Regierungsratswahlen vom 12. Februar

Mario Fehr und Natalie Rickli haben die besten Chancen

Lothar Josef Lechner Bazzanella, 20. Dezember 2022, 13:00 Uhr
Eine neue Studie lässt erahnen, wer bei den kantonalen Regierungsratswahlen am 12. Februar am ehesten das Rennen machen wird. Erstaunlich: Gerade der parteilose Mario Fehr überzeugt Links und Rechts.
Anzeige

In weniger als zwei Monaten müssen die Zürcherinnen und Zürcher entscheiden, wer in der kantonalen Regierung sitzen soll. Dabei sieht die Ausgangsposition wie folgt aus: Die sieben derzeitigen Mitglieder wollen ihren Platz verteidigen. FDP und SP wollen wieder auf zwei Sitze kommen, die GLP will sich einen Sitz ergattern.

Glaubt man einer NZZ-Befragung, die in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Gfs Bern durchgeführt wurde, sollten Stand heute alle Regierungsräte wiedergewählt werden. Heisst: Wenn die ärgsten Verfolger Priska Seiler Graf (SP), Peter Grünenfelder (FDP) und Beno Scherrer (GLP) in die Regierung einziehen wollen, dann müssen sie in den nächsten beiden Monaten ordentlich Gas geben.

Parteiloser Fehr punktet

«Bisherige haben traditionell bessere Chancen auf eine Wahl als ihre Angreifer», wird die Politologin Cloé Jans von GfS Bern in der «Neuen Zürcher Zeitung» zitiert. Dies würde die Studie bestätigen. Vor allem Regierungsrat Mario Fehr ist beliebt: So würden rund sechs von zehn Befragten angeben, ihn im Amt zu bestätigen. Und das, obwohl Fehr vor anderthalb Jahren aus der SP ausgetreten war und nun als Parteiloser kandidiert. Selbst in seiner ehemaligen Partei ist die Gunst der Wähler noch gross.

Vor allem aber das Mitte-Rechts-Lager wolle Fehr seine Stimme geben. Etwa drei Viertel der SVP-Wähler planen, ihn auf den Zettel zu schreiben, wie es weiter heisst. Damit reicht er selbst der SVP-Regierungsrätin Natalie Rickli das Wasser.

Diese landet im Wahlbarometer auf dem zweiten Platz hinter Fehr und ist damit die grösste Aufsteigerin. Die mediale Präsenz während der Corona-Pandemie und auch die Tatsache, dass Rickli jüngst als mögliche Bundesrätin gehandelt wurde, spielten der Gesundheitsrätin in die Karten, erklärt Expertin Cloé Jans. Auf dem dritten Platz hinter Rickli landet Parteikollege Ernst Stocker.

Martin Neukom vor Jacqueline Fehr

Justizdirektion Jacqueline Fehr von der SP landet auf Platz fünf im Wahlbarometer. Vor ihr platziert sich der grüne Baudirektor Martin Neukom. Hier gilt zu erwähnen: Der derzeitige Datenskandal, welcher die Zürcher Justiz durchrüttelt, dürfte Fehr alles anderes als gelegen kommen. Die Umfrage wurde grösstenteils zu einem Zeitpunkt durchgeführt, an dem das Datenleck noch nicht publik war. Vermutlich wird es Fehr noch einige Stimmen kosten.

Die beiden letzten Plätze holen sich Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh von der FDP und Bildungsdirektorin Silvia Steiner von der Mitte. Ein grosser Teil der Befragten zeigt sich mit deren Arbeit offenbar unzufrieden. Dass dies ihnen am Ende das Amt kosten wird, scheint derzeit trotzdem nicht der Fall. Weder Seiler Graf noch Grünenfelder oder Scherrer scheinen derzeit genügend Wählerinnen und Wähler überzeugen zu können.

Dies könnte sich in der letzten heissen Phase der Wahlen und vor allem im Hinblick auf den Datenskandal der Justiz noch ändern. Das Frauentrio rund um Steiner, Walker Späh und Fehr muss auf die Gunst ihrer Basis hoffen. Wahrscheinlich, sagt Jans abschliessend, dürften diese drei Frauen, die besonders tief bewertet worden seien, nun doch einige unruhige Wochen erleben.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 20. Dezember 2022 14:06
aktualisiert: 20. Dezember 2022 14:06