Zürich

Rüebli und Radiesli: Nach bangen Wochen scheint die Ernte doch noch gerettet

Regen sei Dank

Nach bangen Wochen scheint die Ernte der Zürcher Bauern gerettet

· Online seit 31.03.2022, 06:45 Uhr
Der März war äusserst trocken, doch nun kommen regnerische Tage. Die Gemüsebauern im Kanton freuen sich – ihnen drohte allmählich ein Ausfall der Ernte. Auf Niederschlagswerte wie im Sommer 2021 wollen sie aber tunlichst verzichten.
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Endlich Regen! Der Blick auf den Wetterbericht der nächsten Tage muss für manch einen Gemüseproduzenten eine grosse Erleichterung gewesen sein. Nach einem enorm trockenen März schlägt das Wetter um – und damit steigt die Hoffnung, dass die Gemüseernte noch zu retten ist.

Diese sei bisher nicht gut verlaufen, betonen mehrere Gemüsebauern im Kanton. Stephan Müller, Bio-Gemüseproduzent aus Steinmaur im Zürcher Unterland, erklärt: «Wir warten sehnlichst auf Regen. Alles Gemüse, das wir bisher gepflanzt haben, mussten wir künstlich bewässern, damit es überhaupt wachsen konnte.» Davon betroffen seien sämtliche Blattsalate, Fenchel, Kohlpflanzen und Saaten wie Radiesli und Karotten.

Der März brachte auch seine Vorteile

Der Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands (ZVB), Ferdi Hodel, kann ebenfalls kaum erwarten, dass es endlich wieder regnet – und betont die zeitliche Dringlichkeit: «Die nächsten fünf bis sechs Tage werden darüber entscheiden, wie gross der Ernteausfall sein wird. Wenn es ein paar Zentimeter regnet, dann sollten wir das Meiste retten können.» Die Gefahr, dass es ansonsten zu grösseren Ausfällen kommt, bestehe definitiv.

Dass der März ein schöner und trockener Monat war, habe aber nicht nur Nachteile mit sich gebracht, anerkennt Hodel: «Für das Säen der Samen und der Setzlinge waren die letzten paar Wochen eigentlich ideal. Es ist besser, wenn der Boden dafür trocken ist statt überwässert.» Aber eben: Das Säen ist längst vorbei – jetzt braucht es wieder Nässe. «Ansonsten wächst die Pflanze nicht, die Keime vertrocknen.»

Dauerregen lässt Bauern machtlos zurück

Auch Müller hat vom Monat März ein Stück weit profitieren können: «Durch die vielen Sonnenstunden hat es in den Gewächshäusern und Folientunnels einen richtigen Wachstumsschub gegeben. Wir haben derzeit einen Überschuss an Gemüse, welches sehr schnell gewachsen ist», so der Steinmaurer. Die nächsten zwei Wochen werde es auf dem Markt ein grosses Angebot an diversem Gemüse geben.

Dass er wegen des fehlenden Regens auf künstliche Bewässerung setzen muss, sei Teil seines Berufs. Wenn er wählen müsste, würde er dies gegenüber Dauerregen aber vorziehen. «Bei grossen Regenmassen sind wir ganz machtlos. Der letzte Sommer ist das beste Beispiel dafür: Da ist das Gemüse praktisch ertrunken. Dann ist mir eine gewisse Trockenheit doch lieber.»

Die Spargeln kommen schon bald

Die ideale Niederschlagsmenge, die sich Müller nun wünscht, sind 100 bis 150 Liter pro Quadratmeter, verteilt über eine Woche. «Zu stark und zu schnell regnen darf es eben auch nicht. Dann würde das meiste Wasser an der Oberfläche bloss wieder wegfliessen.» Wichtig sei, dass das Wasser in der Erde versickere und falls möglich sogar ins Grundwasser fliesse. Davon würden die Pflanzenwurzeln viel mehr profitieren.

Nun rechnet Müller fest damit, dass er sein Gemüse im April ernten kann – vor allem die «heiss geliebten» Spargeln: «Diese werden ab Mitte des Monats dran sein.» Auch die Blattsalate werden ab Ostern bis Ende April geerntet. Unabhängig davon, wie die Ernte ausfällt, ist sich Müller bewusst: Auf die Wetterextreme kann er keinen Einfluss nehmen. Und auch Hodel betont: «Frost, Nässe, Trockenheit, das hat es schon immer gegeben. Wir sind uns alles gewohnt.» Dass das Wetter den Gemüseproduzenten nun gutgesinnt ist, freut sie umso mehr.

veröffentlicht: 31. März 2022 06:45
aktualisiert: 31. März 2022 06:45
Quelle: ZüriToday

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