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So wurde ein Zürcher zum besten Bier-Sommelier der Schweiz

«Überschäumende Freude»

So wurde ein Zürcher zum besten Bier-Sommelier der Schweiz

· Online seit 25.11.2023, 16:01 Uhr
Der Zürcher Lukas Porro ist frischgebackener Schweizer Meister der Bier-Sommeliers. Im Gespräch mit der Today-Redaktion schildert der Geschäftsführer der Wettinger Brauerei «Lägerebräu» seinen Weg zum Titel.
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«Die Jury notiert mit einem Pokerface alles, was du gut oder schlecht machst», erzählt Lukas Porro von der Atmosphäre auf der Bühne am Final der Schweizermeisterschaft der Bier-Sommeliers. «Dadurch erschwert die Jury dir die eigene Einschätzung, ob du auf dem richtigen Weg bist oder eben auch nicht.» Man habe die Spannung, die in der Luft lag, gespürt.

Vor wenigen Tagen meisterte Lukas Porro diese Hürde und gewann im Bierhübeli in Bern die Schweizermeisterschaft.

Seit 2017 ist Porro Diplom-Bier-Sommelier. Bei seiner ersten Schweizermeisterschaft im Herbst 2018 wurde er prompt Dritter. Neben seiner Arbeit als Bier-Sommelier ist er Geschäftsführer der Wettinger Brauerei «Lägerebräu». Wohnhaft ist Porro in Zürich Wollishofen.

Den Spagat zwischen Theorie und Handwerk meistern

Die erste dreier Qualifikationsrunden wird als Theorieblock abgehandelt. In einer Dreiviertelstunde müssen 65 Fragen beantwortet werden. Diese drehen sich unter anderem um Bierstile und Biergeschichte – auf der Relevanz als Wirtschaftsfaktor in der Schweiz und auf der Welt. Die Juroren wollen wissen, wann das erste Mal Bier gebraut wurde oder welches Bier in welchem Glas serviert werden soll.

Als nächstes müssen die Bier-Sommeliers biertypische und Fehl-Aromen aus einem hellen Lagerbier herausfinden. Das ist laut Porro eine essenzielle Fähigkeit eines Bier-Sommeliers, damit dieser in der Praxis urteilen kann, ob ein Bier sauber gebraut wurde.

Aromen wie Banane oder Nelke dürfen dazugehören, bei schwefligen Noten oder Dosenmais-Aromen sollte man merken, dass diese Fehl am Platz sind. Sie finden ihren Weg ins Bier, wenn dieses nicht sauber gebraut wurde.

Vor der Finalrunde müssen die Sommelières und Sommeliers erkennen, welche zehn Biere zu welchem Bierstil gehören. Dieses Jahr war diese Aufgabe besonders knifflig: Die Jury wählte neun Lagerbiere und nur ein dunkles Bier aus, die zugeordnet werden mussten.

Fünf Minuten Zeit, um die Jury zu überzeugen

Im Final werden die Teilnehmenden einzeln auf die Bühne gebeten. Die Jury lost Biere zu, innerhalb von fünf Minuten müssen diese präsentiert werden. «Wenn du Schwein hast, kennst du das Bier und die zugehörige Brauerei», erklärt Lukas Porro.

Vor der Jury referiert er über die Brauerei, den Bierstil und über die Inhaltsstoffe. Wenn die Zeit ausreicht, paart er am Ende das spezifische Bier mit einer passenden Speise. Aber: Gewisse Biere zu präsentieren, kann knifflig sein: «Wenn du nicht viel dazu weisst, dann können fünf Minuten sehr lange sein.»

Im Final musste Lukas Porro ins Stechen

Sein malzbetontes und kräftiges Bier kombinierte Porro mit einem Blauschimmelkäse: «Das Nussige, Kräuterige und Rahmige ergibt in Kombination mit dem Bier ein Geschmackserlebnis, das richtig Spass macht.» Ein lieblicher Rahmkäse beispielsweise wäre hier eine Fehlbesetzung gewesen, erklärt der diplomierte Bier-Sommelier: «Den würde es glatt wegspülen.»

Im Final fällt noch keine Entscheidung, Porro und sein Kontrahent müssen ins Stechen. Dort setzt sich der Zürcher dann durch. Nach zwei Podestplätzen bei seinen bisherigen Teilnahmen schafft Lukas Porro den Triumph: «Die Freude ist überschäumend, dass es geklappt hat.»

Jetzt folgt die Weltmeisterschaft

Als Schweizer Meister darf Porro sogar an die Weltmeisterschaft in München. Einmal nahm er bereits am internationalen Wettbewerb teil. Dort wurde er starker Vierter. «Ich will so weit nach vorne wie möglich», setzt sich Porro zum Ziel.

Bei den letzten zwei Austragungen waren Länder wie Österreich und Deutschland dominant. Das ist durchaus historisch bedingt, da die Bier-Sommelier-Bewegung in diesen Ländern ihren Ursprung fand.

Die Schweiz mit einem aktiven Brauerei-Verband mischt ebenfalls vorne mit. Die Chancen seien grösser, wenn gute Verbandsstrukturen gegeben sind. Giuliano Genoni aus dem Tessin gelang im letzten Jahr sogar der Triumph an der WM.

Lukas Porro freut sich auf die nächste Weltmeisterschaft und hofft, dass Bier-Connaisseur-Community in der Zwischenzeit weiterwächst: «Vor einer Jury und Fachpublikum ein Bier zu präsentieren ist eine zusätzliche Herausforderung, aber spannend. Ich empfehle jedem, sich einmal einen Final einer Bier-Sommelier-Meisterschaft anzusehen.»

veröffentlicht: 25. November 2023 16:01
aktualisiert: 25. November 2023 16:01
Quelle: ZüriToday

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