»

Nicht alle haben Verständnis

Für den Post bedanken sich einige Userinnen und User auf Social Media und stimmen zu. Er habe die Baustelle von der anderen Seite aus gesehen und sich an den Kopf gelangt, schreibt ein User. «Der Abschnitt da ist lebensgefährlich», schreibt ein User.

Manche Userinnen und User machen sich aber auch lustig über die Kritik. Ob er wolle, dass die Polizei ihm die Hand halte, wenn er mit dem Fahrrad über den 10-Zentimeter-Randstein fahren müsse, entgegnet eine Userin. «Baustellen hat es nun mal da, wo gebaut wird.» Ein anderer Kommentierender versteht das Problem nicht und ist der Meinung, dass Velos sowieso selten dort fuhren, wo sie sollten.

Mitte Februar soll Problem behoben sein

Das Tiefbauamt der Stadt Zürich erklärt auf Anfrage, dass sich die Baugrube auf dem Veloweg befinde, weil dort die Werkleitungen unter dem Boden verliefen. «Die Baugrube wurde für das Verlegen von Stromleitungen erstellt», sagt Mediensprecher Roger Muntwyler. Diese Arbeiten seien Teil der umfangreichen Sanierungsarbeiten, die aktuell im Nieder- und Oberdorf durchgeführt würden.

Laut Muntwyler ist die Baustelle ordnungsgemäss signalisiert. «Wir sind uns der Unannehmlichkeiten bewusst, die eine solche Baustelle mit sich bringt und versuchen, diese so gering wie möglich zu halten.» Bei Baustellen müssten grundsätzlich alle Verkehrsteilnehmenden besondere Aufmerksamkeit walten lassen und die Geschwindigkeit den Umständen entsprechend anpassen. Zudem müsse mit Hindernissen und Verengungen gerechnet werden.

Um die scharfe Abzweigung zu vermeiden, gibt es nur eine Alternative. Muntwyler macht darauf aufmerksam, dass Velofahrerinnen und Velofahrer auf der Strasse Richtung Central weiterfahren könnten. Muntwyler kündigt an, dass die Bauarbeiten voraussichtlich Mitte Februar 2023 abgeschlossen werden können. «Dann steht den Velofahrenden dieser Abschnitt des Velowegs wieder zur Verfügung.»

veröffentlicht: 26. Januar 2023 07:01
aktualisiert: 26. Januar 2023 18:29
Quelle: ZüriToday

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