Winterthur verzichtet

Zürich bleibt von russischem Gas abhängig

2. Juli 2022, 13:59 Uhr
Die Stadt Winterthur verzichtet auf russisches Gas und kauft nur noch solches aus der Nordsee. Die Stadt Zürich ist aber noch nicht so weit – dort ist die Situation komplizierter.
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Die Stadt Winterthur teilte am Freitag mit, dass sie aufgrund des Ukraine-Kriegs seit dem 1. Juni auf Gas aus Russland verzichtet. Stattdessen wird Erdgas aus westeuropäischen Staaten beschafft.

50 Prozent der Zürcher Heizungen brauchen Gas

In der Stadt Zürich braucht jede zweite Heizung Gas, wie aus einem Bericht des «Tagesanzeigers» hervorgeht. Das Gas wird vom stadteigenen Energielieferanten Energie 360° bezogen. Michael Baumer, FDP-Stadtrat und Verwaltungsratspräsident von Energie 360°, sagte zu jener Zeitung im März: «Der von Russland geführte Angriffskrieg ist inakzeptabel. Daher werden wir den Anteil an russischem Gas reduzieren und langfristig darauf verzichten.» Energie 360° werde die Beschaffungsstrategie anpassen, um möglichst rasch die Abhängigkeit von russischem Gas zu beenden.

Michael Walser, Sprecher von Energie 360° sieht als entscheidend, was Deutschland und die anderen EU-Länder machen. Denn die gesamte Schweiz steht nicht im direkten Handel mit Russland, sondern bezieht das Erdgas primär auf den Märkten in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Italien.

Kein Register für Herkunftsnachweise

Überall – in Zürich und in Winterthur – fliesst physikalisch gesehen Gas aus Russland. Fürs Heizen, zum Kochen oder zur Aufbereitung von Warmwasser. In Bezug auf Herkunftsnachweisen relativiert Michael Walser: «Es gibt kein etabliertes System oder anerkanntes Register für Herkunftsnachweise.» Zum heutigen Zeitpunkt nütze der Einkauf von Herkunftsnachweisen also nichts. «Überall in der Schweiz fliesst dasselbe Gas in den Leitungen wie in Zürich und es wird auch aufgrund der Herkunftsnachweise nicht mehr Gas in der Nordsee gefördert.»

Bis 2040 will Energie 360° nur noch erneuerbare Energie anbieten. In Zürich beträgt der Biogasanteil im Gas-Standardprodukt 25 Prozent. Will ein Durchschnittshaushalt vollständig nur Biogas, zahlt er etwa 420 Franken mehr im Jahr. Dies weil der Kilowattpreis um 4,2 Rappen höher liegt als beim Standardmix.

Den Personen, die aus dem russischen Gas aussteigen wollen, empfiehlt Energie 360° die Gasheizung zu ersetzen und auf erneuerbare Heizungslösungen umzusteigen.

(hap)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 2. Juli 2022 13:47
aktualisiert: 2. Juli 2022 13:59