Zürich
Kanton Zürich

Vater zündet Familienwohnung an und wird zu 7,5 Jahren verurteilt

Obergericht Zürich

Vater zündet Familienwohnung an und wird zu 7,5 Jahren verurteilt

· Online seit 05.09.2022, 12:31 Uhr
Ein Familienvater steht am Montag vor dem Obergericht in Zürich. Dieser hatte die Wohnung mit Brennpaste angezündet, während seine Familie darin schlief. Nun hat ihn das Gericht zu mehrmehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt.
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Ein heute 61-jähriger Mann sollte mit seiner Familie die gemeinsame Wohnung in Bülach verlassen, weil er die Miete nicht mehr bezahlt hat. Im Dezember 2019 stand dann die Zwangsausweisung an. An diesem Morgen jedoch zündete er die Wohnung mit Brennpaste an.

Schulden in Höhe von 200’000 Franken

«Ich sah absolut keinen Ausweg mehr und wollte mein Leben beenden», so der Beschuldigte am Prozess am Montag vor dem Zürcher Obergericht. Er hat inzwischen eine 50-Prozent-Stelle und wartet auf eine IV-Rente. Seine Schulden beziffert er auf 200’000 Franken, wie «20 Minuten» schreibt.

Schon damals sei er finanziell am Ende gewesen, berichtet er weiter. Am jenem Morgen im Dezember hatte er zwischen vier und fünf Uhr morgens Brennpaste an drei verschiedene Ort in der Wohnung ausgelegt und diese anschliessend angezündet. Die Ehefrau und die beiden Söhne erwachten, bemerkten den Rauch und haben sich rechtzeitig aus der Wohnung retten können. Das Feuer verursachte im Mehrfamilienhaus einen Schaden von rund 450’000 Franken, heisst es weiter.

Bereits 2021 verurteilt worden

Bereits im Juni 2021 wurde der Mann vom Bezirksgericht Bülach wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung und versuchter Brandstiftung mit Gefahr für Leib und Leben von Menschen mit einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt. Seine Verteidigerin verlangte am Montag vor Obergericht einzig eine Verurteilung wegen Brandstiftung. «Es bestand keine Gefahr für Leib und Leben», so die Begründung der Anwältin. 

Das Obergericht hat den Angeklagten nun am Montag der mehrfachen versuchten vorsätzlichen Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren verurteilt – eineinhalb Jahre weniger als die Vorinstanz. «Der Beschuldigte hat in einer grossen psychischen Bedrängnis gehandelt und den Tod der Familie in Kauf genommen», begründet der vorsitzende Richter. Weil es beim Versuch blieb, hat das Gericht eine Strafmilderung vorgenommen. 

(sib) 

veröffentlicht: 5. September 2022 12:31
aktualisiert: 5. September 2022 12:31
Quelle: ZüriToday

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