Zürich
Kanton Zürich

Weniger Wochentage, mehr Stunden - Modell für die Zukunft?

Flexible Arbeitszeiten

Zürcher Firmen locken Mitarbeitende mit 4-Tage-Woche

· Online seit 04.02.2022, 10:40 Uhr
Weniger Wochentage, mehr Arbeitsstunden: Um für Mitarbeitende attraktiver zu werden, probieren Unternehmen neue Arbeitszeitmodelle aus. Auch in Zürich.
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Not macht erfinderisch: Weil einige Branchen Mühe haben, Mitarbeitende zu finden, probieren sie nun neue Arbeitszeitmodelle aus. So wollen die Unternehmen attraktiver für Fachkräfte werden. Besonders angespannt sei die Situation im Gesundheitswesen und in der Gastronomie, wo seit Ausbruch der Corona-Pandemie viele Berufsleute ausgestiegen sind, schreibt der «Tages-Anzeiger» in einem Bericht.

So sehen die neuen Arbeitszeiten aus:

Gastronomie: Längere Schichten, weniger Arbeitstage

Im Restaurant Bloom in Winterthur stelle das Küchenteam auf einen 4-Tage-Betrieb um. Eine Schicht dauert neu 10,5 Stunden. Dafür gibt es einen zusätzlichen freien Tag am Wochenende oder zwischen den Arbeitstagen. Möglich wird dies unter anderem, weil die Zimmerstunde gestrichen wurde.

Als freiwillige Option könne die Abschaffung der Zimmerstunde sinnvoll sein, sagt der Präsident des Zürcher Gastroverbands, Urs Pfäffli. Er warnt allerdings davor, die 4-Tage-Woche als Lösung aller Probleme zu sehen. Jeder Betrieb funktionier anders und müsse seine eigene Lösung finden.

Spital: Weniger Schichten, gleicher Lohn

Das Regionalspital Wetzikon kürzt die Arbeitszeit laut Tagi um 10 Prozent für alle Pflegefachpersonen auf Stationen mit drei Schichten. Für 350 Mitarbeitende bedeutet das ab Juni 2022 eine Wochenarbeitszeit von 37,8 statt 42 Stunden. Die einzelne Schichtdauer bleibt gleich, dafür gibt es, gerechnet auf ein Vollzeitpensum, 24 zusätzliche freie Tage pro Jahr.

Das Spital gibt an, bereits erste Bewerbungen mit Bezug auf die Arbeitszeitreduktion erhalten zu haben. Für grössere Spitäler komme ein solches Modell im Moment aber kaum infrage, sagt Charlene Bär von Care 21, einer auf das Gesundheitswesen spezialisierten Stellenvermittlung: «Wenn Sie als Spital die Pensen reduzieren, entstehen im Schichtplan Lücken, die Sie mit mehr Personal schliessen müssen.»

Hotellerie: 4-Tage-Woche als Investition

In den beiden 25 Hours Hotels in der Stadt Zürich, erhalten Mitarbeitende bald die Möglichkeit, ihre Wochenarbeitszeit auf vier Arbeitstage zu verteilen. Die Schicht dauere neu neun Stunden. Damit fehlten vier Stunden für die vertraglich vereinbarte 40-Stunden-Woche. Der Deal laute, dass diese vier Stunden eine Art Puffer für Überstunden sind. Die Mitarbeitenden müssten bereit sein, diese zu leisten, wenn es die Arbeitsbelastung ausnahmsweise erfordere.

Wegen der reduzierten Wochenarbeitszeit müsse der Personalbestand aufgestockt werden. Diese Ressourcen zu schaffen, sei in der aktuellen Situation finanziell schwierig, sagt eine Sprecherin der Hotelkette. Dass das Modell unter dem Strich zu höheren Personalkosten führe, sei ein Hindernis, aber kein unüberwindbares, so Martin von Moos, Präsident des Zürcher Hotelier-Vereins. Einerseits seien die Margen in der Hotellerie tief und Personal teuer. «Anderseits kann ein Betrieb die 4-Tage-Woche als Investition sehen, die sich finanziell auszahlt, wenn dafür Personalfluktuation und Rekrutierungskosten sinken.»

(osc)

veröffentlicht: 4. Februar 2022 10:40
aktualisiert: 4. Februar 2022 10:40
Quelle: ZüriToday

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